Die Preisträgerinnen und Preisträger v.l.n.r: Phillip Klein, Matthias Pitscher, Maria Antonia Schmidt und Stephan Isermann (Foto: Candy Welz)
Die Preisträgerinnen und Preisträger v.l.n.r: Phillip Klein, Matthias Pitscher, Maria Antonia Schmidt und Stephan Isermann (Foto: Candy Welz)
Erstellt: 17. Juli 2017

Jahresschau »summaery«: Medienkunstpreis 2017 vergeben

Die Gewinner des diesjährigen Preises der Medienkunst stehen fest: Phillip Klein, Stephan Isermann, Maria Antonia Schmidt und Matthias Pitscher sind am Freitag, 14. Juli 2017, für ihre Abschlussarbeiten im Studiengang Medienkunst / Mediengestaltung ausgezeichnet worden. Ebenso vergeben wurden zwei Filmförderpreise des Bauhaus Film-Instituts.

Den 1. Preis, der mit 1.000 Euro dotiert ist, erhielt Phillip Klein für seine interaktive Multimedia-Performance »Inter Alias«. In seiner Arbeit nimmt er Bezug auf die Überwachungssoftware »oppcr«, die die nordkoreanische Regierung 2014 in das Betriebssystem »Red Star OS« integriert hatte.

Den mit 750 Euro dotierten 2. Preis vergab die Jury an Stephan Isermann für seine Virtual-Reality-Game-Simulation »Pig Simulator«, die den Betrachter in die Perspektive eines Schweins versetzt. Darin wird der Transport vom Bauernhof über den Schlachthof bis hin zum Supermarkt inszeniert. Die Teilnehmenden erleben den traumatischen Prozess und den Tod eines Schweins aus der Ich-Perspektive des Ego-Shooters, wie man ihn von Game-Szenarien her kennt.

Das Radio-Feature »Tardigrada« von Maria Antonia Schmidt wurde mit dem 3. Platz und damit verbunden einem Preisgeld von 500 Euro ausgezeichnet. Das Stück offenbart das ungewöhnliche und überraschende Universum des mikroskopischen Organismus »Tardigrada«, welcher Teil unserer Lebenswelt ist.

Die Performance und Medieninstallation »Social Media Meditation« von Matthias Pitscher lädt das Publikum dazu ein, mobile Mediengeräte für die Meditation zu nutzen, anstatt sich ständig dem globalen Informationsfluss auf Social-Media-Plattformen zuzuwenden. Die Jury ehrte ihn mit dem mit 250 Euro dotierten 4. Preis.

Mit jeweils 1.000 Euro wurden die Masterstudierenden Alena Kroker und Leef Hansen durch den Filmförderpreis des Bauhaus Film-Instituts ausgezeichnet. Beide Projekte sind deutsch-israelische Kooperationen. Mit den Filmförderpreisen werden Filmvorhaben oder noch im Entstehen befindliche Arbeiten unterstützt, die ohne finanzielle Hilfe nicht oder nur schwer realisierbar wären.

Bereits zum neunten Mal stellte die Merkur Bank insgesamt 4.500 Euro für die Preise der Medienkunst/Mediengestaltung der Bauhaus-Universität Weimar sowie den Filmförderpreis des Bauhaus Film-Instituts bereit. »Schon seit neun Jahren vergeben wir gemeinsam mit der Bauhaus-Universität Weimar den Medienkunstpreis und freuen uns jedes Jahr aufs Neue auf eine spannende und abwechslungsreiche Ausstellung«, sagt Wolfgang Genczler, Regionaldirektor der Merkur Bank für Sachsen und Thüringen, im Rahmen der Preisverleihung und verglich die Zusammenarbeit augenzwinkernd mit einer Art Seelenverwandtschaft.

