Mit dem »Genius Loci LAB« schaffen Studierende und Alumni der Bauhaus-Universität Weimar jährlich einen eigenen Experimentierraum für Weimarer und andere Kreative.

von Claudia Weinreich
Fotos: Lisa Ziegler

Videomapping, Lichtinstallationen, Clubatmosphäre –  inmitten des alljährlichen Fassadenprojektionsfestivals »Genius Loci Weimar« hat sich das zugehörige Lab als eine Art »Festival im Festival« etabliert. Die Initiative zum »Genius Loci LAB« kam aus dem Umfeld des studentischen Künstlerkollektivs »Das Konglomerat« und wird von Leander Leinenbach, Architekturstudent, geleitet, seit zwei Jahren gemeinsam mit David Leroy, Student der Visuellen Kommunikation.

Videokünstlerinnen und Videokünstler aus der ganzen Welt sowie Teams aus Weimar werden im Frühjahr in einem Wettbewerb aufgerufen, bekannte künstlerische Themen visuell neu zu interpretieren: In diesem Jahr diente Oskar Schlemmers berühmtes »Triadisches Ballett« als Inspirationsquelle. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit den besten Ideen wurden eingeladen, ihre Projektionskunst während einer Augustwoche auszubauen und zum Festival in der Stadt aufzuführen.

»Unsere Ursprungsidee war, im ›Genius Loci LAB‹ die Technologie des Creative Coding und Videomapping an diejenigen zu vermitteln, die gerade erst damit angefangen haben und sich weiterentwickeln wollen«, erzählt Leinenbach. »Eine Woche lang geben wir in den Räumen der Bauhaus-Universität Weimar Workshops, wo Videomapping-Experten wie Stefan Kraus in die Grundlagen der Programme einführen.« Kraus hat in Weimar Architektur studiert und ist Creative Director der Live-Event-Medienproduktion MXZEHN. »Die Workshops sollen komplette Neuanfänger abholen. Wenn einzelne Teilnehmer so gut sind, dass sie sich aus ihrer und unserer Sicht das Spielen auf der Fassade zutrauen, dann laden wir sie auch zur Fassadenprojektionsbühneein«, so Leinenbach weiter.

In Weimar bleibt ein solches Vorhaben keine bloße Workshop-Reihe mit Aufführungsabenden. Studierende unterschiedlichster Fächer, etwa Produkt-Design, Freie Kunst, Visuelle Kommunikation und Architektur, bringen am laufenden Band ihre Ideen ein, die das »Genius Loci LAB« in ein Gesamtkunstwerk verwandeln: durch hinreißende Festivalarchitektur, Soundcollagen und ungewöhnliche Deko, die auch gern mal golden glitzern darf.

In diesem Jahr hatten sich die Organisatoren das Bauhaus-Museum am Theaterplatz als Projektionsfläche ausgesucht. Die Fassaden wurden in Echtzeit bespielt und wie immer war es spannend zu beobachten, was sich vor Ort gemeinsam entwickelte. »Es geht uns um die Wahrnehmung von Raum – also nicht nur die Projektion einer einzelnen Fassade – sondern auch um das Verständnis des gesamten Ortes. Wir versuchen, neue Verbindungen in der Stadt zu schaffen«, sagt Leinenbach. Wenn die Lab-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer keinen eigenen Sound dabei haben, werden sie mit Live-Musikern oder DJs aus dem weitläufigen Weimar-Netzwerk verkuppelt. Da können auch schon mal eine Querflöte und eine Akustik-Gitarre auf die passgenau auf die Architektur zugeschnittenen Projektionen treffen. Oder ein Elektro-DJ-Set auf einen spontanes VJ-Battle. »Das Lab ist eine tolle Möglichkeit, sich gegenseitig zu zeigen, wo man herkommt und was man mit der visuellen Interpretation von Stadtarchitektur und einem solchen Festival selbst verbindet«, beschreibt Leinenbach den interdisziplinären Ansatz. »Die gesamte Gestaltung – des Stadtraums bis zur Grafik – nehmen wir selbst in die Hand.« Das Ergebnis braucht den Vergleich mit großen Festivals nicht zu scheuen und ist laut Leinenbach ein Indiz für »die extrem hohe Qualität aller kreativen Projekte, die in Weimar passieren.«

Über 100 mitwirkende Studierende, Aufbauhelfer, Workshopleiter, Musik- und Video-Künstler, Teilnehmer und geladene Gäste aus Weimar, Europa, und Südamerika zählte das »Genius Loci LAB« in diesem Jahr. Wer sich demnächst ebenfalls beteiligen möchte, der sollte ein Blick auf die Website werfen und sich für die nächste »Genius Loci LAB«-Auflage bewerben.

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