TRAPA India

"Transitionswege zur Lösung der urbanen Abwasserproblematik unter Einbeziehung von Schlämmen aus Absetzgruben und Fäkalschlamm basierend auf ressourcenorientierten Systemen und Geschäftsmodellen"

"Transition pathways for solving the urban wastewater, fecal sludge and septage problem in Indian cities based on resource orientation and business models"

Projektförderung:

Das Vorhaben wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) über den Projektträger DLR gefördert. 

Projektlaufzeit: 05/2020 - 04/2022

Projektpartner:

Deutschland:
ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung
Tilia GmbH

Indien:
CSIR-NIIST - National Institute for Interdisciplinary Science and Technology, Thiruvanathapuram, Kerala
CSIR-NEERI - National Environmental Engineering Research Institute, Nagpur, Maharashtra

Hintergrund und Problemstellung

In indischen Ballungszentren steht die Wasserwirtschaft vor brisanten Herausforderungen. Nur ein kleiner Teil des Abwassers in Indien wird bisher in Abwasserbehandlungsanlagen behandelt. In den meisten Fällen wird das Abwasser in Absetzgruben vor Ort vorbehandelt oder direkt in Entwässerungsgräben eingeleitet. Urbane Siedlungen wachsen in informellen und ungeplanten Strukturen, was einen Mangel an Sanitärversorgung verursacht. Die Änderung der generellen Randbedingungen wie etwa rasante Urbanisierung, Klimawandel und Ressourcenverknappung verstärken den an sich bereits desolaten Zustand der Daseinsvorsorge. Oftmals halten die planerischen Instrumente der in der westlichen Welt etablierten Systeme nicht Stand bzw. können nicht adäquat angepasst werden.

Die Planung einer Sanitärversorgung entsteht folglich nicht am Reißbrett, sondern ist ein Prozess der Transition. Vom westlich geprägten System, zu einem funktionalen, ressourcenschonenden und hygienischen System. Ein System, das den Anforderungen in Indien besser entspricht. Konzeptionell neuartige Systeme zu etablieren, die anpassungsfähig sowohl auf den derzeitigen Bedarf als auch die kommenden Fragestellungen (u.a. Mikroverunreinigungen und Spurenstoffe) reagieren können und gleichzeitig den gesellschaftlichen Leistungsanforderungen genügen müssen, ist als essentieller Baustein der künftigen urbanen Infrastruktur anzusehen, die sich multifunktional darstellt. Beispielhaft seien an dieser Stelle gekoppelte Stadtentwässerung und Energiebereitstellung genannt.

Zielsetzung und Vorgehensweise

Basierend auf dieser Ausgangssituation ist es Ziel des vorgeschlagenen Projekts, mögliche Transitionspfade im indischen Kontext zu identifizieren. Vor dem Hintergrund solider Geschäftsmodelle werden realistische Umsetzungsstrategien entwickelt. Der Übergang vom einleitungsorientierten Abwasserparadigma zu einem neuen Abwasserrecycling wird nur stattfinden, wenn ohnehin Änderungen erforderlich sind. Dies ist offensichtlich in Indien der Fall. Der derzeitige Mangel an Abwasserkanälen mit Anschluss an eine zentrale Kläranlage und der Zustand des vorhandenen Abwassersystems könnten ein Ausgangspunkt für den Wechsel des Abwassersystems sein - von einem auf Verdünnung beruhenden System zu einem auf Trennung beruhenden (Wiederverwendungs-)System der verschiedenen Abwasserströme (Grau-/Schwarzwasser, Fäkalschlamm, vorbehandeltes Abwasser usw.). Eine integrierte Behandlung von Klärschlämmen und Organikabfällen ist in Indien bis heute nicht ausreichend erforscht, obwohl diese Option Teil einer Lösung der Abfall- und Abwasserproblematik sein könnte. Bei Betrachtung steigender Energie- und Düngemittelpreise, bei gleichzeitig schnell wachsender Bevölkerung, besitzt Indien große Potentiale für die Integration ressourcenorientierter Abfall- und Abwassersysteme.

Gelingen kann eine Implementierung jedoch nur über den Austausch von Erwartungen, Schaffung sozialer Netzwerke und einen multidimensionalen Lernprozess. Das Aufgreifen dieser Elemente innerhalb des Projektes sowie die Implementierung eines Betreibermodells unterstützen die Transitionsstrategien.

Zusammenfassend werden im Zuge der Bearbeitung auf deutscher Seite folgende Ziele, die sich auch als Teilvorhaben ausdrücken ließen, anvisiert (Federführung in Klammern):

  • Anpassung oder Entwicklung von Transitionskonzepten im indischen Kontext von einer einleitungsbasierten, defizitären zu einer ressourcenorientierten Abwasserbehandlung (BUW, Bauhaus-Institut für zukunftsweisende Infrastruktursysteme - b.is)
  • Nachhaltigkeitsbewertung ausgewählter Lösungen unter Einbeziehung der beteiligten Akteure und multikriterieller Entscheidungsunterstützung (ISOE)
  • Erarbeitung und Evaluierung funktionierender Geschäftsmodelle im Bereich der ressourcenorientierten Abwasserbehandlung (Tilia)