Published: 19 June 2018

»MOBY DICK: ein historisch-spekulativer Kommentar«

Workshop des Internationalen Kollegs für Kulturtechnikforschung und Medienphilosophie (IKKM)

Herman Melvilles Roman »Moby-Dick; or, the Whale« aus dem Jahre 1851 war zu Lebzeiten seines Autors kein großer Erfolg beschieden. Heute gilt die Geschichte der Jagd nach dem weißen Wal nicht nur als herausragender Beitrag zur Weltliteratur, sondern als Zeugnis einer geradezu seismographischen kulturellen Selbstbeobachtung, die auch an unsere Gegenwart noch entscheidende Fragen stellt: Fragen der Geopolitik und Globalisierung, der Versicherung und Technik, der kulturellen Identität und ihrer transnationalen Auflösung, des Kolonialismus und Imperialismus, der Territorialisierung und Deterritorialisierung; Fragen nach den Gegensätzen von Staat und Wirtschaft, von Land und Meer, von Universalismus und Partikularismus, von Macht und Norm, von Geld und Moral.

Geprägt von den Wissenschaften und Künsten, Konflikten und Hoffnungen seiner Zeit, hat Moby-Dick Autoren wie Deleuze und Guattari, Hardt und Negri, Carl Schmitt und Rainald Goetz beeinflusst, Codenamen für die RAF geliefert (Starbuck Holger Meins, Ahab Andreas Baader usw.), große Regisseure zu Verfilmungen (John Huston) und Künstler (Laurie Anderson) zu Adaptionen inspiriert. Dreizehn Übertragungen ins Deutsche und zahlreiche Editionen belegen das große Interesse am weißen Wal, der inzwischen längst in das kollektive Gedächtnis unserer Kultur eingegangen ist. Dieser Mythos ist omnipräsent, aber alles andere als konsistent: Der weiße Wal kann sowohl als Symbol für die globale Hegemonie einer Supermacht gelten, als auch für die leere Besessenheit einer von Gott verlassenen Welt einstehen, als letztes Aufbäumen einer von der Ausrottung bedrohten Gattung oder als Metapher der Totalerschließung der Welt durch Verkehrstechniken verstanden werden. Der Workshop fragt nach den Gründen für die enorme Bedeutung von Moby-Dick für die Selbstbeschreibungen unserer Kultur und den Ambiguitäten und der Zerrissenheit des Symbols.

Teilnehmende: Friedrich Balke, Matthias Bickenbach, Cornelius Borck, Roland Borgarts, John Durham Peters, Lars Friedrich, Markus Krajewski, Harun Maye, Ethel Matala de Mazza, Armin Schäfer, Bernhard Siegert, Niels Werber

Zeit: Freitag, 6. und Samstag, 7. Juli 2018
Ort: Internationales Kolleg für Kulturtechnikforschung und Medienphilosophie, Salon im ehemaligen Palais Dürckheim, Cranachstraße 47, 99423 Weimar

Es steht nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen zur Verfügung. Um Voranmeldung wird daher gebeten bei Harun Maye unter harun.maye[at]uni-weimar.de. 

Das ausführliche Programm finden Sie auf http://www.ikkm-weimar.de/veranstaltungen/alle/moby-dick/.