11. Internationales Bauhaus-Kolloquium 2009 - Call for Papers

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    Weimar, 01. – 04. April 2009

    Architecture in the Age of Empire | Die Architektur der neuen Weltordung

    19.-22. April 2007

    Eine kopflose Macht hat den Imperialismus abgelöst, wenn wir Michael Hardt und Antonio Negri Glauben schenken. Diese neue Weltordnung, die sie als 'Empire' be­zeich­nen, überschreitet alle althergebrachten Grenzen des politischen Denkens, wie Staat und Gesellschaft, Krieg und Frieden, Zentrum und Peripherie. Es ist ein diffuses fou­cault'sches Netzwerk ökonomischer, militärischer, politischer, kultureller und sozialer Macht, in “permanentem Ausnahmezustand, [...] unter Berufung auf essenzielle Gerechtig­keits­werte.” Das dezentrierte und de-territorialisierende Empire regiert durch Biopolitik, eine Form der Machtaus­übung, die das soziale Leben von Innen reguliert, indem es über Medien, Maschinen und soziale Praktiken direkt in das Denken und den Organismus des Bürgers eingreift.

    Das 11. Internationale Bauhaus-Kolloquium Weimar im April 2009 steht unter der Fragestellung, wie die heutige Architektur auf diese Situation reagiert. Das Bauhaus-Kolloquium ist die älteste und bekannteste regelmäßig stattfindende Konferenz im Bereich Architekturtheorie im deutschsprachigen Raum. Die letzten fünf Treffen – Macht (1993), Technofiction (1996), Global Village (1999), Medium Architektur (2003) und Die Realität des Imaginären (2007) – konzentrierten sich auf die Auswirkungen veränderter sozialer und technischer Bedingungen auf die Praxis der Architektur. Das nächste Kolloquium wird sich mit den politischen Herausforderungen unserer Welt befassen.

    In der globalisierten Welt von heute bekommen Star-Architekten ihre spektakulärsten Aufträge von Staaten und Herrschern, die keine demokratischen Kommitees oder Planungsregeln berücksichtigen müssen. „Je zentralisierter die Macht, desto weniger Kompromisse müssen in der Architektur gemacht werden“, erklärt Peter Eisenman. Unpassenderweise floriert also die progressive Architektur besonders in Staaten mit repressiven Regimes und Fragezeichen im Bereich der Menschenrechte.

    Dennoch neigen zeitgenössische Architekturkritiker dazu, ökonomische, politische, soziale und ethische Gesichtspunkte, die jegliche globale architektonische Praxis durchdringen, zu ignorieren, und sich statt dessen auf die ästhetischen Aspekte des Entwurfes, wie Ornament, Atmosphäre und Stimmungen, zu konzentrieren. Sie lehnen offen jede moralische Verantwortung ab und verneinen jede Möglichkeit des Widerstandes gegenüber ökonomischer oder politischer Macht.

    Selbstverständlich ist dies keine neue Haltung. In den frühen 20er Jahren deklarierte Walter Gropius, der erkannt hatte, dass die Zeit der kritischen, expressionistischen Praxis vorüber war, was gebraucht werde, sei „entschlossene Bejahung“ der neuen Bedingungen, und Ludwig Mies van der Rohe verlangte: „wir wollen die veränderten wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse als eine Tatsache hinnehmen. Alle diese Dinge gehen ihren schicksalhaften und wertblinden Gang.“

    Sicherlich kann Theorie als Ideologie fungieren, aber kann sie auch eine konstruktivere, projektive Rolle der Einflussnahme auf zukünftige Praxis übernehmen? Dies ist eine der Fragen, die das 11. Bauhaus-Kolloquium 2009 untersuchen wird.


    Neben etwa 20 geladenen Vorträgen werden im Rahmen der Workshops, einer Plattform zur lebhaften Diskussion zwischen Nachwuchswissenschaftlern und etablierten Experten, jeweils vier bis sechs Kurzvorträge diskutiert. Die Themenschwerpunkte der Workshops sind im Folgenden beschrieben:

    1. Architektur und Ökonomie – eine neue Einheit?

    Wenngleich das Bauhaus 1919 im Geist des utopischen Expressionismus gegründet worden war, assoziieren die meisten Leute heute die Schule mit jenem rationalistischen Funktionalismus, dessen Entstehung von der großen Ausstellung 1923 in Weimar eingeläutet wurde. Dieser Workshop beschäftigt sich mit jenem bedeutsamen Jahr des Paradigmenwechsels, seit dem das Bauhaus die neue Einheit von Kunst und Technik propagierte. Welche politischen, ökonomischen und sozialen Faktoren trugen zu diesem Abschied vom Expressionismus und zur Geburt des funktionalistischen Bauhaus bei?

    Von der Geschichte der Moderne abstrahierend – was ist es, das die Evolution der Architektur kontrolliert? Hatte Sigfried Giedion recht, als er die Eisenkonstruktion als das Unterbewusste der modernen Architektur bezeichnete? Oder entscheidet eher die Politik denn die Technologie darüber, wohin sich die Architektur bewegt? Müssen wir Patrik Schumacher recht geben, wenn er behauptet, die Evolution der Architektur sei autonom, wenn nicht gar autopoietisch?

    2. Eine Junkspace Odyssee

    Können Architekten unter den gegebenen Faktoren, die die Entwicklung der Architektur beeinflussen, eine Position der Autonomie behaupten, die eine kritische Haltung ermöglicht, oder ist Architektur notwendigerweise konservativ, wie Rem Koolhaas, einer der 'globalsten' Architekten der Welt, suggeriert?

