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Nach ihrer mehrjährigen Restaurierung konnte Rodins Bronzeplastik wieder im Hauptgebäude der Universität aufgestellt werden. Zu Beginn der Veranstaltung war sie verhüllt. (Foto. Thomas Müller)
Nach ihrer mehrjährigen Restaurierung konnte Rodins Bronzeplastik wieder im Hauptgebäude der Universität aufgestellt werden. Zu Beginn der Veranstaltung war sie verhüllt. (Foto. Thomas Müller)
Nach ihrer mutwilligen Beschädigung im Februar 2016 und ihrer erfolgreichen Restaurierung in der Werkstatt von Ilja Streit wurde die »Eva« im Rahmen einer feierlichen Zeremonie an dem ihr angestammten Platz im Hauptgebäude der Bauhaus-Universität Weimar empfangen. Der Einladung für die Enthüllung der Statue, die die Universität unter Begleitung von Musik und Licht inszenierte folgten zahlreiche Besucherinnen und Besucher aus der universitären und der Weimarer Öffentlichkeit. »Das ist ein besonderer Moment für unsere Universität.«, eröffnete Prof. Dr. Winfried Speitkamp, Präsident der Bauhaus-Universität Weimar, in seinem Grußwort. »Der Akt der Gewalt und der betonten Missachtung, der ihr im Jahre 2016 widerfahren musste, hat große Solidarität und Unterstützung hervorgerufen. Mein großer Dank gilt daher allen, die sich bei der Restaurierung engagiert haben, an erster Stelle natürlich diejenigen, die durch ihre Spende die Restaurierung möglich gemacht haben. Besonderer Dank gilt dem Ehepaar Thomas und Birgit Rabe, die durch eine beträchtliche Spende wesentlich zur Finanzierung der Restaurierung beigetragen haben«, so Speitkamp. »Die ›Eva‹ war eigentlich immer schon hier«, betonte Prof. Dipl.-Ing. Dipl.-Des. Bernd Rudolf, Dekan der Fakultät Architektur und Urbanistik, in seinem Grußwort. »›Eva‹ ist eine Konstante, eine vertrauensstiftende Gestalt und ein guter Geist für alle Besucherinnen und Besucher und für die Studierenden sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Universität.« Rudolf erinnerte auch an die stets starke Eingebundenheit der Plastik in das universitäre Leben an der Bauhaus-Universität Weimar: »Rodins ›Eva‹ war die Referenzfigur für viele Veranstaltungsformate und sie wird es hoffentlich für lange Zeit wieder sein«, so Rudolf. Dirk Slawinsky richtete sich in seiner Rede mit einem persönlichen »Du« an die Eva und begrüßte sie mit ihren »212 Semestern« als »älteste Kommilitonin« zurück an der Universität. Slawinsky bedankte sich als Vertreter des StudierendenKonvents (StuKo) im Namen aller Studierenden der Bauhaus-Universität Weimar für die Unterstützung bei der Restaurierung. »Seit den 1980er Jahren stand sie dann konstant an ihrem zentralen Ort im Hauptgebäude und markierte den Herzschlag der Universität: bewundert, geliebt und Mittelpunkt vieler Veranstaltungen«, so Dr. Christiane Wolf, Leiterin des Archivs der Moderne der Bauhaus-Universität Weimar. In ihrem Vortrag unter dem Titel der gleichnamigen Spendenkampagne »Eva gehört zu uns« berichtete sie nicht nur von der wechselhaften Geschichte der »Eva«, sie gab auch einen Einblick in die Restaurierungsarbeiten, die sie mit dem Team um den Weimarer Restaurator Ilja Streit über zwei Jahre betreut hatte. »Mittels modernster Technik und 3D-Verfahren ist es Stefanie Papenheim und Ilja Streit gelungen, unsere ›Eva‹ uns so zurückzugeben, wie wir sie kennen. Ich ziehe den Hut vor dieser Leistung«, so Wolf. In der abschließenden Festrede beleuchtete der renommierte Kunsthistoriker und Bildwissenschaftler