Master-Studierende der Bauhaus-Universität Weimar haben aus 10 Thüringer Museen 60 'gewanderte' Objekte ausgewählt, die ab 7. Juli 2017 in der Ausstellung »Migration der Dinge« auf Schloss Belvedere gezeigt werden.
Erstellt: 04. Juli 2017

Von Kartoffeln, Münzen und iPhones: Ausstellung von Master-Studierenden zur »Migration der Dinge«

In den zwei Seminaren »Kuratieren. Kulturtechnik des Zeigens« und »Migration der Dinge« haben sich Master-Studierende der Bauhaus-Universität Weimar innerhalb eines Jahres mit dem Thema Migration aus der Perspektive der thüringischen Kulturgeschichte auseinandergesetzt und dafür in Kooperation mit der Klassik Stiftung Weimar die Ausstellung »Migration der Dinge« konzipiert.

Das Ergebnis kann nun ab 7. Juli bis zum 15. Oktober 2017 im Schloss Belvedere angeschaut werden. Am Donnerstag, 6. Juli 2017, um 18 Uhr findet die Vernissage statt.

Seit mehreren Jahren reißt der Flüchtlingsstrom nach Europa aus den Kriegsgebieten und der sogenannten Dritten Welt nicht ab. »Migration« ist dabei zu einem Schlüsselbegriff geworden, der die Flüchtlingsströme und Wanderbewegungen der Menschen begrifflich zu fassen meint. Migration ist jedoch kein neues Phänomen, vielmehr wandern und expandieren Menschen seit ihrer Existenz. Doch nicht nur die Menschen selbst machen sich auf den Weg in andere Gebiete, sondern mit ihnen ihre Dinge. Diesen Dingen, die von weither zu uns nach Thüringen »gewandert« sind, widmet sich die Ausstellung.

Was sind »migrierte« Dinge?

Zum einen sind dies Gegenstände, die Geflüchtete mitnahmen, zum anderen sind dies aber auch Dinge, die durch Wanderbewegungen der Menschen in Folge von Klimaveränderungen, geo- und machtpolitischen Umbrüchen, aber auch durch Handel, Entdeckungsreisen oder durch Raubzüge, Plünderungen, Kriege und Kolonialisierung zu uns kamen. Außergewöhnliche Artefakte, wertvolle Materialien wie Seide, Elfenbein, Porzellan, Glas oder Papier, aber auch Genussmittel wie Tabak, Tee, Kaffee und Kakao, köstliche Gewürze wie Zimt, Ingwer und Safran oder exotische Pflanzen und Tiere gelangten so von der »Neuen« in die »Alte Welt«. 

Ein studentisches Kuratorenteam

In Vorbereitung auf die Ausstellung haben die Studierenden Strategien des Kuratierens anhand verschiedener Ausstellungsszenarien und -konzepte untersucht. Neben theoretischen Auseinandersetzungen besuchten sie Museen und Ausstellungen, u.a. Schloss Friedenstein in Gotha und das Herbarium Haussknecht, aber auch die Alphons-Stübel- oder die Papyrussammlung in Jena. Insgesamt haben die Studierenden aus zehn Thüringer Sammlungen ca. 50 Objekte ausgewählt, die nun in der Ausstellung präsentiert werden. Unter den Ausstellungsstücken befinden sich Kostbarkeiten wie beispielsweise ein Papyrus aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. oder eine arabo-byzantinische Münze aus dem 7. Jahrhundert, ein Nashornschädel oder eine Elfenbeinstatue aus dem Königreich Benin. 

Auch einige der Objektbeschreibungen des im September erscheinenden Katalogs haben die Studierenden selbst verfasst. Die Präsentation der Objekte im Schloss Belvedere gehörte ebenfalls zu ihren Aufgaben. In den letzten Wochen vor der Eröffnung entstand die Idee, eigene Vitrinen aus Übersee-Transportkisten herzustellen: »Die weit gereisten Holzkisten sind für uns der optimale Ort, um die migrierten Dinge zu gruppieren. Dabei haben wir uns am Prinzip der ›Wunderkammern‹ orientiert – zugleich ein spannender Gegensatz zu der existierenden Ausstellung im Schloss Belvedere«, erklärt Robert Hagmeister, Master-Student im Studiengang Medienwissenschaft.

