Das Müllprojekt IV: Material Neu Denken

Samira Gebhardt

Objekt
Fundstücke (Papier), Beton; 55 x 21,5 cm
Foto: Florian Wehking

 

Lücke 

Die Auseinandersetzung und intensive Beschäftigung mit modernen Materialien, ist meine persönliche Art mich mit der aktuellen Zeit und meiner Umgebung auseinander zu setzen. In der Arbeit Lücke treffen Beton, der für Stabilität, Schutz, Ewigkeit und Rationalität steht, und gefundenes Papier aufeinander. Das Papier hat etwas Melancholisches, Verletzliches, da es deutliche Spuren der Zeit trägt. Jedoch wurde das Papier nie beschrieben oder anders verwendet. Die Farbe, Haptik und Beweglichkeit des Papiers steht im Kontrast zum Beton. Durch das Eingießen des Papiers in den Beton entsteht eine Verbindung zwischen poetischem und nüchternem Material. Die Arbeit erzählt von einem Dialog, der nie stattfand, von Möglichkeiten, die nicht ergriffen wurden. Das unbeschriebene Papier ist im Jetzt – im quaderförmigen Beton – angekommen und findet so endlich eine neue Möglichkeit der Existenz, ohne jedoch die Vergangenheit zu verdecken.

 

 

Objekt und Videoinstallation
Fotos: Florian Wehking
Wasser, Videoprojektion, Styrodur; 120 x 60 x 4 cm

 

Wovon Astronauten träumen

In der Arbeit Wovon Astronauten träumen, trifft das Baumaterial Styrodur auf Wasser
sowie auf eine Projektion des Himmels. Der Kontrast zwischen Künstlichkeit und
Natürlichkeit wird thematisiert. Das Wasser auf dem Styrodur wird durch Bewegungen im Raum leicht bewegt und bricht die Illusion der perfekten Oberfläche auf. Die Videoprojektion des Himmels läuft über eine Ecke des Raumes und durchbricht die herkömmliche Wahrnehmung des Himmels. Eine
Situation, die so nicht stattfinden könnte, wird inszeniert.

Kaspar Elias Kimmel

Objekt
Bentonit, Beton, Draht, Styropor; 107 x 107 x 14 cm
Fotos: Florian Wehking

 

Masterstop


Was wäre unsere Zivilisation ohne Beton? Schon die Römer benutzten Zement für ihre Bauwerke. Über Jahrhunderte vergessen, erlebte unsere Zivilisation durch die Wiederentdeckung des Zements und der Erfindung des künstlichen hydraulischen Kalks anfangs des 18Jahrhunderts einen Fortschrittsschub ungeahnten Ausmaßes. Bis hin zu den heutigen, Tonnen schweren Betonfertigelementen und deren Verbringung rund um den Globus.
Beton ist heute eines der bevorzugten Baumaterialien, bekommt aber massive Probleme, wenn Flüssigkeiten in Risse oder Fugen eindringen kann. Bentonit ist durch seine Quellfähigkeit von bis zu 250% ein treuer Begleiter von Betonbauten um diese Flüssigkeitsproblemantigen in den Griff zu bekommen. Hier kommt als Fugendichtmittel Kautschuk gebundenes Bentonit zum Einsatz. Was sich nicht nur durch seine alterslose Quellfähigkeit auszeichnet, sondern auch noch durch seine überragende Resistenz gegen die meisten Säuren und Laugen. Als weiteres Beispiel sind die gigantischen Mülldeponien des Industriezeitalters zu nennen, wo Bentonit als zuverlässige Trennebene zum Grundwasser verlegt wird.
Der Titel Masterstop bezieht sich auf diese vielfältigsten Anwendungsmöglichkeiten von Bentonit als Abdichtungsmittel. In meiner Arbeit ruht eine Bentonitspirale auf einem gedämmten Betonfundament.

