BAUHAU∑100 Das Jubiläumsjahr im Diskurs

Seminar Master A+U/MediaArch. ab 1. FS 4 SWS | 6 ECTS

Lehrender: Dipl.-Ing. Ronny Schüler

„Drei Tage in Weimar, und man kann auf Lebenszeit keine Quadrate mehr sehen.“ Was Paul Westheim als einer der führenden Kunstkritiker nach dem Besuch der 1923er Ausstellung Internationale Architektur in Weimar formuliert, wirkt im Jahr des 100. Gründungsjubiläums präsenter denn je. Gefeiert als „der bedeutendste deutsche Kulturexport im 20. Jahrhundert“ fällt es selbst den Interessiertesten und Ambitioniertesten schwer, angesichts der zahlreichen Konferenzen und Vernissagen, Museumeröffnungen, Festivals und Buchvorstellungen, Re-Enactments, Re-Editionen und Tourentipps den Überblick zu behalten. Um auch jenseits der historischen Wirkungsstätten Weimar, Dessau und Berlin vom allgemeinen Hype — also: vornehmlich von kulturinterssierten und konsumfreudigen Besuchern — zu profitieren, wird das gesamte Neue Bauen unter dem Label „Bauhaus“ subsummiert, und damit auch jene Protagonisten, die nie etwas mit dem Bauhaus zu tun hatten … oder zu tun haben wollten.

Doch welche Themen bestimmten jenseits der pekuniären Interessen der Tourismus-, Immoblien-, Konsum- und Kulturindustrie das Jubliäumsjahr? Werden in der Rückschau die gnadenlose Kritik am Weimarer Museumsneubau oder die im Zuge der Me-too-Debatte (wieder-)entdeckten „Bauhausfrauen“ die Wahrnehmung bestimmend sein? Werden sich vor dem Hintergrund von Flucht und Vertreibung der re-konstruierten Narrativ eines vermeintlichen „Bauhauserbes“ in Tel Aviv festsetzen oder mit Blick auf den allgemeinen „Mietenwahnsinn“ die Experimente zum sozialen Wohnungsbau als anschlussfähig erweisen?

Im Rahmen der Veranstaltung sollten zentrale Themen des Jubiläumsjahres thematisiert, analysiert und einer kritischen Reflexion unterworfen werden. Das Spannungsfeld bilden Untersuchungen zum historischen Bauhaus einerseits und zum gegenwärtige Rezeptionsbedürfnis anderseits. Zugrunde gelegt wird die These, dass die Institution Bauhaus seit der erzwungenen Schließung 1933 als ein Phänomen der Rezeption zu begreifen ist, dass sich in Abhängigkeit vom jeweiligen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Kontext wandelte.

Das Seminar ist als partizipative Veranstaltung im Sinne eines „forschenden Lernens“ konzipiert. Erwartet wird ein hohes Maß an Initiative und Selbständigkeit.

Leistungsnachweis:

-   regelmäßige und aktive Teilnahme an den Seminarsitzunge
-   Erarbeitung einer wissenschaftlichen Seminararbeit

Organisatorisches

Beginn:  21. Oktober 2019
Termin:  montags, 09.15 - 12.30 Uhr
Ort:       HG, R. 105