Neue bauliche Stadtentwicklung ermöglicht bestimmte Nutzungen und verunmöglicht andere. So stehen in Stuttgart aktuell die Planungen des Neubauviertels auf dem Rosensteinareal zur Schaffung von Wohnraum den konkurrierenden Anforderungen des Klimaschutzes sowie dem Erhalt leistungsfähiger Verkehrsinfrastrukturen gegenüber. Unser Planungsprojekt setzt sich kritisch mit der Annahme auseinander, dass städtische Entwicklung primär über Neubebauung erfolgt, und untersucht Alternativen zwischen Erhalt und Transformation der bestehenden Gleisanlagen. Das Rosensteinareal nahe dem Stuttgarter Hauptbahnhof wird derzeit noch als Gleis- und Bahninfrastruktur genutzt und ist somit ein funktionaler Bestandteil des bestehenden Schienensystems. Durch den Bau des Tiefbahnhofs im Rahmen von Stuttgart 21 sollen die oberirdischen Gleisflächen jedoch perspektivisch frei werden, sodass sie als großflächige Entwicklungsfläche genutzt werden können. Die Stadt plant, die von der Deutschen Bahn erworbenen Flächen zu einem neuen mischgenutzten Wohnquartier weiterzuentwickeln. Damit geht jedoch die Gefahr einher, bestehende infrastrukturelle und klimatische Funktionen des Areals zu verdrängen oder dauerhaft zu verlieren. Das Areal liegt in einer für den Luftaustausch der Stadt relevanten Lage und erfüllt wichtige klimatische Ausgleichsfunktionen. Gleichzeitig ist es Bestandteil eines überregionalen Schienensystems, dessen Flächen langfristige Erweiterungs- und Anpassungsoptionen sichern. Eine vollständige Überbauung reduziert nicht nur diese Spielräume, sondern fixiert zukünftige Entwicklungen auf einen baulichen Endzustand. Hier werden also sehr weitreichende Entscheidungen gefällt, die auf Widerstand in der Zivilgesellschaft stoßen. Gleichzeitig ist der Stadt angesichts der Konflikthistorie von Stuttgart 21 sehr daran gelegen, in einem partizipativen Prozess die Stadtgesellschaft einzubinden. Ausgehend von der abgeschlossenen Öffentlichkeitsbeteiligung "Stadtteil für alle. Beteiligung zum geplanten Stuttgart Rosenstein" nehmen wir im Rahmen der Bestandsaufnahme auch die verschiedenen Positionen in Bezug auf Mitsprache und Demokratisierung planerischer Entscheidungen in den Blick. Das Planungsprojekt zielt auf die Entwicklung von Szenarien und strategischen Ansätzen. Diese können sich mit unterschiedlichen Potenzialen des Areals befassen, etwa mit Formen der Mehrfachnutzung von Infrastrukturflächen, mit der räumlichen Organisation von Freiraum und Bebauung oder mit langfristigen Perspektiven für den Umgang mit schienengebundenen Systemen in wachsenden Städten. |