Die Tätigkeitsfelder der Produktgestalter sind so vielfältig wie die Welt der Dinge, mit denen wir leben. Produkte entstehen handwerklich, seriell-industriell und, durch die Digitalisierung der Entwurfs-, Planungs- und Produktionsvorgänge, zunehmend auch in Mischformen dieser Prozesse.

Die Entwurfskriterien im Produktdesign sind ästhetischer, semantischer, symbolischer, modischer und materialbezogener Art. Entwurfsarbeiten werden in der Regel von der Recherche aus über konzeptuelle Überlegungen, freie sensuelle Erforschungen, Skizzen, Experimente, Materialuntersuchungen, digitale Entwurfswerkzeuge bis hin zu Präsentationsdarstellungen, Modellen und Mustern entwickelt.

Neben den Aspekten der Ästhetik, Verständlichkeit, Sinnfälligkeit oder Attraktivität eines Produktes sind Produktdesigner auch gefordert, Fragen der umsichtigen Produktion, des Energieaufwandes und der Ressourcenschonung zu bedenken und im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu beantworten.

Das Design hat auch Fragen zu beantworten, auf die der akademische Kunstbegriff nicht reagiert. Auf gestalterische, technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragen muss Design antworten. Die Distribution der Produkte und ihre Vermittlung durch die Medien ebenso wie die Einbindung in die Materialkreisläufe und das Nutzerverhalten sind feste Bestandteile des Entwurfs.

Besonders die elektronischen Technologien, die fest in Entwurf und Produktion verankert sind, erfordern kooperative Arbeitsweisen sowie Persönlichkeiten, die ohne qualitative Verluste Konsens untereinander erreichen.

Die pragmatische Forderung heißt: Suchen, denken, experimentieren, diskutieren und zusammen arbeiten.

Für die Designforschung im Masterprogramm „Produktdesign-nachhaltige Produktkulturen“ bedeutet dies die Erweiterung der relevanten Kriterien des Produktdesign um soziale, ökologische und energetische Einflüsse auf die Produktkultur und die Entwicklung neuer Lösungen.

Das Potential der dringend notwendigen Energieeinsparung in unserer Produktkultur liegt auf mehreren Ebenen:

-       den politisch-gesellschaftlichen Rahmenbedingungen,

-       den Energiebilanzen der Materialkreisläufe und der Produktzyklen

-       sowie dem Nutzungsverhalten der Kunden und Adressaten

Dieser Ansatz bedeutet nicht, gefällige Standards unserer Produktkultur ökologisch unverdächtig zu substituieren und nach technischen Einsparpotentialen zu suchen sondern den Sinn von Produktsystemen, deren Entstehungsbedingungen und Zyklen zu untersuchen sowie die Gesamtperformance dieser Systemen zu optimieren.

Diese Bewertung von Aufwand und Nutzen hat zwei Ebenen, die sich ergänzen sollten: einerseits mit weniger Masse und Energie mehr zu leisten, andererseits das Nutzungsverhalten nachhaltig zu verändern.

Da qualitative Werte unterschiedlichen Parametern der Bewertung unterliegen, bedeutet dies  vor allem, dass eine Entwicklung des Design hin zu mehr Energieeffizienz nicht zu Lasten des gestalterischen Experiments und der Vielfalt gehen kann.

Denn das Design wird dann eine relevante Zukunft haben, wenn es den DesignerInnen immer wieder gelingt, sich der Umklammerung durch Funktion, Technologie, Markt, Mode und Werbung zu entziehen und selbstbewusst provokante Positionen zu beziehen.