Gewinnerinnen und Gewinner Medienkunstpreis 2017:
1. Preis Phillip Klein, Inter Alias, 2016 nominiert von Prof. Ursula Damm
2. Preis: Stephan Isermann, Pig Simulator, 2017, nominiert von Prof. Ursula Damm
3. Preis: Maria Antonia Schmidt, Tardigrada, 2017, nominiert von Prof. Nathalie Singer
4. Preis: Matthias Pitscher, Social Media Meditation, 2017, nominiert von Gastwiss. Michael Markert

Jurymitglieder:
Miriam Schwarz, Galerie Burster Berlin
Svetlana Maraš, Medienkünstlerin, Belgrad
Sabine Himmelsbach, Haus der elektronischen Künste (HEK) Basel

Über »Inter Alias« von Phillip Klein:
Die ausgezeichnete Arbeit nimmt Bezug auf die Überwachungssoftware »oppcr«, die die nordkoreanische Regierung 2014 in das Betriebssystem »Red Star OS« integriert hatte. Durch die Software wird jede Datei auf dem Computer mit einem digitalen Wasserzeichen markiert, wodurch eine lückenlose Rückverfolgung möglich gemacht wird.
Phillip Klein greift das Programm auf und verkehrt es in seiner Funktionsweise: Beim Einspeisen eines Bildes wird die Datei mit dem Wasserzeichen markiert und im Anschluss in eine ästhetische Rasterung überführt, die eine Identifizierung erschwert statt sie offenzulegen. In der Ausstellung im Schießhaus erstellt und bearbeitet Klein Portraits seines Publikums und lässt es so am Entstehungsprozess teilhaben. Diese Bilder werden dann in zweifacher Ausführung gedruckt. Ein Exemplar wird in der Ausstellung aufgehängt, das zweite Exemplar erhält der Porträtierte als eine Art Belegexemplar. Mit dieser symbolischen Geste unterwandert Klein ein zweites Mal die eigentliche Funktion der Überwachungstechnik.

Über die Projekte des Filmförderpreises:
Der Filmförderpreis für Alena Kroker ermöglicht einem acht-köpfigen Filmteam, das Projekt »Caravan Orchestra« zu begleiten und filmisch zu dokumentieren. Es ist ein Projekt des Yiddish Summer Weimar, der in diesem Jahr unter dem Motto »The Other Israel – Seeing unseen Diasporas« steht. Das »Caravan Orchestra« ist ein reisendes Orchester, das junge Musiker aus Deutschland und Israel zusammenbringt und sie dazu anregen soll, sich mit dem gemeinsamen Erbe jüdischer, arabischer und europäischer Musik zu beschäftigten. Der Höhepunkt und gleichzeitig das Ende der gemeinsamen Reise wird ein Konzert in Erfurt sein, das am 9. August 2017 stattfindet. Die Projektgruppe formierte sich im Rahmen des Projektmoduls »Short Cuts«, das von Prof. Wolfgang Kissel und Nicola Hens geleitet wurde.

Die zweite Auszeichnung für Leef Hansen fördert ein Kooperationsprojekt zwischen der Bauhaus-Universität Weimar und der Tel Aviv University, in dem Weimarer Filmemacher mit Regisseurinnen und Regisseuren aus Tel Aviv zusammenarbeiten. Eines der konkreten Filmvorhaben dreht sich beispielsweise um die Kibbutz-Bewegung und den genossenschaftlichen Siedlungsbau in Israel. Der Film möchte der Frage nachgehen, ob die Kibbutz-Bewegung eine Utopie oder Dystopie ist.

Über den Medienkunstpreis:
Die Professorinnen und Professoren des Studiengangs Medienkunst/Mediengestaltung waren dazu aufgerufen, bis zu zwei Projekte der derzeitigen Absolventen aus dem letzten Studienjahr zu nominieren. Eine unabhängige Fachjury wählt im Anschluss die Preisträger aus. In diesem Jahr sind zehn Arbeiten von den Professorinnen und Professoren des Studiengangs nominiert worden.

Für Rückfragen steht Ihnen gern Romy Weinhold, Mitarbeiterin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit an der Fakultät Kunst und Gestaltung, telefonisch unter +49 / 36 43 / 58 11 86 oder per E-Mail an romy.weinhold@uni-weimar.de zur Verfügung.