Prof. Renata Stih und Prof. Dr. Frieder Schnock. © Stih & Schnock, Berlin
Prof. Renata Stih und Prof. Dr. Frieder Schnock. © Stih & Schnock, Berlin
Erstellt: 07. Juni 2018

14.6. Liz Bachhuber im Gespräch mit den Berliner Konzeptkünstlern Renata Stih und Frieder Schnock

Ein »Artist Talk« zum Botho-Graef-Kunstpreis 2018 der Stadt Jena gastiert am Donnerstag, 14. Juni 2018, an der Bauhaus-Universität Weimar. Um 19 Uhr findet eine von Prof. Liz Bachhuber, Freie Kunst, moderierte Begegnung zwischen den Berliner Konzeptkünstlern Renata Stih und Frieder Schnock statt. Das Künstlerduo ist zum Wettbewerb eingeladen worden. Die inzwischen 10. Vergabe des Kunstpreis der Stadt Jena für zeitgenössische bildende Kunst widmet sich dem Thema »Das verschwundene Bildnis. Ein dezentrales Denkmal für Eduard Rosenthal«.

In Weimar, ab 1920 Landeshauptstadt Thüringens, wirkte Eduard Rosenthal nicht nur als Abgeordneter, vor allem wurde hier am 12. Mai 1920 der von ihm ausgearbeitete Entwurf der ersten Thüringer Landesverfassung mit nur unbedeutenden Änderungen angenommen. In Weimar erinnert bereits eine nach Eduard Rosenthal benannte Straße an den Vater der Thüringer Verfassung. Die zum Wettbewerb eingeladenen Konzeptkünstler Renata Stih und Frieder Schnock interessieren sich besonders für die Zusammenhänge von Erinnerung und sozialem Umraum. International bekannt wurde das Künstlerduo mit seinem 1993 eingeweihten dezentralen Denkmal »Orte des Erinnerns« in Berlin-Schöneberg. Es besteht aus 80 doppelseitigen Schildern, die jeweils auf einer Seite ein Bildmotiv und auf der anderen Seite antijüdische Verordnungen aus der Zeit des Nationalsozialismus zeigen. Verstreut über die Straßen des Bayerischen Viertels – in dem einst Albert Einstein, Hannah Arendt und Carl Einstein lebten – machen die Schilder die perfiden Maßnahmen der zunehmenden Entrechtung der Juden bis hin zur Deportation und Ermordung für die Passanten alltäglich sichtbar.

Rollendes Denkmal für die ermordeten Juden Europas
Auch im Rahmen des internationalen Wettbewerbs für das Berliner Holocaust-Mahnmal 1994/95 legten Renata Stih und Frieder Schnock einen vielbeachteten Vorschlag vor. Anstelle eines monumentalen Denkmals, wie es später verwirklicht wurde, wollten sie auf dem dafür vorgesehenen Areal eine Bushaltestelle einrichten, von der aus rote Busse zu den Konzentrations- und Vernichtungslagern der Nationalsozialisten fahren. Auf diesen Bussen sollte vorne das jeweilige Fahrziel – zum Beispiel Auschwitz oder Buchenwald – und die Aufschrift »Denkmal für die ermordeten Juden Europas« stehen. Auf diese Weise sollten Bürger und Touristen sich an den realen Tatorten über den Völkermord an den europäischen Juden informieren können, anstatt sich mit einem – wie die Künstler sagen – »künstlich geschaffenen Gedenkort« begnügen zu müssen.

Vielfältige Arbeit an der Erinnerung
Seither haben Renata Stih und Frieder Schnock, die auch in der Lehre tätig sind, zahlreiche weitere Erinnerungsarbeiten für den öffentlichen Raum sowie für Museen entwickelt. Am 14. Juni stellen sie ihre Konzepte in der Reihe der Artist Talks in der Bauhaus-Universität Weimar vor. Das Gespräch führt die Kunstprofessorin Liz Bachhuber. Sie kennt das Künstlerduo, das im Wintersemester 2003/04 eine Gastprofessur an der Bauhaus-Universität innehatte schon lange.

Artist Talk mit Renata Stih und Frieder Schnock

Zeit:
Donnerstag, 14. Juni 2018, 19 Uhr

Ort:
Bauhaus-Universität Weimar
Fakultät Kunst und Gestaltung
Geschwister-Scholl-Straße 7, HP05
99423 Weimar

Der Eintritt ist frei.

Der Kunstpreis der Stadt Jena für zeitgenössische bildende Kunst in Würdigung von Professor Botho Graef – eines Jenaer Kunstmäzens zu Beginn des 20. Jahrhunderts – wird seit 1992 verliehen und ist mit 5.000 Euro dotiert. Die Themen wechseln und haben meist einen Bezug zur Stadt Jena, die Kunstsparte ist nicht festgelegt. Der Preis wird alle drei Jahre vergeben.