
Ist Musik weniger wert, wenn sie von einer KI komponiert wurde? Was verraten Streamingdienst-Empfehlungen über uns? Und macht generative KI Beschäftigte tatsächlich produktiver? Fragen, zu denen wir uns im Alltag oft längst eine Meinung gebildet haben. Doch hält diese auch einer wissenschaftlichen Betrachtung stand? Im Fachbereich Medienmanagement der Bauhaus-Universität Weimar entstehen hierzu Forschungsarbeiten, die aktuelle Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz, Mediennutzung und digitale Arbeitswelten kritisch hinterfragen.
Seit September 2024 forschen Sebastian Cramer, Paul Muschiol und Rath Rattanakorn (seit 2025) als wissenschaftliche Mitarbeiter an der Professur für Innovationsmanagement und Medien von Prof. Dr. Reinhard Kunz. Im Rahmen ihrer Promotionsvorhaben widmen sie sich unterschiedlichen Fragestellungen an der Schnittstelle von Medien, Management und Künstlicher Intelligenz. Einblicke in ihre aktuellen Forschungsarbeiten gaben sie kürzlich beim 23. Doktoranden- und Habilitandenkolloquium »Management Science«, wo sie ihre Konzepte mit Wissenschaftler*innen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum diskutierten.
Die Themen könnten unterschiedlicher kaum sein und doch verbindet sie ein gemeinsames Interesse: Sie nehmen Entwicklungen in den Blick, die unseren digitalen Alltag bereits heute stark prägen. Drei Beispiele zeigen, woran die Promovierenden derzeit forschen.
Wie verändert generative KI unser Arbeitserleben?
Generative Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in kreative und wissensintensive Arbeitsbereiche. In einem Teilprojekt seines Promotionsvorhabens untersucht Paul Muschiol, wie sich diese Entwicklung auf das Wohlbefinden, die Arbeitszufriedenheit, die wahrgenommene Produktivität und die Loyalität von Mitarbeitenden auswirkt. Grundlage seiner Forschung ist die sogenannte »Service-Profit Chain«: ein Modell der Dienstleistungsforschung, das den Zusammenhang zwischen Arbeitsbedingungen und Unternehmenserfolg beschreibt. Im Mittelpunkt steht dabei nicht allein die Frage nach möglichen Produktivitätsgewinnen, sondern auch, wie neue Technologien das Arbeitserleben und die langfristige Leistungsfähigkeit von Beschäftigten verändern.
Warum verraten Streaming-Empfehlungen mehr über uns, als wir denken?
Empfehlungen für Video-Streamingdienste sind weit mehr als bloße Informationsweitergabe. Genau hier setzt die Forschung von Sebastian Cramer an. Seine Untersuchungen deuten darauf hin, dass Menschen mit einer Weiterempfehlung nicht nur ihre Einschätzung eines Angebots teilen, sondern durch dieses Verhalten zugleich ihr eigenes Selbstbild formen. Eine Empfehlung kann damit auch einen Prozess der Selbstwahrnehmung anstoßen – und wer einen Dienst als passend zu sich selbst wahrnimmt, neigt auch eher dazu, ihn weiter zu nutzen. Das Projekt erweitert das Verständnis von Word-of-Mouth-Kommunikation um eine bislang wenig beachtete Perspektive und eröffnet neue Einblicke in das Zusammenspiel von Mediennutzung, Selbstwahrnehmung und Nutzerbindung.
Wie verändert KI unseren Blick auf Kreativität?
Ob ein Musikstück von einem Menschen oder einer Künstlichen Intelligenz komponiert wurde, könnte unsere Bewertung stärker beeinflussen, als wir vermuten. Rath Rattanakorn untersucht in seinem Promotionsvorhaben den sogenannten »Anthropocentric Bias«, also die Tendenz, menschlich geschaffene kreative Leistungen höher einzuschätzen als maschinell erzeugte. Seine Forschung soll dazu beitragen, besser zu verstehen, wie Transparenz über KI-Urheberschaft die Akzeptanz kreativer Inhalte beeinflusst und welche Konsequenzen sich daraus für die Medien- und Kreativwirtschaft ergeben können.
Die drei Promotionsvorhaben zeigen, wie eng aktuelle Forschung mit den Fragen unseres digitalen Alltags verknüpft ist. Ob Mediennutzung, Künstliche Intelligenz oder digitale Arbeitswelten: Die Projekte der Nachwuchswissenschaftler greifen Entwicklungen auf, die wir täglich erleben und deren Auswirkungen wir häufig nur intuitiv bewerten. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung eröffnet dabei neue Perspektiven auf Themen, die unseren heutigen Alltag prägen, wissenschaftlich jedoch noch längst nicht vollständig verstanden sind.
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