Prof. Dr. Horst Bredekamp, Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin, unter dem Titel »Metamorphosen von Rodins Eva« die Entstehung der Bronzeplastik und zeigte verschiedene Perspektiven der Wirkung und Geschichte des Werkes auf. Bredekamp lobte die Entschlossenheit, mit der die Bauhaus-Universität Weimar auf den Vorfall reagierte. »Der Angriff der Eva reiht sich bedauerlicherweise in eine Reihe von Angriffen gegen Kunstwerke auf der ganzen Welt ein, besonders anstößige Kunstwerke werden immer wieder zur Zielscheibe von Taten des Vandalismus. Umso bedeutsamer ist die große Entschlossenheit, mit der an der Bauhaus-Universität Weimar das Entsetzen über diese Tat in eine augenblickliche Initiative umgepolt wurde, die Eva zu restaurieren und in ihrem geheilten Zustand so bald als möglich wieder aufzustellen. Die Art in der diese Hochschule auf diesen Fall reagiert hat, nötigt Respekt ab und macht Mut«, so Bredekamp.  Von Paris nach Weimar: Rodins »Eva« im Wandel der Zeit Die Bronzeplastik »Eva« ist Teil eines Großprojektes Rodins. 1881 erhielt der französische Bildhauer und Zeichner den Auftrag für die Eingangspforte des damals geplanten Neubaus eines Kunstgewerbemuseums für Paris. Das 4,50 Meter hohe und 3,50 Meter breite Tor sollte von den auf Postamenten stehenden Figuren der »Eva« und des Adam flankiert werden. Von 1880 bis 1884 arbeitete Rodin fast ununterbrochen an dem Tor. Viele der wichtigsten Werke Rodins der 1880er und 1890er Jahre entstammen der sogenannten »Höllenpforte« – oft als Vergrößerung einer Figur, die er aus dem Ensemble herauslöste. Einhellige Anerkennung als völlig eigenständige Werke erhielten der »Denker«, der »Adam« und die »Eva«. 1912 ließ der damalige Direktor der Hochschule, Fritz Mackensen, die »Eva« als Ausdruck des freien Geistes der Kunst im Hauptgebäude der damaligen Weimarer Kunstgewerbeschule aufstellen. Mackensen hatte sie 1911 von dem damaligen Pariser Bildhauer Auguste Rodin in dessen Atelier erworben. Er konnte den Künstler davon überzeugen, für Weimar einen weiteren Bronzeguss fertigen zu lassen. Durch die Stiftung eines Apoldaer Fabrikanten wurde schließlich der Erwerb der damals umstrittenen Aktfigur ermöglicht. So zierte die »Eva« mehr als 103 Jahre unbeschadet die Räume der Bauhaus-Universität Weimar, die meiste Zeit an ihrem heutigen Standort im Foyer des Hauptgebäudes. An ihrem langjährigen Standort ging die »Eva« ein eindrucksvolles Form- und Lichtspiel in Wechselwirkung mit dem Treppenraum des 1911 eingeweihten und von Henry van de Velde entworfenen Hauptgebäudes ein. Dies machte diesen Ort nicht nur zum Anziehungspunkt vieler Touristen, sondern ließ ihn über die Jahrzehnte hinweg auch zum Identifikationsort der Weimarer Studierenden und Lehrenden werden. Ihr zentraler, frei zugänglicher Standplatz im Foyer des Hauptgebäudes der Bauhaus-Universität Weimar wurde der Bronzestatue jedoch am 7. Februar 2016 zum Verhängnis, als ein Randalierer sie mutwillig von ihrem Sockel stieß. Die Plastik erlitt dabei erhebliche Verletzungen. Dank zahlreicher Spenden war die Finanzierung der Restaurierung Ende 2017 gesichert und es konnte ein Restauratoren-Team gefunden werden, das mit der Ausführung der anspruchsvollen Restaurierungs-, Konservierungs- und Sicherheitsmaßnahmen betraut wurde.
In einer mit Licht und Musik begleiteten Inszenierung wurde die »Eva« im Hauptgebäude der Bauhaus-Universität Weimar enthüllt. (Foto: Thomas Müller)
Erstellt: 14. Dezember 2018

