Rückschau Mediengang: Flugversuche, Tintenfische, Beatplatten und Marsreisende

Vom 15. bis 18. Juli 2010 stand Weimar ganz im Zeichen der Summaery der Bauhaus-Universität. Im Rahmen des Mediengangs wurden die Preise der Medienkunst/Mediengestaltung und der Filmförderpreis in der Parkhöhle verliehen. Das Filmprogramm „Medienrolle“ verzeichnete Samstagnacht einen neuen Besucherrekord.

Ein langes, anstrengendes, aber vor allem aufregendes Wochenende liegt hinter der Bauhaus-Universität Weimar. Seit dem vergangenen Donnerstag öffneten die Studierenden zur summaery, der großen Jahresschau der Universität, ihre Werkstätten und Projekträume und präsentierten der Öffentlichkeit ihre Arbeiten. Jedoch auch außergewöhnliche Orte jenseits des universitären Raumes wurden für die Schauen okkupiert. Einer dieser Orte war die Weimarer Parkhöhle – Schauplatz der kuratierten Sonderausstellung „Stay beautiful – but don´t stay underground too long“ und der Verleihung der Preise der Medienkunst/Mediengestaltung des gleichnamigen Studiengangs sowie des Filmförderpreises des Bauhaus Film-Instituts (BFI). Mit den Auszeichnungen werden einmal jährlich die besten Abschlussarbeiten des Studiengangs prämiert. Der Filmförderpreis soll die Produktion einer herausragenden, sich jedoch noch in der Planungsphase befindlichen filmischen Arbeit unterstützen. Die Preise sind Dank der Merkur Bank Weimar mit bemerkenswerten finanziellen Förderungen verbunden.

Der erste Preis der Medienkunst/Mediengestaltung ging an Jörg Brinkmanns aufwändige Performance-Installation „Flugversuch“, die den uralten menschlichen Traum vom Fliegen persifliert. Brinkmanns versah sich dafür mit selbstgebauten Ikarusartigen Flügeln, die er mittels eines EKGs mit seinem Herzschlag in Bewegung setzte. Auf Platz Zwei kam „Der Tintenfisch“ von Bianka Langnickel, einem liebevoll gestalteten und zur Produktreife gebrachten Bastelbuch, mit dem Kinder eigene Meereslebewesen von der Koralle bis zum titelgebenden Tintenfisch anfertigen können. Rafael Jové überzeugte die unabhängige Fachjury mit dem Audio-Feature „Kein Mensch sagt mehr Beat“, das der seltsamen Entstehungsgeschichte einer Bonner Beat-Platte in der Endsechziger Jahren der Bundesrepublik nachspürt. Der Sonderpreis, exklusiv gestiftet von Prof. Wolfgang Kissel zu Ehren des 100. Geburtstages seines Vaters, ging an Sebastian Binders retrofuturistisches Musikvideo „Reise zum Mars“.

Die Preisträgerarbeiten waren über das Wochenende in der Parkhöhle zu sehen und fügten sich dort effektvoll in die vorhandene Architektur ein. Allein zur Ausstellungseröffnung konnten mehr als 100 Besucher „unter Tage“ begrüßt werden. Der international renommierte Wiener Kurator Prof. Herbert Lachmayer führte die Gäste gut gelaunt durch die Ausstellung. Die Nachfrage war so groß, dass die Tour am Samstag und am Sonntag noch einmal wiederholt werden musste.

Der Samstagabend gehört auch traditionell der „Medienrolle“, einer Auswahl der besten filmischen Arbeiten, die im zurückliegenden Jahr von den Studierenden der Fakultät Medien produziert wurden. Der Audimax, Weimars größter Hörsaal, war bis auf den letzten Platz besetzt, im stimmungsvoll illuminierten Innenhof der angrenzenden Bibliothek drängten sich die Zuschauer zum Freiluftkino. Das Panoramafenster des Audimax ließ eine gute Sicht auf das Filmprogramm zu. Das Programm bildete mit dokumentarischen Beiträgen, Spiel- und Animationsfilmen, surrealen Grenzüberschreitungen sowie einem Musikvideo die Vielfalt der Filmproduktionen im Studienbereich Medienkunst/Mediengestaltung ab. Jeder Film wurde von den ca. 700  Zuschauern mit Zwischenapplaus quittiert. Die Medienrolle 2010 wurde in Zusammenarbeit mit dem Bauhaus Film-Institut und der Professur Medien-Ereignisse unter der Leitung von Prof. Wolfgang Kissel kuratiert.

Informationen zum Filmförderpreis des Bauhaus Film-Instituts (BFI)

Mit dem 2009 neu geschaffenen Filmförderpreis des Bauhaus Film-Institus für Studierende der Bauhaus-Universität werden filmische Arbeiten in ihrer Entstehung unterstützt. Die Jury besteht aus dem Direktorium des Film-Instituts: Prof. Lorenz Engell und Prof. Wolfgang Kissel.

Nach der Einschätzung der Juroren sind das Dokfilmprojekt "Fliegengewicht" sowie das Spielfilmvorhaben von Polina Horosina "Herr B. und die Blaubeeren" die geeigneten Projekte für den diesjährigen Filmförderpreis des BFI. Der Preis wird zwischen den beiden Filmemacherinnen (jeweils 500,- Euro) aufgeteilt.

Die Bekanntgabe und Vorstellung der Preisträger/innen des Filmförderpreises des Bauhaus Film-Instituts erfolgte durch den Bereichsleiter Fernsehen des MDR Landesfunkhauses Thüringen, Herrn Benedikt Otto.

Informationen zum Preis der Medienkunst/Mediengestaltung

Mit den Preisen der Medienkunst/Mediengestaltung (Abschlussarbeiten der Absolventen des Studiengangs Medienkunst/Mediengestaltung) und dem Filmförderpreis werden herausragende des Studiengangs Medienkunst/Mediengestaltung prämiert. Die Auszeichnungen eröffnen die Möglichkeit, wichtige Arbeiten während der Jahresschau der Bauhaus-Universität Weimar und darüber hinaus einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Dafür werden die für den Medienpreis nominierten Beiträge in einer kuratierten Sonderausstellung an jährlich wechselnden Orten gezeigt. Ausgewählt werden die preiswürdigen Arbeiten durch eine hochkarätige Fachjury, die herausragende Persönlichkeiten des kulturellen Lebens einbindet.

Die Preise der Medienkunst/Mediengestaltung und der Förderpreis Film stellen ein ideales Forum dar, die Kreativität exzellenter Studierender der Fakultät Medien schon vor dem Eintritt ins Berufsleben öffentlichkeitswirksam zu würdigen. Darüber sollen die Studierenden in ihrem Wirken weiterhin gefördert werden, nicht zuletzt auch finanziell. Denn mit den Preisen sind auch bemerkenswerte Preisgelder verbunden, die seit diesem Jahr dank der freundlichen Unterstützung der Merkur Bank, jährlich ausgereicht werden können.