AI: Data, Power & Aesthetics – Between (Data) Science and (Sub)culture Dieses Seminar öffnet die Black Box der KI – nicht, um sie zu mystifizieren, sondern um sie verständlich zu machen. Wir beginnen mit einer zugänglichen Einführung in die Grundlagen von Machine Learning: Was bedeuten „Daten“, „Modelle“, „Training“ und „Vorhersage“ tatsächlich? Ziel ist es, technische Funktionsweisen von Marketing-Narrativen zu trennen – und KI weder zu dämonisieren noch zu verklären. Im zweiten Teil verschieben wir den Blick auf die gesellschaftliche Dimension von Technik. Mit Gilbert Simondon verstehen wir Technik als etwas Offenes: Sie entsteht im Zusammenspiel mit sozialen und kulturellen Umgebungen. Technische Systeme sind keine abgeschlossenen Black Boxes, sondern relationale Gefüge, die sich weiterentwickeln. Parallel dazu steht Theodor W. Adornos Kritik der Kulturindustrie: Kultur und Technik werden standardisiert, ökonomisch organisiert und auf Effizienz getrimmt. Differenz wird geglättet, Subjektivität formatiert. In der heutigen Plattformökonomie zeigt sich diese Logik algorithmisch: KI wird zur Monopol-Machtform, wenn Modelle, Daten und Infrastrukturen in den Händen weniger Konzerne liegen. Nicht die Technologie selbst ist das Problem, sondern ihre Konzentration in hegemonialen Strukturen. Zwischen diesen beiden Positionen bewegt sich das Seminar: KI steht im Spannungsfeld zwischen offener, gestaltbarer Technik (Simondon) und normierter, monopolistisch organisierter Kulturindustrie (Adorno). Genau in dieser Spannung wird Technik politisch. Als Gegenpol betrachten wir künstlerische und subkulturelle Praktiken, die bewusst außerhalb des normalen Betriebs entstehen – dort, wo Kunst nicht standardisiert, sondern riskiert wird. Positionen wie Maya Deren, Kenneth Anger oder Peter Brötzmann zeigen, wie ästhetische Formen aus Randzonen, Gegenkulturen und experimentellen Milieus hervorgehen. Hier wird Technik nicht effizient gemacht, sondern gebrochen, verfremdet und neu angeeignet. Subkultur fungiert damit als Gegenmodell zur Kulturindustrie: ein Raum, in dem Differenz möglich bleibt – und in dem auch KI nicht als Monopol-Infrastruktur, sondern als künstlerisches Material und politisches Werkzeug gedacht werden kann. |