Christoph Haupt

Fotos: Christoph Haupt
Objekt
Kunststoffverpackung, Epoxidharz, Paketklebeband; 165 cm

 

Der Mensch ist Konsument., Verpackung als Haut und Cover

Solange er existiert, produziert und konsumiert er Güter. Dieses Verhalten ist Existenziell und Ausgangspunkt unseres stetig wachsenden Fortschritts. Eine von Menschen erzeugte Ware ist ein Produkt, welches zum Konsum freigegeben wird. Meine Fokussierung liegt auf der Verpackung die als Schutz des Inhalts (Produkt) Anwendung findet. In meiner Arbeit transformiere ich Verpackungsmaterial. Ich sehe es als Außenhaut beziehungsweise Hülle. Eine Schnittstelle zwischen innen und außen. Meine Intension ist es, menschliche Körper aus Verpackungsmaterialien abzubilden sodass der Mensch selbst zu einem Produkt wird.

Im Kontext meiner Auseinandersetzung mit anorganischen Verpackungsmaterialien habe ich deren Verwendungszweck auf die menschliche Haut übertragen. Der Mensch selbst wird zu einem Produkt unserer Zeit, eine Künstliche Hülle ohne Inhalt.

Khashayar Zandyavari

Stahl, Wasser, Plexiglas, PVC-Kunststoff, Wasserpumpe
2x1,5x3,5 m
Fotos:Khashayar Zandyavari

 

Ich Will Aber Morgen

Menschen sind der Überzeugung, dass die Sonne seit langer Zeit brennend aufgeht. Diese Beständigkeit erlaubt ihnen, sich vor dem Einschlafen keine Sorgen machen zu müssen, ob es in wenigen Stunden wieder hell wird. Einerseits gibt es doch keine Gewähr dafür, anderseits geschieht es unabhängig von menschlichem Verständnis. Es wird eine bloße Erwartungshaltung erzeugt, laut der das Erfüllen der angeblichen Voraussetzungen das Geschehen eines Ereignisses garantiere. Dem kann nur entgegengewirkt werden, indem ein Gegenbeispiel präsentiert wird.
 

Clara Freund

Fernstein
Backstein, Moos; 13x16x7cm
Knophon
Knochen, Kunststoff, Moos; 21x17x9cm
Mooses per pedes
Leder, Gummi, Moos, Wasser; 28x15x14cm

 

Anthropozäne Artefakte

Neomaterialistisch-archäologische Sammlung und Forschungsreihe

Das Anthropozän bezeichnet ein Zeitalter, indem der Mensch zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren biologischer, geologischer und atmosphärischer  Prozesse geworden ist. Wir befinden uns genau mitten im Anthropozän!

Forschungsfragen:

Was wird wo in der Natur wie entsorgt und welche Fundstücke resultieren daraus? Was sind oder werden die Fundstücke dieses Zeitalters sein? Was werden zukünftige Kulturen von uns entdecken und wie werden sie versuchen sich das jetzige Zeitalter zu erschließen? Was hinterlassen wir als Menschheit? Welche Materialien überdauern?

Pfahl
Eisen, Rost, Pelz, Zwirn; 16x16x150cm
Rahmen
Eisen, Rost, Fell; 31x55cm

 

TOTEM

Abgetrennte Pelzkrägen, gesammelt von meiner Großmutter, zu Zeiten in denen Material begrenzt war und kostbarer schien als heute. Aufgehoben und doch bisher keine Verwendung gefunden. Als sie mir begegneten und sie entsorgt werden sollten, wollte ich mich ihnen annehmen und diesem kostbaren Material eine neue Bedeutung schenken. In ihrer Zusammenfassung sind sie für mich wieder lebendig geworden. Gesammelt stehen sie für meine Ahnen, die sie vielleicht einst um ihre Hälse trugen.

Der Begriff „Totem“ geht aus dem Wort „odoodeman“ der Algoncin-Sprache hervor und bedeutet so viel wie: „seine Sippe, seine Gruppe, seine Familie“.