»Vielleicht ist die Ausstellung über die ›migrierten‹ Gegenstände auf den ersten Blick ein wenig sperrig, aber wir hoffen, dass sie ein Bewusstsein dafür erzeugt, dass auch unsere thüringische Kultur viele Einflüsse von außen erhalten hat. Was wäre unsere deutsche Kultur z. B. ohne die Kartoffel? Und möglicherweise führt die Ausstellung auch zu einer anderen Perspektive auf die im Schloss Belvedere bereits gezeigten Objekte«, wünscht sich Dr. Claudia Tittel, die Lehrende des Projekts. 

Die Objekte der Ausstellung dienen als Informationsträger und Zeugen der Geschichte, der Wissenszirkulation und des Kulturtransfers. Sie sollen zeigen, dass viele der Gegenstände, die wir heute als Teil der deutschen Kultur verstehen, ihren Ursprung außerhalb unserer Landesgrenzen haben und damit der Begriff der nationalen Identität ein historisches und begriffliches Konstrukt ist. 

Unterstützt wird das Ausstellungsprojekt von der Klassik Stiftung Weimar, der Alphons-Stübel-Sammlung, dem Herbarium Haussknecht, der Ur- und Frühgeschichtlichen Sammlung, dem Orientalischen Münzkabinett, der Kustodie sowie der Papyrussammlung der Friedrich-Schiller-Universität Jena, dem Verein der Freunde der Afrikanischen Kunst in Berlin und der Lippmann & Rau-Stiftung in Eisenach, durch die die Objekte zur Verfügung gestellt werden. 

Ausstellung: »Migration der Dinge«
7. Juli bis 15. Oktober 2017
Schloss Belvedere Weimar, Schloss Belvedere 1, 99425 Weimar
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr

Vernissage
Donnerstag, 6. Juli 2017, 18 Uhr: Vernissage in der Orangerie, Schloss Belvedere

Es sprechen:
Begrüßung: Dr. Gert-Dieter Ulferts, Stellvertreter des Generaldirektors Museen, Abteilungsleiter Kunstsammlungen, Klassik Stiftung Weimar
Grußwort: Prof. Dr. Hennig Schmidgen, Prodekan der Fakultät Medien der Bauhaus-Universität Weimar
Einführung: Dr. Claudia Tittel, Kuratorin der Ausstellung und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur Geschichte und Theorie der Kulturtechniken
Musikalische Umrahmung: Ganna Gryniva und Igor Moriya, Gesang/Gitarre

Führungen zur summaery
13. Juli  bis 16. Juli 2017
Im Rahmen der Jahresschau »summaery« der Bauhaus-Universität Weimar führen Studierende des Projekts jeweils von 14 bis 16 Uhr durch die Ausstellung.

Eintritt:
Erwachsene 6,50 Euro | ermäßigt 5,00 Euro | Schülerinnen und Schüler (16 bis 20 Jahre) 2,50 Euro
Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren haben freien Eintritt.
Besucherinformationen unter: bit.ly/2tss1Xw

Ein Ausstellungsprojekt der Professur Geschichte und Theorie der Kulturtechniken mit Bachelor- und Masterstudierenden der Medienwissenschaft, Medienkultur, Architektur und Medienkunst/Mediengestaltung der Bauhaus-Universität Weimar in Kooperation mit der Klassik Stiftung Weimar.

Gefördert vom Thüringer Ministerium für Migration, Justiz und Verbraucherschutz, der Thüringer Staatskanzlei, dem Studiengang Medienwissenschaft, der Fakultät Medien und dem Internationalen Kolleg für Kulturtechnikforschung und Medienphilosophie (IKKM).


Für Fragen zur Ausstellung wenden Sie sich gern an Dr. Claudia Tittel, Kuratorin:

Dr. Claudia Tittel
Professur Geschichte und Theorie der Kulturtechniken
Tel.: +49 (0) 36 43/58 38 61
E-Mail: claudia.tittel@uni-weimar.de