Forschungsschwerpunkte

Organisationsführung in der Immobilienwirtschaft

Gebaute Umwelt entsteht durch ein besonders breites Netzwerk an Akteuren und deren Aktivitäten. Immobilienmanagement/Organisationführung ist die Querschnittsfunktion, die dieses Netzwerk so gestaltet, führt und steuert, dass gemeinsame und individuelle Ziele der Akteure und der Gesellschaft bestmöglich erreicht werden.  

Managementforschung beschäftigt sich mit den Strukturen und Prozessen der Interaktion der Akteure innerhalb von Einheiten und Organisationen sowie organisationsübergreifend und entwickelt Instrumente, Methoden und Verfahren, die diese Interaktionen hinsichtlich Zielerreichung und Effektivität optimieren.

Professionelles Immobilienmanagement bedeutet, dass in Forschung und Praxis relevante Zusammenhänge im Netzwerk der Immobilienwirtschaft erkannt und wirksame Instrumente entwickelt sind, die von Managern der Immobilienwirtschaft zielführend und gesellschaftlich verantwortlich zu Immobiliengestaltung, -entstehung, -betrieb und -verwertung eingesetzt werden.

Gesellschaftlich verantwortliches Handeln ist (z.B. gemäß ISO 26000) eine integrative Betrachtung ökonomischer, ökologischer und sozialer Anliegen. Dabei steht die Organisationsführung (Organizational Governance) als Voraussetzung für beispielsweise Umweltfragen, Konsumentenanliegen oder faire Geschäftspraktiken im Zentrum der ISO-Kernthemen. Die Immobilienforschung betrachtet demgegenüber bisher vor allem technische und monetäre Aspekte von Immobilien und Immobilienprozessen im Rahmen disziplinärer Forschung von Ingenieuren und Ökonomen.

Beim Forschungsschwerpunkt "Organisationsführung in der Immobilienwirtschaft" geht es somit um performance-optimierende Gestaltungsparameter im Managementkontext der gebauten Umwelt, die sich sowohl auf Real Estate Akteure und ihre Unternehmen als auch auf deren Produkte und ihre Wirkung auf die Natur und die weitere Gesellschaft beziehen. Schwerpunkte der diesbezüglichen Forschung sind u.a. Organisation, Personal und Kultur als Wertschöpfungshebel, die immer bedeutsamer werden, mit denen sich Forschung und Praxis bisher allerdings noch wenig befasst haben.

 

 

Stakeholder Relations in Real Estate

Bei der Forschung zu "Stakeholder Relations in Real Estate" geht es um die internen und externen Beziehungen von Menschen, die unsere Umwelt gestalten, bauen, nutzen und finanzieren. Für die Forschung und Entwicklung eines solchen definitionen- und disziplinenverbindenden Themas eignet sich die Bauhaus-Universität Weimar mit ihrer einzigartigen Ausrichtung als "Brutstätte" und Impulsgeber in besonderer Weise.

Im transdisziplinären Forschungsfeld "Stakeholder Relations in Real Estate" (Arbeitstitel) sollen - anknüpfend an Themen wie Human Relations, Industrial Relations, Public Relations, Human Resources, Marketing, Communication und Participation - aus Managementsicht die sozialen Aspekte immobilienwirtschaftlicher Stakeholder und Produkte und ihr Zusammenspiel mit technischen und ökonomischen Aspekten betrachtet werden.

Dies kann auf verschiedenen Ebenen erfolgen:

  • Auf Gesellschaftsebene, beispielsweise bei der Planung und Umsetzung von Großprojekten bzw. Quartiersentwicklungen, bei denen unterschiedlichste, teilweise vorher unbekannte Interessensgruppen zu identifizieren und zielführend zu beteiligen und zu managen sind. 
  • Zwischen verschiedenen Organisationen, die zunehmend als Allianzen oder Partnerschaften (z.B. PPP) interagieren, so dass Voraussetzungen und Begleitmaßnahmen für das Funktionieren solcher Verhältnisse zu ermitteln und zu gestalten sind. Hierzu zählen beispielsweise Rollen und Verantwortlichkeiten, Kommunikations- und Kollaborations- sowie Vergütungs-, Incentivierungs- und Controlling-Systeme.
  • Innerhalb von Organisationen, wo zusätzlich zu den vorgenannten Themen Aspekte wie Personalmanagement, Aufgabenverteilung/Job-Design, Arbeitsbedingungen/Arbeitsumgebung, Führungskultur und Organisationsentwicklung/Change Management zu gestalten sind.
  • Auf Produktebene, also den Auswirkungen räumlicher und konstruktiver Gestaltung auf Gesundheit, Zufriedenheit und soziale Interaktion und damit auf Kreativität, Innovation, Produktivität und insgesamt Performance.

Die Berücksichtigung von Stakeholder Relations ist ein wichtiger Faktor zur weiteren Professionalisierung der Immobilienwirtschaft.

Digital Enigneering

Die Professur engagiert sich auch im fakultätsübergreifenden Forschungsschwerpunkt "Digital Engineering". Anknüpfungspunkte werden u. a. bei folgenden Themen gesehen:

  • Virtual Reality als Kommunikationsmittel und Unterstützung der Bedürfnisanalyse
  • Unterstützung von Stakeholderanalyse und Kommunikation durch simulative Alternativengenerierung und -bewertung
  • Analyse der Wertschöpfung durch verschiedene Raum- und Gestaltungsalternativen
  • Digitalisierung von Immobilienmanagementprozessen und -entscheidungen / Workflow Management
  • Möglichkeiten der Artificial Intelligence und Entwicklung selbstlernender Prozesse im Immobilienmanagement

Einbringung betriebswirtschaftlicher Kompetenzen in Forschungsaktivitäten anderer Professuren

Zum Beispiel Betrachtung von Life Cycle Costs, Investmentvolumina und Performancemessung.

Real Estate Knowledge Management

Im Themenbereich "Real Estate Knowledge Management" wird durch moderne Informationstechnologie in Verbindung mit organisatorischen und personellen Maßnahmen eine interdisziplinäre Problematik des sehr breiten und komplexen Feldes "Gebaute Umwelt" adressiert.

Real Estate Education

Zur Professionalisierung der Branche gehören insbesondere auch branchenspezifische, interdisziplinäre und internationale Aus- und Weiterbildungsangebote, deren Entwicklung und Gestaltung, Lehrkonzepte, -formate und -methoden durch die Professur ebenfalls erforscht werden.