Prof. Dr.-Ing. habil. Klaus-Jürgen Winkler

Nachruf

Am 12. Februar 2011 verstarb unerwartet Prof. Dr. Klaus-Jürgen Winkler im Alter von 67 Jahren. Mit ihm verliert die Bauhaus-Universität Weimar einen anerkannten Wissenschaftler, der durch seine Lehr- und Forschungstätigkeit, besonders über die Geschichte des Bauhauses, Wesentliches zum internationalen Ansehen der Universität beigetragen hat.

Nach dem Abitur in Gera und einem praktischen Jahr als Tiefbauarbeiter begann Klaus-Jürgen Winkler 1962 ein Architekturstudium an der Hochschule für Architektur und Bauwesen (HAB) Weimar. Er wurde als ruhiger und ausgeglichener Student geschätzt. Für seine Diplomarbeit, ein Flughafen für Rostock, erhielt er 1968 das Prädikat sehr gut. Die wissenschaftliche Karriere von Klaus-Jürgen Winkler begann im gleichen Jahr mit einer Aspirantur in der Arbeitsgruppe Produktionsbauten. 1973 promovierte er mit summa cum laude zur ‚Theorie und Methodik des architektonischen Entwerfens’. Seine Dissertation untersuchte aus methodologischer Sicht den Einfluss der Systematischen Heuristik auf die Entwicklung eines Systems der automatischen Projektierung. Folgerichtig ging Klaus-Jürgen Winkler danach an das Wohnungsbaukombinat (WBK) Erfurt. Er bearbeitete Informationskataloge und führte Untersuchungen zur Einsatzvorbereitung neuer Technik durch. In diese Zeit fielen auch die Publikation von Analysen gesellschaftlicher Zentren in Erfurter Wohngebieten sowie die Mitarbeit an der Projektierung des Wohngebietszentrums Roter Berg und an der Bebauung am westlichen Juri-Gagarin-Ring in Erfurt.

Obwohl die Tätigkeit am WBK Erfurt seinen Neigungen entsprach, folgte Klaus-Jürgen Winkler einer Einladung der HAB Weimar zur Mitarbeit an der nun langfristig angelegten Forschung zur Geschichte des Bauhauses. Anfang 1976 wurde er als Oberassistent am Wissenschaftsbereich Theorie und Geschichte der Architektur mit einer Ausstellung zur Geschichte des Dessauer Bauhausgebäudes beauftragt. Der wissenschaftliche Werdegang von Klaus-Jürgen Winkler war fortan eng verknüpft mit der staatlich etablierten Bauhausforschung in der DDR und mit den Internationalen Bauhaus-Kolloquien, für die er zahlreiche Konzeptionen verfasste und Ausstellungen realisierte.

Die Veröffentlichung der Schriften, Briefe und Projekte des zweiten Bauhaus-Direktors Hannes Meyer im Jahre 1980 machte Klaus-Jürgen Winkler auch international bekannt. Mit dem Fundus-Buch ‚Bauen und Gesellschaft’ gelang ihm nicht nur der Anschluss an die internationale Bauhaus-Forschung sondern auch der Entwurf eines eigenständigen Geschichtsbildes vom Bauhaus. Über die Witwe, Frau Lena Meyer-Bergner, eröffnete sich die Möglichkeit für weiterführende Untersuchungen zu Leben und Werk Meyers. Diese Forschung schloss Klaus-Jürgen Winkler 1988 mit der Habilitation ab, der 1989 die Berufung zum Hochschuldozenten für das Fachgebiet Geschichte der Architektur folgte.

Nach der politischen Wende wechselte Klaus-Jürgen Winkler 1992 an die Fakultät Gestaltung. Er begann sich verstärkt mit der Hochschulgeschichte zu beschäftigen. Die Dokumentensammlung der ‚Weimarer Konzepte’ ist bis heute das Standardwerk zur wechselvollen Entwicklung der Weimarer Kunst- und Bauhochschulen geblieben. Seine Rückkehr an die Fakultät Architektur als Privatdozent im Jahre 1995 sorgte für die nötige Kontinuität und die fachliche Solidität im Fach Baugeschichte und wurde im Jahre 2006 mit der Verleihung einer außerplanmäßigen Professur gewürdigt. Vom Engagement und der Ernsthaftigkeit seiner Lehre erzählt die Anekdote, dass er über Jahre hinweg die Baugeschichtsvorlesungen doppelt gehalten hat, nur damit die Studierenden in einem kleineren Hörsaal die Bilder besser erkennen und damit den Stoff besser verstehen konnten.

Die, wie wir jetzt wissen, letzten Jahre seiner Forschertätigkeit waren ganz dem Bauhaus gewidmet, dessen Ideen er sich auch emotional immer stärker näherte. Die Rekonstruktion des Gropius-Zimmers und deren Publikation sowie die Herausgabe der akribisch recherchierten Bauhaus-Alben von 1923 sind wissenschaftliche Leistungen, die für immer mit seinem Namen verbunden sein werden. Mit der gleichen Hingabe arbeitete er bis unmittelbar vor seinem Tod an der Herausgabe der Festschrift zum 150. Gründungsjubiläum der Bauhaus-Universität mit. Der 2. Teil, der nun postum erscheinen wird, kann auch als ein Vermächtnis von Klaus-Jürgen Winkler gesehen werden.

 

Weimar, im Februar 2011