Emmy Klaus

Installation
Müll aus der Ostsee

 

Anfang Dezember 2017 – Anfang Januar 2018

Michael Merkel

Objekt
Radiogramme auf Röntgenbildbetrachter; 60x107x13 cm
Fotos:Florian Wehking

Personal Jesus

Die Technik der Radiographie befindet sich in der digitalen Wende. Röntgenbilder werden nur noch elektronisch hergestellt und aufbewahrt. Die greifbaren, ausbelichteten Radiogramme verbleiben einige Zeit im Lager und werden anschließend als Sondermüll entsorgt. Aussolchen aussortierten Röntgenbildern, die von radiologischen und veterinärmedizinischen Praxen stammen, wurde die Arbeit »personaljesus« entwickelt. Einzelne Fragmente des menschlichen Körpers–oft gekennzeichnet durch Verletzungen–finden sich in einer Collage zum Abbild des gekreuzigten Christus zusammengestellt. Die Präsentation erfolgtüber einen Röntgen-bildbetrachter, wie erlange Zeit in Arztpraxen zum Einsatz kam. Die Deutung seiner Kreuzigung als Opfertod entwirft in der klassischen Heilslehreeineeinseitige Beziehung zwischen dem einzelnen Menschen und Christus. Die Arbeit ergänzt diese um eine weitere Ebene: Hier ist der Körper des Gekreuzigten durch eine Vielzahl anderer Menschen geprägt und verbindet sich in Leiblichkeit und Schmerz mit ihnen.

Max Weisel

Objekt
Aluminium und Stahl; 60x80x80 cm
Fotos:Florian Wehking

 

Ohne Titel

Je mehr ich mich über Aluminium belesen habe, Dichte, Schmelzpunkte, Legierungen und Gewicht, umso mehr wollte ich es in flüssige Form bringen. Die Tatsache, dass sich Alu zu 100% recyceln lässt, 70% des jemals produzierten Aluminiums immer noch im Umlauf ist und dass 95% weniger Energie nötig ist um altes Aluminium in eine neue Form zu bringen, waren Grund genug, einen Schmelzofen zu bauen.
Aluminium fließt immer unter einem dünnen Mantel aus dem eigenen Material, wird darin bauchig und bricht wieder aus, fließt, wird Teig, wird fest. Ist es einmal fest, würde man immer noch sagen, es ist weich, einfach zu verformen und leicht.

Das Objekt besteht aus fünf verschiedenen Alugüssen, die über verschiedene Stahlörper fließen und in einem Formschluß zu einem Objekt mit den Strahlkörpern erstarren. Das Aluminium passt sich dem Stahl an und umklammert ihn, aber eine Verbindung werden die beiden nie eingehen… die Schmelzpunkte sind zu verschieden.

Fanny Dehnkamp

Screenshot, Youtubevideo/Videoperformance, 7min

Sailor-Knet Tutorial

Wie bei analoger Trash Kunst geht es hier um eine Arbeit die vermeintlich Müll, billig oder schlecht produziert, bei einem konzentrierten 2 oder 3 Blick aber doch sehr zugänglich ist. Kunst wird relativ subjektiv rezipiert. Die Analogie zum Müll möchte ich anhand eines simplen Beispiels verdeutlichen. Eine Plastiktüte im Mülleimer ist Trash. Wird die Plastiktüte recycelt ist sie wieder ein Gebrauchsgegenstand, wird die Plastiktüte in einem Kunstobjekt verwendet kann sie zu Trash-Art werden.
Das „Sailor-Knet Tutorial“ ist digital Trash. 90er Jahre Popkultur, Play-Doh Knete und ein spielerischer IMovie-Cut lassen die Grenze zwischen DIY Kultur auf Youtube und Kunst verwischen.
Die Arbeit ist in Kooperation mit Stefan Berretz entstanden und kann auf Youtube unter folgendem Link angesehen werden: www.youtube.com/watch

Lusha Ye

Objekt
Schwamm, Plastik; 180x60 cm

 

Letzten Dinge

Diese Arbeit „letzten Dinge“ ist eine Objekt aus Schwamm und Kunststoff, die in scharfe, schneidende
Stacheln aus Plastik gehüllt ist. Schwamm ist seine Haut, gespitzter Kunststoff ist sein Haar, sie
bilden zusammen eine "lebende Prothese”. Ist das die Leiche eines Lebewesens oder
ein Organ? Ist es Weich oder Scharf? Es ist eine Fantasy von mir über Kunststoff, es geht um Tod,
Schuld, Endlichkeit, aber auch um die Hoffnung, die darüber hinaus ins Helle weist.

