Studienprogramm

Programmelemente

Best-Practice-Workshop

Die Förderlaufzeit einer jeden Kohorte beginnt mit einem mehrtägigen Best Practice Workshop. Dieser dient erstens einer Einführung in gute wissenschaftliche Praxis, beinhaltet zweitens eine gemeinsame Auseinandersetzung mit Gendersensibilität und ein diversity training, und macht die Kollegiat*innen drittens grundlegend mit wichtigen Anlaufstellen und zentralen Einrichtungen innerhalb der Universität vertraut. Diese Einführung erleichtert zudem das gegenseitige Kennenlernen aller am GRAMA Beteiligten und fördert den Einstieg in die gemeinsame Arbeit.

Plenum

Kern des gemeinsamen Arbeitens sind die regelmäßigen Plena (4 SWS im ersten Semester, 2 SWS ab dem zweiten Semester, 1 SWS ab dem vierten Semester). Im ersten und zweiten Semester werden die Kollegiat*innen im Rahmen der Plena in die Fragestellungen, Probleme, Theorien und Methoden der Medienanthropologie sowie verwandter und angrenzender Forschungsbereiche eingeführt, um einen gemeinsamen theoretischen Bezugsrahmen herzustellen. In den folgenden Semestern orientieren sich die Inhalte verstärkt an den konkreten Anliegen und Fragestellungen der am GRAMA verfolgten Dissertations- und Post-Doc-Projekte. Die beteiligten Professor*innen sind dabei jeweils abwechselnd für die Gestaltung und Leitung der Sitzungen verantwortlich. Die Kollegiat*innen lernen so verschiedene Zugänge zum Feld der Medienanthropologie durch die spezifischen Perspektiven der betreuenden Professor*innen kennen. Das Plenum ist außerdem offen für experimentelle Formate: z.B. ‚Speed Mentoring‘ oder ‚Debate Club‘. Sie dienen dazu, die Kollegiat*innen darin zu üben, das Erlernte, die eigene Forschung und den eigenen Standpunkt zu reflektieren, zu kommunizieren und im Verhältnis zu anderen Perspektiven zu debattieren.

Vortragsreihe

In den ersten drei Semestern jeder Kohorte veranstaltet das GRAMA eine fachöffentliche Vortragsreihe, zu der an vier Abenden pro Semester externe Wissenschaftler*innen eingeladen werden, die aktuell zu medienanthropologischen und verwandten Fragestellungen forschen. Durch dieses Format erhalten die Kollegiat*innen einen Überblick über das relevante Forschungsfeld und werden damit im Erwerb eines systematischen Verständnisses ihrer Forschungsdisziplin unterstützt. Darüberhinaus bekommen sie Gelegenheit eigene Kontakte zu knüpfen. Zur vertiefenden Diskussion wird der Abendvortrag bei ausgewählten Gästen mit einem Besuch im Plenum am folgenden Tag verbunden.

Methodenworkshop

Medienanthropologische Forschung zeichnet sich durch eine Methodenvielfalt aus und baut eine selbstreflexive Haltung diesen gegenüber auf. In zwei intensiven Methodenworkshops sollen die Promovierenden auf einen gemeinsamen Stand der Methodenreflexion gebracht werden. Ein Wochenendworkshop im ersten Semester dient der Vermittlung des Spektrums an Methoden, die von den beteiligten Wissenschaftler*innen vertreten werden. Ein Tagesworkshop im zweiten Semester dient der vertiefenden Methodenkomparatistik und -reflexion anhand des eigenen Projekts, die die Promovierenden in eigenständiger Methodenentwicklung sowie bei der kritischen Reflexion der eigenen Situiertheit innerhalb der wissenschaftlichen Arbeit unterstützen sollen.

Einzelkolloquien der Betreuenden

Zu Beginn ihrer Förderlaufzeit schließen die Promovierenden eine Betreuungsvereinbarung mit einem*einer Hauptbetreuenden aus dem Kreis der beteiligten Wissenschaftler*innen. Die Hauptbetreuenden veranstalten einmal pro Semester ein eigenes Kolloquium, das je nach Anzahl der Teilnehmenden einen halben bis einen Tag dauert. Das Kolloquium dient der intensiven Diskussion von Textentwürfen und Kapitelauszügen aus den Dissertationsprojekten. Die Betreuenden beraten hinsichtlich Aufbau, Argumentation, Methoden, Materialauswahl etc. und unterstützen bei Fragen und Problemen im Schreibprozess. Über das Kolloquium hinaus bieten die Betreuenden regelmäßig Sprechstunden an, die mindestens einmal im Semester für ein verbindliches Evaluationsgespräch zwischen Betreuer*in und Doktorand*in genutzt werden.

