| Beschreibung |
Analog zum Film ‚Il tetto‘ (‚Das Dach‘,1956) von Vittorio de Sica bauen wir zusammen ein Dach. Im Garten von Haus Hohe Pappeln soll der Bestand mit gemeinschaftlichen Prozessen nutzbar gemacht werden: Ein vorhandener Schuppen mit ungeklärter Provenienz wird umgedeutet- und umgebaut, um das Gebäude zukünftig als aktive Infrastruktur in den Garten einzubinden, die mit ihrer Umwelt interagiert, neue Kreisläufe fördert und den Bestand Hohe Pappeln langfristig erweitert. Unter dem weitergebauten Dach entsteht ein Umverteilungspunkt für Prozesse zwischen Gebäude und Umwelt, Öffentlichkeit und Co-Habitation, um neue kollektive Erfahrungen aufzunehmen oder freizusetzen. Das Projekt soll den Bestand als Gemeinressource mit neuen Mehrwerten anreichern, in den Garten ausstrahlen und diesen mit ökointegrativen Bauformen gesamtheitlich weiterdenken. Wir nutzen den Bestand, um durch das Weiterbauen in der Gruppe einen offenen Werkprozess mit multiplen Autorenschaften zu kultivieren. Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist die intensive Auseinandersetzung mit vorhandenem Material, hier insbesondere aus dem Baulager der Klassik-Stiftung, aus dessen Fundus wir möglichst viele Reste anderer Baustellen verwerten und neu übersetzen wollen. Wir beginnen mit dem Entwurf und Bau von Prototypen zu verschiedenen Bauteilen im Maßstab 1:1, um daraus zusammen den Gebäudeentwurf zu entwickeln. In Zeiten von Ressourcenknappheit hinterfragen wir gängige Bewertungssysteme und qualifizieren scheinbar Wertloses durch Materialverwandlungen, Rezyklieren und Nobilitieren. Während der laufenden Sanierung des Haupthauses macht unser Umbau Material-, Reparatur- und Bauprozesse öffentlich sichtbar. Das Projekt wird prototypisch zum Case Study House, um neue Spielräume für Architektur, Konstruktion, Gestalt und Gemeinschaft auszuloten. Der Film fungiert als Bezugspunkt des Projekts und verknüpft den existentiellen ‚Neorealismo‘ der italienischen Nachkriegszeit mit der Reflexion heutiger Bedürfnisse. Diese Zusammenhänge sollen auf der Exkursion nach Turin empirisch erfahren werden, wo Büros wie ‚Jaretti & Luzi‘ und ‚Gabetti e Isola‘ große Dächer für Gemeinschaften gebaut haben. Darüberhinaus werden die Inhalte des Projektmoduls wechselseitig mit dem Begleitseminar verknüpft. |