»Besonderer Moment für unsere Universität«: Rodins »Eva« nach Wiederaufstellung an der Bauhaus-Universität Weimar feierlich enthüllt

»Eva« ist zurück. Die Bronzeplastik Auguste Rodins wurde am Mittwoch, 12. Dezember 2018, an ihrem angestammten Platz im Foyer des Hauptgebäudes der Bauhaus-Universität Weimar in einer feierlichen Inszenierung enthüllt. Der Einladung des Präsidenten Prof. Dr. Winfried Speitkamp folgten zahlreiche Mitarbeitende, Studierende sowie Freundinnen und Freunde der Universität.

Nach ihrer mutwilligen Beschädigung im Februar 2016 und ihrer erfolgreichen Restaurierung in der Werkstatt von Ilja Streit wurde die »Eva« im Rahmen einer feierlichen Zeremonie an dem ihr angestammten Platz im Hauptgebäude der Bauhaus-Universität Weimar empfangen. Der Einladung zur Veranstaltung waren zahlreiche Besucherinnen und Besucher aus der universitären und der Weimarer Öffentlichkeit gefolgt. Die Enthüllung der »Eva« wurde unter Begleitung von Musik und Licht im Hauptgebäude feierlich inszeniert. »Das ist ein besonderer Moment für unsere Universität.«, eröffnete Prof. Dr. Winfried Speitkamp, Präsident der Bauhaus-Universität Weimar, in seinem Grußwort. »Der Akt der Gewalt und der betonten Missachtung, der ihr im Jahre 2016 widerfahren musste, hat große Solidarität und Unterstützung hervorgerufen. Mein großer Dank gilt daher allen, die sich bei der Restaurierung engagiert haben, an erster Stelle natürlich denjenigen, die durch ihre Spende die Restaurierung möglich gemacht haben. Besonderer Dank gilt dem Ehepaar Thomas und Birgit Rabe, die durch eine beträchtliche Spende den Großteil zur Finanzierung der Restaurierung beigetragen haben«, so Speitkamp.

»Die ›Eva‹ war eigentlich immer schon hier«, betonte Prof. Dipl.-Ing. Dipl.-Des. Bernd Rudolf, Dekan der Fakultät Architektur und Urbanistik, in seinem Grußwort. »›Eva‹ ist eine Konstante, eine vertrauensstiftende Gestalt und ein guter Geist für alle Besucherinnen und Besucher und für die Studierenden sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Universität.« Rudolf erinnerte auch an die stets starke Eingebundenheit der Plastik in das universitäre Leben an der Bauhaus-Universität Weimar: »Rodins ›Eva‹ war die Referenzfigur für viele Veranstaltungsformate und sie wird es hoffentlich für lange Zeit wieder sein«, so Rudolf. Dirk Slawinsky richtete sich in seiner Rede mit einem persönlichen »Du« an die Eva und begrüßte sie mit ihren »212 Semestern« als »älteste Kommilitonin« zurück an der Universität. Slawinsky bedankte sich als Vertreter des StudierendenKonvents (StuKo) im Namen aller Studierenden der Bauhaus-Universität Weimar für die Unterstützung bei der Restaurierung.

»Seit den 1980er Jahren stand sie dann konstant an ihrem zentralen Ort im Hauptgebäude und markierte den Herzschlag der Universität: bewundert, geliebt und Mittelpunkt vieler Veranstaltungen«, so Dr. Christiane Wolf, Leiterin des Archivs der Moderne der Bauhaus-Universität Weimar. In ihrem Vortrag unter dem Titel der gleichnamigen Spendenkampagne »Eva gehört zu uns« berichtete sie nicht nur von der wechselhaften Geschichte der »Eva«, sie gab auch einen Einblick in die Restaurierungsarbeiten, die sie mit dem Team um den Weimarer Restaurator Ilja Streit über zwei Jahre betreut hatte. »Mittels modernster Technik und 3D-Verfahren ist es Stefanie Papenheim und Ilja Streit gelungen, unsere ›Eva‹ uns so zurückzugeben, wie wir sie kennen. Ich ziehe den Hut vor dieser Leistung«, so Wolf.

