Vision Wiebke Mros

Wiebke Mros | Master Umweltingenieurwissenschaften

Wenn meine Kinder 2050 fast so alt sind wie ich jetzt, werden sie ein anderes Leben führen, sich anders fortbewegen als ich heute. Sie werden in ihrer Kindheit den rasanten Umbruchprozess erleben, sich schnell an die neue Mobilität gewöhnen und sich nur noch staunend und kopfschüttelnd an das Ende der heutigen Mobilität zurückerinnern. Am auffälligsten wird das Fehlen des MIV in den Städten sein. Stattdessen werden sich Privatpersonen auf den alltäglichen Wegen inter- und multimodal fortbewegen. Durch integrierte Stadtplanungskonzepte werden die Wege zwischen Wohnen, Arbeiten, Bildung, Versorgung und Freizeit kurz sein. Ein dichtes Netz verschiedener Mobilitätsdienste gewährleistet die reibungslose, einfache, nutzungsfreundliche, schnelle und emissionsarme Fortbewegung in der Stadt sowie zwischen Ballungszentren. Der ÖPNV wird ausgebaut und autonomes Fahren insbesondere im Bereich des schienengebundenen Nah- und Fernverkehrs wird Stand der Technik sein. Mikromobilitätskonzepte unterstützen den ÖPNV und sorgen für ein engmaschige Transportinfrastruktur. Klassische Taxiunternehmen werden aussterben und durch halbautomatisierte Ridesharing- und Ridepoolinganbieter ersetzt werden. Damit die Nutzung der Transportmittel einfach und ohne Aufwand möglich ist, wird es ein europäisches Interface geben, über das jedes Verkehrsmittel, vom Fahrrad bis zum CleverShuttle mit einem einmaligen Login buchbar ist. Das Routing erfolgt ebenfalls über diese eine App und sucht unter der Berücksichtigung aller Modi die - nach selbstdefinierten Kriterien - beste Route aus. Ähnlich der GEZ-Gebühren wird es eine pauschale, jedoch ans Einkommen gekoppelte, Mobilitätsgebühr geben, die allen Menschen in der EU eine Grundversorgung von Mobilität und damit Teilhabe ermöglicht. Diese wird sich auf Mikromobilitäts- und ÖV-Angebote fokussieren. Erweiterungen sind je nach individuellem Bedarf möglich. Ohne den MIV in Städten werden Flächen des ruhenden Verkehrs überflüssig und es entsteht neuer Platz für Begegnungsräume, grüne Oasen in Städten, für Radabstellanlagen und für den lokalen Einzelhandel.  

Von Eigentümer*innen von Fahrzeugen werden wir uns zu Nutzer*innen entwickeln. Statt Fahrzeuge zu besitzen, wird vor alle eine Serviceleistung - die Serviceleistung Mobilität - gekauft, d.h. das Produkt ist, beliebig Ortsveränderungen vornehmen zu können. Der Besitz von eigenen Fahrrädern o.ä. wird zu einem individuellen Privatvergnügen, die alltägliche Mobilität wird durch flächendeckende Angebote abgedeckt. Wartungs- und Reparaturkosten, der Zeitaufwand in eine Werkstatt zu fahren, all das wird überwiegend Geschichte sein. Durch das Konzept Product-as-a-Service werden sich auch Philosophien zur Produktion und Langlebigkeit von Produkten ändern. Es wird wirtschaftlich sein, möglichst effiziente, robuste und haltbare Geräte zu bauen. Unternehmen werden nicht mehr durch stetige Weiterentwicklung ihrer Produkte profitieren, um Neukäufe zu erwirken, sondern dadurch, dass sie modulare, recyclebare Produkte liefern, bei denen leicht Einzelteile ausgetauscht werden können und nicht direkt ein Neukauf erforderlich ist. Zudem werden die Fahrzeugflotten batterieelektrisch oder mit grünem Wasserstoff angetrieben werden. 

Für die urbane Logistik werden autonome Leichtfahrzeuge für die letzte Meile, sowie Lastenräder Fahrten mit Pkws ersetzen. Weiterhin ergänzen Microhubs überregionale Lieferketten. Der lokale Einzelhandel wird durch ein hybrides Einzelhandelsmodell gestärkt, mit dem es möglich ist, online über einen Zugang unterschiedliche Produkte aus Läden der eigenen Stadt zu kaufen und sich gesammelt zu stellen zu lassen -eben beispielsweise mit Lastenrädern. 

Um diese Vision 2050 zu erreichen, ist zunächst eine klare Zielvorstellung und Zielvorgabe erforderlich. Zielbild für die Zukunft unserer Mobilität sollte eine nachhaltige, mikromobile, menschgerechte Mobilität, die sicher, inklusiv, sozial und umweltverträglich ist, sein. Dieses klare Ziel, was weiter konkretisiert werden muss, hilft, in den kommenden Jahren auftretende Konflikte zu adressieren und lösungsorientiert und erfolgreich anzugehen. Gleichzeitig müssen von Regierungsebene klare Vorgaben gegeben werden, z.B. indem Mobilprämien, die sich weiter auf das Kaufen von Pkw - wenn auch mit alternativen Antrieben – fokussieren, durch Mobilitätsprämien, die einen Kulturwandel in der Mobilität fördern, ersetzt werden. Ich glaube so wie Sampo Hietanen von MaaS Global Ltd. daran, dass die Menschen „ready to be serviced“ sind, d.h. wenn die Angebote stimmen und „convenience“ gewährleistet wird, werden sie einen Umstieg auf multimodale Mobilität annehmen.  

Außerdem und das ist vielleicht mein persönlicher Wunsch für die zukünftige Mobilität ist die Möglichkeit, dass alle – unabhängig von Einkommen – es sich leisten können die verschiedenen Verkehrsmitteln zu benutzten. Ein kostenloser ÖPNV würde beispielsweise für mehr Chancengerechtigkeit sorgen und im Idealfall auch die Straßen entlasten.  

Letztendlich ist festzustellen, dass es eine Vision ist und wer kann schon in die Zukunft schauen. Es bleibt spannend und ich bin auf alle Innovationen und Entwicklungen gespannt.