Diplom-Designer Ronny Staps und Dr. Kristina Margarete Schönherr, Dezernentin für Forschung, nehmen den Arbeitsschutzpreis in Erfurt entgegen.
Erstellt: 23. Mai 2017

Bauhaus Universität Weimar gewinnt mit dem Patent »backup« den Thüringer Arbeitsschutzpreis

Das Thüringer Arbeits- und Sozialministerium zeichnet die von der Bauhaus-Universität Weimar patentierte Arbeitsschutzorthese »backup« mit dem Thüringer Arbeitsschutzpreis aus. Dr. Kristina Margarete Schönherr, Dezernentin für Forschung, nahm stellvertretend für die Universität gemeinsam mit dem Erfinder Ronny Staps am 22. Mai 2017 das Preisgeld in Höhe von 1500 Euro und die Urkunde in Erfurt entgegen.

Die Arbeitsschutzausrüstung »backup« setzt am Rückgrat an und besitzt eine neuartige, flexible Schutzfunktion. Ronny Staps hat damit im Rahmen seiner Abschlussarbeit 2011 die weltweit erste Arbeitsschutzorthese zur Stützung und Entlastung der menschlichen Wirbelsäule bei manueller Lastenhandhabung entwickelt. Der Diplom-Designer hat an der Fakultät Kunst und Gestaltung Produkt-Design studiert. Betreut wurde die Abschlussarbeit von Prof. Gerrit Babtist und Dipl.-Kommunikationswirt Stefan Jungklaus.

»backup« ist eine frei bewegliche Weste, die bei Spitzenbelastungen auf Wirbelsäule und Bandscheiben die Bewegung stoppt, um Verletzungen vorzubeugen. Das Besondere dabei ist, dass die in der Weste befindliche Orthese individuell zugeschaltet und versteift werden kann. Einzelne Segmente wirken zusammen, stabilisieren sich und funktionieren so wie ein Außenskelett. Auf diese Weise stützt und entlastet die persönliche Schutzausrüstung präventiv den Rücken, wirkt gegen extreme Körperhaltungen, dämpft diese ab und lässt Überbelastungen nicht zu.

Ein weiterer Vorteil: Durch eine 3D-Messung der Rückenkontur der Nutzerin oder des Nutzers wird die Orthese individuell angepasst. Außerdem besteht durch das einfache Aktivieren und Deaktivieren der Versteifung jederzeit die Möglichkeit, die eigene Bewegungsfreiheit zu regulieren, sodass die Orthese mit einer höheren Wahrscheinlichkeit nicht als Einschränkung empfunden und dadurch häufiger genutzt wird.

Eingesetzt werden kann die Arbeitsschutzausrüstung vor allem in den wechselhaften Arbeitsumgebungen von Handwerk und Baugewerbe, in denen regelmäßig schwer getragen und gehoben wird. Gerade Kleinbetriebe können mit diesem Rüstzeug erheblich profitieren und »somit ergonomische, menschengerechte Arbeit überall dort ermöglichen, wo der Arbeiter auf sich selbst gestellt ist und nicht durch entsprechende Maschinerie entlastet werden kann«, so Staps.

»Über die Auszeichnung freue ich mich sehr! Im Studium wurde uns gelehrt, relevante Problemstellungen aufzudecken und dafür Lösungsansätze zu generieren, die über eine rein formale Gestaltung von Produkten hinausgehen. Gemeinsam mit der Universität arbeite ich nun daran, dass »backup« in Zukunft auch als Arbeitsschutzausrüstung in der Praxis Anwendung findet«, erzählt der Erfinder.

Arbeitsschutz ist auch weiterhin ein wichtiges Arbeitsfeld für Ronny Staps: »Aktuell bin ich als Industrie-Designer bei Held+Team Design in Hamburg tätig. Wir entwickeln und gestalten Labor- und Medizintechnik-Produkte für international etablierte Unternehmen der Branche. Mein Tätigkeitsfeld ist somit nicht allzu weit entfernt vom Arbeitsschutz, da es bei der Gestaltung von medizinischen Produkten vor allem um die Ergonomie- und Usability Entwicklung für Produkte und Interfaces geht. In meiner Tätigkeit als Designer bleiben Berührungspunkte zum Arbeitsschutz vor allem durch die weitere Entwicklung der Arbeitsschutzorthese bestehen.«

Weitere Informationen zu Diplom-Designer Ronny Staps: www.ronny-staps.de

Patent zur Nutzung als Arbeitsschutzgerät verfügbar

Die Bauhaus-Universität Weimar hatte im September 2015 bereits eine Lizenz für die prämierte Arbeitsschutzorthese an eine deutsche Firma zur Osteoporosebehandlung ausgegeben. Das davon abgekoppelte Patent zur Nutzung als Arbeitsschutzausrüstung ist weiterhin verfügbar. Anwendungen als Schutzkleidung oder im Sportbereich sind ebenfalls denkbar.

Ronny Staps erklärt: »Ich habe die Erfindung gemeinsam mit dem Dezernat Forschung der Bauhaus-Universität Weimar zum Patent angemeldet. Daraus hat sich eine sehr vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit entwickelt, die wir für die weitere Entwicklung der Arbeitsschutzorthese fortführen möchten. Mit der Lizenzvergabe an einen Hersteller von orthopädischen Hilfsmitteln ist die Zusammenarbeit bereits jetzt erfolgreich. Unser Fokus liegt nun auf der Entwicklung der Orthese zu einer marktreifen Arbeitsschutzausrüstung.«

Weitere Informationen erhalten Sie im Dezernat Forschung:

Bauhaus-Universität Weimar
Dezernat Forschung
Ass. jur. Anica Meiland
E-Mail: anica.meiland[at]uni-weimar.de
Tel.: +49(0)36 43/ 58 25 34

oder

Ass. jur. Elke Döhler
E-Mail: elke.doehler[at]uni-weimar.de
Tel.: +49(0)36 43/ 58 25 38

www.uni-weimar.de/patente

Thüringer Arbeitsschutzpreis »Johannes Bube«

Mit dem Preis werden im Freistaat Unternehmen und Institutionen geehrt, die für den Arbeits- und Gesundheitsschutz ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit innovativen Ideen und Lösungen einen wesentlichen Beitrag geleistet haben. Mehr zum Thüringer Arbeitsschutzpreis unter: http://www.thueringen.de/th7/tmasgff/ehrungen/arbeitsschutzpreis/