Fachöffentliche Veranstaltungen

Die fachöffentlichen Veranstaltungen dienen den Kollegiat*innen dazu, gängige Formate wissenschaftlichen Zusammenarbeitens und die dazugehörigen Fähigkeiten einzuüben sowie die eigene Forschung vor Fachpublikum zu präsentieren und zu verteidigen. Im Studienprogramm sind im Schnitt drei fachöffentliche Veranstaltungen pro Kohorte vorgesehen: Innerhalb ihrer jeweiligen Förderlaufzeit von 4 bzw. 6 Semestern findet je ein Post-Doktorand*innen- und ein Doktorand*innen-Workshop statt sowie eine Konferenz zum Abschluss jeder Promovierendenkohorte. Die Workshops sind als intensive, thematisch fokussierte Arbeitstreffen angelegt, die den Kollegiat*innen Gelegenheit bieten, ihre Erkenntnisse und Ergebnisse vor Fachkolleg*innen zu präsentieren und zu diskutieren. Einen Workshop konzipieren und gestalten die beiden Post-Doktorand*innen nach Maßgabe ihrer Forschungsinteressen und -schwerpunkte. Die Auswahl der Gäste und die Konzeption des Promovierenden-Workshops obliegen einer Arbeitsgruppe, die zu diesem Zweck von beteiligten Wissenschaftler*innen und einzelnen Kollegiat*innen gebildet wird, die dadurch ebenfalls die eigenständige Gestaltung und Umsetzung solcher Formate üben. Die Konferenz dient zum Abschluss jeder Kohorte der fachöffentlichen Präsentation und Diskussion von Forschungsergebnissen, die am GRAMA erarbeitet werden, und ist deshalb thematisch breiter angelegt. Die Konzeption übernimmt eine Arbeitsgruppe unter Leitung der Sprecherin.

Peer-Mentoring

Neben dem Plenum bildet das Peer-Mentoring das zweite durchlaufende Herzstück des Studienprogramms. Im ersten und zweiten Semester wöchentlich (2 SWS), vom dritten bis sechsten Semester zweiwöchentlich (1 SWS) treffen sich die Kollegiat*innen in exklusiver Runde ohne die beteiligten Wissenschaftler*innen. Dieses Format dient dazu, in hierarchiearmer Runde mit Gleichgestellten gemeinsame Bedürfnisse zu ermitteln, eigenständig Formate zu entwickeln und experimentelle Formate zu erproben (z.B. ‚Diagramming‘), Forschungsfragen zu identifizieren und zu bearbeiten und in einen wechselseitigen Erfahrungsaustausch zu treten. Die Kollegiat*innen entscheiden selbst, wozu die Peer-Mentoring-Treffen genutzt werden sollen, etwa als vertiefende Arbeitsgruppen zu bestimmten Themen, Autor*innen oder Methoden. Es können auch Coachingwünsche ermittelt und gemeinsam mit der Bauhaus Research School umgesetzt werden. Die Doktorand*innen haben darüberhinaus die Möglichkeit, im Rahmen ‚externer Konsultationen‘ für sie forschungsrelevante Wissenschaftler*innen einzuladen, um mit ihnen intensiv über die Promotionsprojekte zu diskutieren. Das Format des Peer Mentoring fördert so neben der Reflektion und Weiterentwicklung der eigenen theoretischen und methodischen Expertise der Kollegiat*innen auch ihre Sozialkompetenz, Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit.
Die Leitung übernimmt der oder die Sprecher*in der Kollegiat*innen, welche*r zu Beginn jedes Semesters von den Kollegiat*innen gewählt wird. Bei der Organisation bestimmter Formate unterstützt die Koordinationsstelle. Die Post-Doktorand*innen haben in diesem Format eine besondere Bedeutung und stehen den Promovierenden beratend zur Seite.

 

 

Wissenschaftliche Vernetzung, Tagungs- und Recherchereisen

Den Kollegiat*innen wird im Studienprogramm ein angemessener Möglichkeitsraum für die Teilnahme an inter-/nationalen Tagungen und Workshops mit eigenem Vortrag, zur Konsultation mit externen Expert*innen sowie für Recherchereisen und Archivbesuche gegeben. Die Promovierenden sollen frühzeitig zur Mobilität und zum Aufbau von eigenen Netzwerken angeregt werden; beides sind grundlegende Aspekte des wissenschaftlichen Berufes und wichtig in der Entwicklung eines beruflichen Selbstbilds. Alle Reisen werden im Vorhinein mit der*dem Hauptbetreuenden und/oder dem Betreuungsgremium unter Berücksichtigung der Betreuungsvereinbarung abgestimmt. In den letzten beiden Semestern wird von Reisen weitestgehend abgesehen, da dann die Fertigstellung der Dissertationsschrift im Vordergrund steht.

Filmreihe

Zum Zweck der Öffnung und Vermittlung der medienanthropologischen Forschung an die Nicht-Fachöffentlichkeit veranstaltet jede Kohorte eine Filmreihe im Lichthaus-Kino Weimar. Die Reihe findet verteilt über das erste bis zum vierten Semester hinweg statt, mit ein bis zwei Abenden pro Semester. Die Filme werden von den Kollegiat*innen oder beteiligten Wissenschaftler*innen ausgewählt und mit einem kurzen Input-Vortrag eingeführt. Hin und wieder werden die Filmabende um eine anschließende Gesprächsrunde zwischen GRAMA-Angehörigen, Studierenden der Universität und Personen aus Weimars Kulturszene erweitert. Ziel ist es, mit der Nicht-Fachöffentlichkeit über medienanthropologische Fragen ins Gespräch zu kommen. Die Filme dienen dabei als Anstoß und Gesprächsgrundlage.

