Militärische Bildtechniken

Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit bild- und körpertechnischen Verfahren der Steuerung und des Befehlens als Kulturtechniken des Kriegs. Den Ausgangspunkt bilden dabei zeitgenössische bildgeführte Militärtechnologien, die in ihrer Kapazität als datensammelnde »Sehmaschinen« ebenso wie als Waffensysteme, die über Kamerabilder und Echtzeit-Simulationen gesteuert werden, neue bildtheoretische Fragen aufwerfen. Die spezifisch bildtechnischen Verfahren des »Command and Control« stehen im Kontext einer weiter gefassten Theorie des Bildschirms in seinen heutigen Gebrauchsweisen und werden in drei historischen Fallstudien zur bildtechnischen Gehorsamsproduktion von der frühen Neuzeit bis ins 20. Jahrhundert gegenübergestellt. Besondere Aufmerksamkeit erfahren dabei die jeweiligen politischen Diskurse und Bildkulturen, die gehorsames Handeln begleiten und hervorbringen. Die durch das Kameraauge bedingte »Fiktionalisierung des Blicks« und die damit einhergehende Irritation, die schon mit der frühen Entwicklung der Photographie in Zusammenhang gebracht werden kann, erfährt in den Bildtheorien des 20. Jahrhunderts eine Reflexion, die für den theoretischen Ansatz dieser Arbeit grundlegend ist. Hier gilt es vor allem, an das philosophische Projekt einer »Phänomenologie des Bildes« am Beispiel der neuen, operativen Bildgebungsverfahren anzuschließen. Dem Forschungsansatz einer historisch orientierten Kulturwissenschaft folgend, werden die Entwicklungen der jüngsten Zeit so in den Kontext einer älteren (Kriegs-)Geschichte militärischer Bildtechniken gestellt und kulturtheoretisch entschlüsselt.

Dissertationsprojekt von Nina Franz im Fach Kulturwissenschaft, Humboldt-Universität zu Berlin

Wissenschaftliche Betreuung: Prof. Dr. Iris Därmann

„Bilder als Waffen“: Interview mit Nina Franz über Kriegs- und Herrschaftstechniken des Bildes. L.I.S.A. Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung, 9. April 2019, URL: https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/bilder_als_waffen?nav_id=8134.