Video
HDVideo 1080p

 

Ängste

In dieser Video-Arbeit befindet sich ein schwarzes Ding am Strand, das unbekannt, komisch, sogar
furchtbar ist. Begleitet von einem seltsamen Geräusch bewegt es sich, es teilt sich in
unterschiedliche Formen. Es ist in meinem Auge der Darstellung von “Ängsten”. Angst vor der
dunklen Zukunft, vor dem Untergang des Menschen. Wir Menschen machen es unseren
Mitgeschöpfen und der Umwelt wirklich schwer. Wie wir die Erde mit Plastik vermüllen ist ja nur
ein Beispiel von vielen.
Die Vergänglichkeit und Unfreiheit zeigen sich in Kriegen und flüchtenden Menschen, in
Katastrophen, Epidemien, Streit und Ungerechtigkeit. Immer wieder werden Menschen schuldig
aneinander und an ihrer Mitwelt. Wir sollen gut und gerecht leben, die Schöpfung bewahren, doch
es ist nicht möglich, unschuldig zu bleiben bei all diesen Verstrickungen.

 

Stück des Ewigen

Kunststoffe bleiben für sehr lange Zeit in der Umwelt und zersetzen sich kaum. Ewig - Ewigkeit, also das, was Bestand haben soll, das, was Gewicht hat im Blick auf die Zukunft, und Plastik, ein Allerweltswerkstoff, den wir eher mit dem schnellen, kurzfristigen Gebrauch in unserer modernen Wegwerfgesellschaft assoziieren.
Die 5 Objekte sind von Plastikfalschen abgegossene Gipsobjekte. Die Falsche wurden
gequetscht und zeigen eine Vielzahl von verzerrten Gesten. Gips als eigenständiges künstlerisches
Material wird oft zum kopieren von Meistern verwendet. In diesem Fall ist jedes Gipsobjekt eine
Kopie von der einzigartigen Plastikflasche, die einmal in vollständiger Form existierte, dann zerstört wurde,
aber nie wirklich verschwindendet. Es ist ein Stück vom Ewigen.

Julia Knutas

 

Kontext

Is it possible to make trash into something valuable again? Can the experience of a material change
depending on context and working method?
My project is first and foremost a sustainable material study. I have been using broken old bike tubes in order to change the material expression. The result is three different bags and material samples. By playing around with the material it has been my goal to enhance the material properties and expression of broken bike tubes and thus questioning the unsustainable use of materials in the art- and design field. The method I have been using is called Material Driven Design. MDD is when the artist or designer start by exploring materials before deciding on what it should be used for. It is often an interdisciplinary practice when scientists in different fields participate. MDD could mean that the artist or designer makes their own material from scratch. It is kind of similar to cooking. But MDD could also mean that the designer uses an existing material and tries out different ways of changing it’s expression and properties through different working methods.

Theresa Kremser

Objekt
114 H&M Plastiktüten; 151x67 cm

 

17,10€

Ein Kleid aus 114 Plastiktüten.
Ein Kleid für 17,10€.
Ein Kleid für die Ewigkeit.
Ein Kleid, welches keinen direkten Nutzen hat.
Sondern einfach nur ein Kleid, welches man nicht tragen kann, sondern welches einfach
nur veranschaulichen soll, welche Unmengen an Plastiktüten wir verwenden und nie
wieder benutzen oder recyceln und wir uns dessen nicht einmal bewusst sind.