Recherchehospitanzen

Der interdisziplinäre Forschungsschwerpunkt des GRAMA schließt eine Auseinandersetzung mit medienanthropologischer Praxis und Vermittlungsarbeit mit ein. Ein wichtiges Element im Studienprogramm und Qualifizierungskonzept ist daher die Rückkopplung von wissenschaftlichem Wissen und kulturpraktischem Wissen. Um dies zu vertiefen, wurden Kooperationsvereinbarungen mit örtlichen und umliegenden Kultur- und Bildungsinstitutionen getroffen, die im zweiten Semester jeder Kohorte je ein bis zwei Doktorand*innen in Form einer vierwöchigen Recherchehospitanz aufnehmen und tiefgehende Einblicke in die Arbeitsweisen und Prozesse der jeweiligen Einrichtung bieten.

Ziel ist es, die Museen, Galerien, Theater, Archive, Bibliotheken, Gedenkstätten etc. als Orte medienanthropologischer Erfahrung in den Blick zu nehmen: Sie stellen Beziehungen her zwischen speziellen Medien (z.B. Buch, Bild, Bühne) und den Benutzenden. Als mediale Dispositive binden sie Menschen in ihre eigenen Funktionen und Räume ein. Zugleich reflektieren sie diese medienanthropologische Konstellierung, bringen sie zur Anschauung und machen sie erfahrbar. Die Kollegiat*innen sollen die konkreten Medienpraktiken der Vermittlung von Wissen, Anschauung und Erfahrung untersuchen und umgekehrt das in der Forschung erworbene Wissen von Anfang an in solche Umgebungen einbringen und an ihnen überprüfen. Zum Abschluss der Hospitanz verfassen die Kollegiat*innen Essays, in denen sie ihre Einsichten vor dem Hintergrund medienanthropologischer Theorien synthetisieren. Bei der Erarbeitung und anschließenden Evaluierung der Essays unterstützen die Post-Doktorand*innen.

Zu den kooperierenden Institutionen gehören die Klassik Stiftung Weimar, das Deutsche Nationaltheater, das Bauhaus Museum Weimar, das Goethe- und Schiller-Archiv, die Herzogin Anna Amalia Bibliothek, das Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringen, die Gedenkstätte Buchenwald, das Lichthaus Kino und die ACC Galerie.

Schlüsselqualifikationen

Den Doktorand*innen und Post-Doktorand*innen steht ein Angebot an Coachings und Maßnahmen offen, die das Graduiertenkolleg in Kooperation mit der Bauhaus Research School bereitstellt. Darüber hinaus bieten die BRS und das Dezernat Forschung individuelle Beratungen hinsichtlich Fördermöglichkeiten und Karriereplanung an. Die Kollegiat*innen können das Angebot je nach eigenem Bedarf wahrnehmen und ebenfalls zukünftige Coachings, Workshops etc. anregen und vorschlagen. In enger Zusammenarbeit zwischen BRS und der Koordinierungsstelle des GRAMA wird das Angebot der BRS kontinuierlich entwickelt und an die Bedürfnisse der Kollegiat*innen angepasst.

Für die Post-Doktorand*innen sind Qualifizierungsangebote vorgesehen, die spezifisch auf ihre Karrierestufe ausgerichtet sind. Die Förderphase im GRAMA soll strategisch genutzt werden, um den jeweils nächsten Karriereschritt erfolgreich zu meistern. Die Qualifizierungsmaßnahmen umfassen Coachings zur Einwerbung und zum Management von Drittmittelprojekten, Bewerbungstrainings (ausgerichtet auf Berufungsverfahren), Workshops zu Führungs- und Kommunikationskompetenz, Trainings zur Hochschuldidaktik, Informationsveranstaltungen und mehr.

Die Universitätsbibliothek bietet eigens auf die Bedürfnisse der Kollegiat*innen zugeschnittene Rechercheworkshops, Weiterbildungen in der Anwendung von Literaturverwaltungsprogrammen sowie Informations- und Beratungsveranstaltungen zu Open Access an. Das Dezernat Forschung bietet Veranstaltungen zur Erstellung von Förderanträgen an und berät zum Schutz des geistigen Eigentums. Am Sprachenzentrum können zudem weiterführende Sprachkurse belegt werden. In der Endphase der Promotion helfen die Beratungsangebote des Career Service bei der Entscheidungsfindung und Planung des weiteren Karrierewegs nach der Promotion. Mit der Gründerwerkstatt neudeli stellt die Bauhaus-Universität Weimar eine Einrichtung zur Unterstützung derjenigen zur Verfügung, die nach erfolgreicher Promotion eine Selbstständigkeit oder Unternehmensgründung anstreben.