Bild und Raum

10. Internationales Bauhaus-Kolloquium • Weimar 2007

Call for Papers

Workshop 1

Prof. Dr. Lambert Wiesing (Universität Jena)
Assistentin: Dr. Sabine Zierold

Zwischen Architektur und Bild besteht eine grundlegende Verwandtschaft: Mittels der Architektur und mittels Bilder werden wohl nicht in gleicher Weise, aber doch gleichermaßen Räume geschaffen. So wie die Architektur sichtbare und begehbare Räume schafft, so werden auch im Bild Räume sichtbar, die in den digitalen Medien sogar virtuell begehbar sind. Aufbauend auf dieser Beobachtung nimmt sich der Workshop Bild und Raum zum Ziel, die Interferenzen zwischen Bild und Raum auszuloten. Im weiten Feld der Architekturtheorie, Kultur- und Mediengeschichte sowie der Raum- und Bildtheorie soll die Frage nach den Wechselwirkungen, Analogien und Unterschieden zwischen den architektonisch und bildlich konstruierten Räumen gestellt werden. Dabei soll in historischer wie auch systematischer Vertiefung nach dem Einfluss der digitalen Bildmedien auf den architektonischen Raum gefragt werden, wie auch umgekehrt nach den unterschiedlichen Formen der Verräumlichung in den verschiedenen Bildmedien. Welche Rolle spielen zum Beispiel die Simulationsbilder oder die Phänomene von „augmented reality“ in der räumlichen, architektonischen Praxis. Halten denn nicht mit den Navigationssystemen und Computerspielen, die mittels Datenbrille oder Handy ein Spielen in und mit dem Außenraum möglich machen, immer mehr räumlichbildliche Mischformen Einzug in die alltägliche Lebenswelt?

Trotzdem handelt es sich keineswegs um völlig neue Phänomene. Die mannigfaltigen Durchdringungsformen von Raum und Bild setzen ja historisch schon weit früher ein. Beginnend vielleicht mit den narrativen Bildprogrammen der gotischen Kathedralen – über die Techniken perspektivischer Verkürzung der Renaissance und des trompe l’oeil des barocken Bild-Raum-Kontinuums, über den euklidisch unendlichen Raum der modernen Bandstadt und die Diskontinuität des dekonstruktivistisch fragmentierten, allegorischen Raums – ist die Verschränkung des illusionistischen Raumes mit dem Realraum ein konstantes Thema der bildnerischen wie auch architektonischen Praxis.

Erwartet werden sowohl exemplarische Beiträge zur konkreten Verknüpfung von Raum und Bild, wie auch eher philosophische Grundlagenreflexionen über die prinzipiellen Möglichkeiten einer Verbindung zwischen gebautem und gezeigtem Raum.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an: sabine.zierold[at]archit.uni-weimar.de