Besetzte Häuser in Berlin - Was bleibt?

Seminar im Rahmen des Bauhaus-Moduls und Begleitseminar für Kernmodul Prof. v. Beckerath | Bachelor ab 3. FS + Master ab 1. FS aller Fakultäten 2/4 SWS | 3/6 ECTS

Lehrende: Dr. Ulrike Kuch, Kirsten Angermann

Hausbesetzungen und die damit verbundenen Subkulturen sind eine wesentliche Facette der Identität der Stadt Berlin. Seit den 1970er Jahren etablierte sich die Besetzung von Gebäuden als Protestform gegen Wohnungsnot und die Entmietung von Altbaukiezen. Einige besetzte Häuser wurden durch Duldung, Mietverträge oder Verkauf letztlich legalisiert, viele andere wurden und werden geräumt. 

Gerade in den vergangenen Jahren verschwanden auf diese Weise Stück für Stück Gebäude, Räume und damit auch Milieus, die zum Image der Stadt Berlin gehören („arm, aber sexy“) und auf denen der Erfolg der Hauptstadt beruht. Die Gebäude selbst jedoch bleiben und werden weiterhin genutzt. In Bezug auf die Besetzungsgeschichte steht jedoch die Frage: Was bleibt?

Einige ehemals besetzte und legalisierte ex-besetzte Häuser sind eingetragene Denkmale. Viele wurden gar erst durch diese "Instandbesetzungen" vor dem Abriss bewahrt. Gleichwohl spielen die Besetzungen und ihre materiellen Spuren selten eine Rolle für die Denkmalbegründung. Und auch die unterschiedlichen Formen der Aneignung der Häuser und ihrer architektonischen Substanz durch verschiedene Nutzer*innengruppen über einen längeren Zeitraum sind kaum erforscht. 

Im Seminar widmen wir uns daher der zentralen Fragestellung „Was bleibt von Hausbesetzungen und besetzten Häusern?“ und erörtern an Fallbeispielen aus den Jahren 1970–1999 folgende weitere Fragen: 

- Welchen Einfluss haben und hatten Unterschutzstellungen von besetzten Häusern als Denkmale auf deren Erhaltung? 

- Welche Rolle spielt die Besetzung in den Denkmalbegründungen? 

- Welche Rolle spielt der Substanzerhalt, d.h. welche materiellen Zeugnisse existieren und wie lassen sie sich erhalten?- Welche Prozesse der Aneignung der Häuser und Wohnungen gibt es? 

- Welche Rolle spielt der zeitliche Kontext für die Aneignungen?

- Welche Erkenntnisse lassen sich aus den Aneignungen für das Entwerfen einer prozesshaften Architektur gewinnen?

- Wer sind Akteur*innen im Diskurs um das Erbe von Besetzungen?

Das Seminar wird im Rahmen des Fellowships Forschungswerkstatt "Was bleibt? Besetzte Häuser als (im)materielles Erbe und Case Studies für prozesshaftes Entwerfen" mit zwei Kooperationspartnern in Berlin durchgeführt: dem Landesdenkmalamt Berlin sowie dem Archiv für Jugendkulturen Berlin. 

Einführungen in das Thema und die spezifischen Fragestellungen aus den Themenfeldern Architekturtheorie, Denkmalpflege und Aktivismus folgen ein Workshop mit Zeitzeug*innen und Expert*innen in Berlin sowie eine praktische Phase der Dokumentation und Analyse der Geschichte(n), Spuren und Möglichkeiten der Erhaltung an konkreten Fallbeispielen in Berlin. 

Die Ergebnisse sollen dokumentiert werden. Mögliche Präsentationsformen, die im Verlauf des Semesters diskutiert und erprobt werden, sind neben konventionelleren Formaten wie schriftlichen Dokumentationen und Ausstellungen auch die Herstellung eines Zines, welches die Rechercheergebnisse in geeigneter Form auch in die aktivistischen Kreise zurückspiegeln kann.

Eine Literaturliste wird zu Beginn des Semesters ausgegeben.

Die Unterrichtssprache ist Deutsch. Abgaben können auch auf Englisch eingereicht werden.






Organisatorisches

Start: 12.04.23
Zeit:   mittwochs, 09:15 Uhr
Ort:    Marienstr. 9, R. 103