Das Beispielwort »Secret« vor der Verschlüsselung
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Das selbe Wort nach der Verschlüsselung mit einem siebstelligen Passwort
Das selbe Wort nach der Verschlüsselung mit einem siebstelligen Passwort
Erstellt: 17. März 2017

Studierende der Visuellen Kommunikation erhalten Auszeichnung des Type Directors Club New York und Type Directors Club Tokio

Für ihren verschlüsselten Messaging-Dienst »Crytch« sind Moritz Ebeling und Leon Lukas Plum von den beiden Type Directors Clubs (TDC) in New York und Tokio ausgezeichnet worden. »Crytch« ermöglicht die Verschlüsselung und die Gestaltung visueller Botschaften.

Wer eine digitale Nachricht auf den Weg bringt, möchte, dass sie gelesen wird – aber ausschließlich vom Empfänger. Im Projekt »Private Conversation« haben sich Studierende der Visuellen Kommunikation mit der Exklusivität von Nachrichten befasst. Moritz Ebeling und Leon Lukas Plum stießen bei ihrer Recherche auf zahlreiche Verschlüsselungstechniken, doch keine schien sich bisher weiträumig durchgesetzt zu haben.

»Viele Verfahren sind schlichtweg zu kompliziert und zu undurchsichtig oder es ist eine umständliche Installation notwendig«, so die beiden Gestalter. »Wir wollten eine Alternative schaffen, die gut verständlich und unkompliziert zu nutzen ist und die vor allen Dingen Spaß und somit Lust auf die Nutzung macht.« Was würde passieren, wenn man den eigenen Nachrichten im Moment der Verschlüsselung beispielsweise zusehen könnte? »Crytch« ermöglicht genau das: die Gestaltung und Verschlüsselung textlicher und visueller Botschaften.

So funktioniert es:
Der User besucht die Website www.crytch.com und kann dort die jeweilige Nachricht als Text eingeben und mit Zeichnungen ergänzen. Zusätzlich bietet der Dienst verschiedene Hintergrundfarben zur Gestaltung der Botschaft an. Anschließend gibt der Übermittler ein beliebiges Passwort ein, das bereits bei der Eingabe jedes einzelnen Zeichens die Nachricht verschlüsselt. Der Nutzer beobachtet dabei live, wie der eingegebene Text mit jedem weiteren Passwort-Buchstaben unleserlicher wird. Schließlich versendet er einen Link per E-Mail an den Empfänger, über den die verschlüsselte Botschaft abgerufen werden kann. Kennt der Empfänger das Passwort und gibt dieses ein, kehrt sich der Prozess um und die Nachricht wird wiederum mit jedem richtig eingegeben Buchstaben entschlüsselt und somit lesbar.

Die Idee zu »Crytch« überzeugte die Jurys der beiden Type Directors Clubs in New York und Tokio. Der amerikanische Club verlieh den Studenten sein »Certificate of Typographic Excellence«, das die Präsentation der Arbeit auf der »63rd Awards Exhibition« und die Veröffentlichung im Jahrbuch des renommierten Clubs beinhaltet. Die Tokioter Dependance wählte das Projekt in ihrer Kategorie »RGB« für das Jahrbuch »Tokyo TDC Vol. 28« aus.

»Wir freuen uns sehr über die Auszeichnungen des TDC New York und TDC Tokyo. Sie bestärken unsere Überzeugung, sich als Gestalter nicht bloß auf bereits vorhandene Methoden zu verlassen, sondern auch zu versuchen, eigene Werkzeuge zu entwickeln. Die beiden Preise sind eine tolle Motivation, diesem Ansatz weiterhin zu folgen«, freuen sich Moritz Ebeling und Leon Lukas Plum.

»Crypt« kann von allen Interessierten über die Website www.crytch.com erreicht und kostenlos benutzt werden. 

Hintergrundinformationen:
Ebeling und Plum bedienen sich mit »Crytch« der sogenannten visuellen Kryptographie. Die Zeichen und Zeichnungen bestehen aus Ankerpunkten, die durch Linien miteinander verbunden sind. Während der Eingabe des Passworts werden die Punkte schrittweise auf einer variablen Matrix verschoben. Das Passwort wird dabei nicht gespeichert. Als Verifizierung einer korrekten Eingabe dient ausschließlich das entschlüsselte Bild. Ob und wann der ursprüngliche Zustand der Nachricht wiederhergestellt wurde, kann nur ein menschlicher Beobachter erkennen. Daher ist es unwahrscheinlich, durch automatisiertes Ausprobieren (»Brute-Force-Methode«) verschiedener Passwörter zum dechiffrierten Bild zu gelangen.

Die Crytch-Nachrichten werden in einer speziell gestalteten Schrift dargestellt, die zur visuellen Kodierung geeignet ist. Damit die Anzahl der vorhandenen Ankerpunkte keine Rückschlüsse auf den kodierten Buchstaben erlaubt, bestehen alle Glyphen aus gleich vielen Ankerpunkten. Um einen zusammenhängenden Pfad zu erhalten, sind die Zeichen aus einer Linie gezeichnet und bewegen sich in 90- und 45-Grad-Winkeln innerhalb eines quadratischen Rasters.

Das gemeinsame Raster, an dem sich Text- und Bildelemente ausrichten, bildet die Grundlage für eine charakteristische Formensprache aller mit Crytch erstellten Botschaften. Der Nutzer des Dienstes kann Faktoren wie Farbe, Rasterweite und Strichstärke anpassen. Auch die vorgefertigten Buchstaben lassen sich manuell verändern.

»Crytch« entstand im Sommersemester 2016 im Projekt »Private Conversation« und wurde von den Gastwissenschaftlern Konrad Renner und Christoph Knoth betreut.

Für Rückfragen steht Ihnen gern Romy Weinhold, Mitarbeiterin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit an der Fakultät Kunst und Gestaltung, telefonisch unter +49 / 36 43 / 58 11 86 oder per E-Mail an romy.weinhold[at]uni-weimar.de zur Verfügung.