Wintersemester 2015/16

Studienmodul Europäische Medienkultur 1 (B.A.)

Seminar: Die X. Muse. Osteuropäische Filmtheorien (Nicole Kandioler)

Die Rezeption von Filmproduktionen aus Osteuropa in west- und osteuropäischen Ländern in der zweiten Hälfte des 20. und im beginnenden 21. Jahrhundert ist, wie u.a. Dina Iordanova (2003), Anikó Imre (2005) und Rosalind Galt (2006) gezeigt haben, stark von der einflussreichen und andauernden wirtschaftspolitischen Logik des Kalten Krieges geprägt. 

Eine der Konsequenzen dieser Rezeptionslogik ist die in den Diskursen der westeuropäischen Film- und Medientheorien augenscheinliche Abwesenheit osteuropäischer Theoriestimmen. Anhand gezielter Lektüren sollen im Seminar sowohl Episteme und Konzepte westeuropäischer Erforschung osteuropäischer Kinematographien zur Diskussion stehen als auch filmwissenschaftliche Zugänge in den Blick kommen, die in diesen Diskursen nicht vertreten sind.

So wird beispielsweise ein Teil des Seminars dem Werk des frühen polnischen Filmtheoretikers, Karol Irzykowski (1873-1944), gewidmet sein, dessen Aufzeichnungen und Analysen des frühen Films in seinem bahnbrechenden Werk Die zehnte Muse: ästhetische Probleme des Films. (poln. Dziesiata Muza. Zagadnienia estetyczne kina), 1924, mit theoretischen Überlegungen und Positionen von Jean Epstein und Siegfried Kracauer zusammen gedacht werden. 

Seminar: 1914/2014: Medien der Geschichtsschreibung des 1. Weltkriegs zwischen Nation und Europa (Marie Czarnikow)

Das Seminar beschäftigt sich mit der medialen Historiographie des Ersten Weltkriegs. Mit und durch welche Medien wurde die Geschichte dieser Epoche geschrieben? Und: Wie verhält Geschichtsschreibung über ein national geprägtes Zeitalter (1914) in einem Europa, das zunehmend eine gemeinsame, transnationale Geschichte schreibt (2014)? 

Ausgehend von Überlegungen zur medialen Bedingtheit von Geschichte überhaupt (Engell, Crivellari) soll zunächst die geschichtliche Quelle als Medium verstanden werden, um schließlich ihre Inszenierung in verschiedenen Medienformaten (Keilbach, Hohenberger), im Besonderen in Film und Fernsehen (evt. Museum) zu untersuchen. 

Anhand des Vergleichs von deutscher und französischer Nationalhistoriographie des Ersten Weltkriegs sollen Medien der Geschichte in Bezug zur Nationenkonstitution gesetzt werden (Renan, Anderson). Den Seminarabschluss bildet die Diskussion verschiedener zeitgenössischer Film- und Fernsehproduktionen (im Besonderen die Fernsehserie 14 Tagebücher des Ersten Weltkriegs, Regie: Jan Peter, D/Frk 2014) um anhand derer die Frage aufzuwerfen, inwiefern nationale Historiographien zunehmend durch ein transnationales Narrativ ersetzt werden und ob dies Implikationen für die Medien der Geschichte hat.