Bauhaus und die anderen/Determinanten der räumlichen Entwicklung

Vorlesung

Prof. Dr. Max Welch Guerra
Note - 3 LP/2 SWS

Die bewegte Vorgeschichte der Bauhaus-Universität Weimar.

Das Jubiläum naht. Vor bald hundert Jahren wurde in unserem Hauptgebäude die wichtigste Gestaltungsschule des 20. Jahrhunderts gegründet. Die deutsche wie internationale Öffentlichkeit werden zunehmend neugierig und prüfend nach Weimar schauen, zumal wir seit 1996 als einzige Hochschule den Namen dieser auratischen Institution tragen. Wir werden erklären müssen, mit welcher Berechtigung wir uns Bauhaus-Universität nennen und wie wir zu diesem Erbe stehen. Zugleich ist zu überlegen, inwieweit dieser einzigartige Anlass Möglichkeiten bietet, Profil und Ansehen der gesamten Universität weiter zu entwickeln.

Die Vorlesung bietet keine fertige Antwort auf derlei Fragen, sondern gleicht einer öffentlichen Werkstatt. Sie liefert Grundlagen, damit wir uns kollektiv und diskursiv darüber verständigen, welches Erbe wir antreten, wenn wir hier studieren, lehren oder forschen, wie wir es interpretieren und inwiefern es als Handlungsanleitung heute zu verstehen ist. Ausgangspunkt der Vorlesung ist dabei die Feststellung, dass die heutige Zusammensetzung unserer Universität das Ergebnis einer langen Geschichte von in der Regel herausragenden Institutionen ist, die alle mit der wechselvollen deutschen Geschichte eng verbunden sind.

Ja, das Bauhaus ist das bekanntest Kapitel unserer institutionellen Vorgeschichte, aber nicht, wie es oft scheint, das einzige, auch nicht das einzige wichtige. Das Bauhaus, seine Vorgänger und Nachfolger sind auch nicht einfach, wie eine naive, aber weitverbreitete Erzählweise unterstellt, Werke einzelner großer Männer, sondern wesentlich ein Ausdruck bestimmter politischer, ökonomischer, gestalterischer und wissenskultureller Konstellationen - von 1860 bis zur Umbenennung der HAB Weimar in Bauhaus-Universität Weimar im Jahre 1996. Indem wir das Bauhaus und unsere anderen Vorgänger historisieren, gewinnen wir die Begriffe, einer idealisierenden Musealisierung zu entkommen und einen aufgeklärten Bezug zur Gegenwart zu stärken. 

Die Vorlesung richtet sich an Master-Studierende und Promovierende aller vier Fakultäten und entspringt der Arbeit am Bauhaus-Institut für Geschichte und Theorie der Architektur und Planung.