In der abschließenden Festrede beleuchtete der renommierte Kunsthistoriker und Bildwissenschaftler Prof. Dr. Horst Bredekamp, Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin, unter dem Titel »Metamorphosen von Rodins Eva« die Entstehung der Bronzeplastik und zeigte verschiedene Perspektiven der Wirkung und Geschichte des Werkes auf. Bredekamp lobte die Entschlossenheit, mit der die Bauhaus-Universität Weimar auf den Vorfall reagierte. »Der Angriff der Eva reiht sich bedauerlicherweise in eine Reihe von Angriffen gegen Kunstwerke auf der ganzen Welt ein, besonders anstößige Kunstwerke werden immer wieder zur Zielscheibe von Taten des Vandalismus. Umso bedeutsamer ist die große Entschlossenheit, mit der an der Bauhaus-Universität Weimar das Entsetzen über diese Tat in eine augenblickliche Initiative umgepolt wurde, die Eva zu restaurieren und in ihrem geheilten Zustand so bald als möglich wieder aufzustellen. Die Art in der diese Hochschule auf diesen Fall reagiert hat, nötigt Respekt ab und macht Mut«, so Bredekamp.

Von Paris nach Weimar: Rodins »Eva« im Wandel der Zeit

Die Bronzeplastik »Eva« ist Teil eines Großprojektes Rodins. 1881 erhielt der französische Bildhauer und Zeichner den Auftrag für die Eingangspforte des damals geplanten Neubaus eines Kunstgewerbemuseums für Paris. Das 4,50 Meter hohe und 3,50 Meter breite Tor sollte von den auf Postamenten stehenden Figuren der »Eva« und des Adam flankiert werden. Von 1880 bis 1884 arbeitete Rodin fast ununterbrochen an dem Tor. Viele der wichtigsten Werke Rodins der 1880er und 1890er Jahre entstammen der sogenannten »Höllenpforte« – oft als Vergrößerung einer Figur, die er aus dem Ensemble herauslöste. Einhellige Anerkennung als völlig eigenständige Werke erhielten der »Denker«, der »Adam« und die »Eva«.

1912 ließ der damalige Direktor der Hochschule, Fritz Mackensen, die »Eva« als Ausdruck des freien Geistes der Kunst im Hauptgebäude der damaligen Weimarer Kunstgewerbeschule aufstellen. Mackensen hatte sie 1911 von dem damaligen Pariser Bildhauer Auguste Rodin in dessen Atelier erworben. Er konnte den Künstler davon überzeugen, für Weimar einen weiteren Bronzeguss fertigen zu lassen. Durch die Stiftung eines Apoldaer Fabrikanten wurde schließlich der Erwerb der damals umstrittenen Aktfigur ermöglicht. So zierte die »Eva« mehr als 103 Jahre unbeschadet die Räume der Bauhaus-Universität Weimar, die meiste Zeit an ihrem heutigen Standort im Foyer des Hauptgebäudes. An ihrem langjährigen Standort ging die »Eva« ein eindrucksvolles Form- und Lichtspiel in Wechselwirkung mit dem Treppenraum des 1911 eingeweihten und von Henry van de Velde entworfenen Hauptgebäudes ein. Dies machte diesen Ort nicht nur zum Anziehungspunkt vieler Touristen, sondern ließ ihn über die Jahrzehnte hinweg auch zum Identifikationsort der Weimarer Studierenden und Lehrenden werden.

Ihr zentraler, frei zugänglicher Standplatz im Foyer des Hauptgebäudes der Bauhaus-Universität Weimar wurde der Bronzestatue jedoch am 7. Februar 2016 zum Verhängnis, als ein Randalierer sie mutwillig von ihrem Sockel stieß. Die Plastik erlitt dabei erhebliche Verletzungen. Dank zahlreicher Spenden war die Finanzierung der Restaurierung Ende 2017 gesichert und es konnte ein Restauratoren-Team gefunden werden, das mit der Ausführung der anspruchsvollen Restaurierungs-, Konservierungs- und Sicherheitsmaßnahmen betraut wurde.

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