    Der Effekt der Globalisierung in der Architekturproduktion liegt auf der Hand: Große Büros agieren global und koordinieren Netzwerke von Planern, Beratern und Experten, die zunehmend komplexe Aufgaben bearbeiten. Aber welchen Effekt hat die Globalisierung auf die Architektur selbst? Rem Koolhaas sagt, die New Economy vermehre Junkspace, und bevorzuge Marken sowie Ereignisse. Tatsächlich versuchen Architekten nun andauernd, den Turm neu zu erfinden, um jeweils ein unvergessliches Monument, statt des modernistischen Wolkenkratzers mit seinem typischen Grundriss, zu erschaffen. Während die flexible, multi-kulturelle Ästhetik des 'Empire' scheinbar das revolutionäre Potential der Globalisierung deaktiviert, verbleibt eine Chance, dass die Tradition hybrider Identitäten und sich weitender Grenzen, die das Empire charakterisieren, gleichermaßen zum Entstehen architektonischer Vielfalt beiträgt. Trägt die zunehmende Bedeutung immaterieller Arbeit, so wie im Design, in Wirtschaftssektoren mit breiteren Gewinnmargen ebenfalls zur Stärkung subversiver Kräfte bei? Was charakterisiert, jenseits ästhetischer Homogenisierung, die globalen Städte der Zukunft?

    3. Sinn oder Sinnlichkeit?

    Wenn Architektur als Form der Kulturkritik machtlos ist, wohin gehört sie dann, und was sind Ihre Werkzeuge? Jüngere Kritiker haben eine neue Haltung als 'Projektive Praxis' beschrieben, welche sich der Kulturkritik nach dem Stil der traditionellen Avantgarde enthält, um stattdessen eine Ethik des Instrumentellen und eine Ästhetik der Atmosphären zu befürworten.

    Den Faden dort aufnehmend, wo Nietzsche ihn in seinem Kampf gegen den Geist der Schwerkraft fallen ließ, sagt Peter Sloterdijk, heute sei “das Essenzielle in der Leichtig­keit, der Luft, der Atmosphäre zuhause.” Der Begriff der Atmosphäre ist auch für die 'Projektive Praxis' zentral: Er stellt ein nicht-dialektisches Werkzeug zum Aufrechterhalten einer bestimmten Stimmung dar.

    Stimmung, Atmosphäre und Ornament, sind de-signifizierende Quellen visueller Freude oder Jouissance, die im Kontrast zur Idee der Bedeutung, einer Obsession der Postmoderne, stehen. Generell konzentriert sich die Theorie der projektiven Praxis auf emotionale Effekte, den öffentlichen Raum als Dramaturgie, und die Ästhetisierung des täglichen Lebens im Sinne von Walter Benjamin. Ein anderes Thema Benjamins neu formulierend, erklärt Jeff Kipnis, Architektur mache das Leben bunt, so wie ein Soundtrack unser Erleben eines Filmes färbt.

    Wie wichtig ist das Thema Ästhetik für die Diskussion gebauter Umwelt, und zu welchem Grade sollten wir die Produktion von Architektur als Organisation sozialer Beziehungen ansehen, statt als künstlerische oder ästhetische Praxis?

    4. Der geniale Entwurf

    Wenn Architektur sich verbalen Beschreibungen entzieht, weil sie mit Atmosphären, Hintergründen und anderem nicht-signifizierenden Vokabular operiert, wie kann dann das genuin architektonische als expertise, design intelligence, oder Architektonisches Wissen begriffen, kartiert, oder im Diagramm repräsentiert werden? Lässt sich derlei Expertise vermitteln, oder muss sie nonverbal, implizit, oder gar versteckt bleiben? Wenn dieses Wissen strategisch ist, welchem höheren Ziel dient es letztendlich? Mit welcher Macht verbindet sich das spezifisch architektonische Wissen? Wie gibt man derlei Expertise im Rahmen der Ausbildung weiter, und wie sollte sie angesichts der aktuellen technologischen und ökonomischen Entwicklungen modifiziert werden?

    Lässt sich architektonisches Wissen als Open-Source-System entwickeln? Oder hatte Pierre Bourdieu recht, als er sagte, Architekten besäßen (jenseits der technischen Angelegenheiten) keinerlei kognitive Expertise, und das angebliche spezifisch architektonische Wissen sei lediglich die notwendigerweise antagonistische Distinktionsstrategie kleiner Subkulturen?

    Beinhaltet architektonisches Wissen notwendigerweise lokales Wissen? Wenn ja – ist es überhaupt möglich, architektonische Expertise global zu exportieren?

    Antwort bis zum 15. Januar 2009

    Mehr Information über Vorträge und Präsentationen finden Sie auf www.bauhaus-kolloquium.de. Um sich für eine Präsentation zu bewerben, senden Sie bitte eine Kurzfassung von max. 300 Worten, zusammen mit einem kurzen Lebenslauf, bis zum 15. Januar 2009 an bauhaus-kolloquium[at]uni-weimar.de .

    Workshop-Leiter / Workshop Tutors

    M. Christine Boyer Princeton University
    Jane Rendell The Bartlett School of Architecture
    Richard Shusterman Florida Atlantic University
    Michael Speaks University of Kentucky
    Karin Wilhelm TU Braunschweig

    Im Rahmen der Workshops, die von ausgesuchten Wissenschaftlern moderiert werden, werden in Kurzvorträgen von jeweils 20 minuten ca. sechs junge KollegInnen ihre Thesen zur Diskussion stellen, gefolgt von einer Diskussion der Runde.

     

    The Bauhaus-Colloquium wishes to create a lively debate between distinguished Experts and emerging scholars.

    The Workshops consist of six peer-reviewed paper presentations of 20 minutes each, by young scholars and Ph.D. candidates , followed by a moderated discussion.

     

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