ZukunftsLAND Seltenrain

Region Seltenrain, Foto: Thomas Müller

Projektmodul - Entwurf M.Sc.A., 5.KM B.Sc. Arch/B.Sc.Urb (5./7.FS) | Prof. Dr.-Ing. Sigrun Langner, M.Sc. (ir.) Jonas Langbein, M.Eng. Pia Müller| 12ECTS | 8SWS

Thüringen ist ein Flächenland. Es hat keine wirklichen Metropolen und zeigt eine kleinteilige, dezentrale Siedlungsstruktur. Nicht die Großstadt ist das Thema, sondern die Zukunft des weiten Landes, und damit die Zukunft einer Kleinstadt oder ländlichen Gemeinde.

In der öffentlichen Wahrnehmung wird der ländliche Raum vielmals mit Bildern des Abgehängten und Zurückgebliebenen verbunden. Die Rede ist von „sterbenden Dörfern“, Überalterung und Wegzug. Nach über zwei Jahren Pandemie erscheint „das“ Dorf für einige allerdings auch wieder als erstrebenswerte Sozial- und Lebensform: individueller Freiraum, geringere Mieten, soziale Nähe und überschaubare Nachbarschaften, Möglichkeiten des digitalen Arbeitens, die eine gewissen Freiheit von einem festen Arbeitsort in der Stadt bedeuten können. Nichtsdestotrotz steht der ländliche Raum weiterhin vor vielen Herausforderungen: Mobilitätsfragen, Fragen der gesicherten Gesundheitsversorgung und Erreichbarkeit von Bildungsangeboten sind wesentliche Kriterien bei der Frage: „Bleiben oder Gehen?“ oder sogar „Kommen?“. Darüber hinaus spielen die räumlichen Qualitäten ein zwar vielmals unterbewusstes, aber wesentliches Kriterium bei der Einschätzung der Lebensqualität.   Das idealisierte Bild des „idyllischen Ländlichen“ stimmt dabei immer seltener mit dem vorgefundenen überein. Rurale Landschaften stehen vor dem Hintergrund von Energiewende, Intensivierung der Landwirtschaft und Klimawandel unter einem starken Transformationsdruck.

Doch was bedeutet „gutes Leben“ auf dem Land eigentlich? Wie können sich Orte in ländlichen Gebieten besser miteinander vernetzen und so für eine bessere soziale Versorgung garantieren? Und wie unterstützt die räumliche Gestaltung neue soziale Angebote? Wie wird man gut alt, wenn alle anderen auch älter werden?

Die IBA Thüringen und der Landengel e.V. haben eine ortsübergreifende Plattform mit zahlreichen Partnern aufgebaut, die ein Gesundheits-, Pflege- und Versorgungsnetzwerk in der Region Seltenrain entwickelt. Ein Landzentrum und Gesundheitskioske in den umliegenden Gemeinden sind teilweise schon umgesetzt und dienen zur räumlichen Verankerung der Ziele. Die Region Seltenrain wird damit zum Modellraum für die Vorsorge auf dem Land durch den gezeigt werden soll, dass in Zeiten des demografischen Wandels gute Angebote für mehr Lebensqualität auch abseits der Stadt mit der Hilfe engagierter Akteure möglich sind (mehr Infos hier...).

Der städtebaulich-landschaftsplanerische Entwurf an der Professur Landschaftsarchitektur/ -planung thematisiert, die räumlich-gestalterische Perspektive auf die Herausbildung sozialer Orte, kooperativer und gemeinwohlorientierter Strukturen (verbunden mit Themen der Daseinsvorsorge und Mobilitätswende sowie Themen der Klimaanpassung) in rurale Landschafts- und Siedlungsräumen. Wir wollen eine lebenswerte Zukunft auf dem Land am Beispiel der Region Seltenrain in Thüringen über entwurfliche Ansätze diskutieren. Die Dorfregion mit ihren 7 Ortschaften Kirchheilingen, Sundhausen, Bruchstedt, Urleben, Tottleben, Klettstedt und Blankenburg werden in den Fokus genommen.  Ausgehend von der regionalen Vernetzung der Dörfer untereinander, der Einbettung in die Landschafts- und Freiraumsysteme und die Bedeutung von öffentlichen und zugänglichen (Landschafts-)Räumen, sollen Visionen für ein gutes Leben auf dem Land entwickelt werden.

Ziel ist es einen ganzheitlichen Blick auf den ländlichen Raum zu werfen. Es geht darum, Szenarien und Impulse zu erarbeiten, welche identitätsstiftend für die gesamte Region Seltenrain, partizipativ und sozial innovativ fördernd für die Gemeinschaft sind aber auch langfristig wirksame Revitalisierungen in ländlichen Umgebungen zulassen. Die Schaffung neuer gemeinwohlorientierter Strukturen in Kombination von Baukultur, dem Erhalt lebenswerter Ortschaften und der Entwicklung prägnanter und identitätsstiftender Kulturlandschaften sollen an einem selbst gewählten Vertiefungsbereich fokussiert und in eine räumlich-gestalterische Form überführt werden. Das Herstellen lokaler Bezüge, sowie die Identifizierung der spezifischen Bedürfnisse der Akteure vor Ort sind zu betrachten. Regionale Wertschöpfung, kooperative soziale Vorsorge und eine zukunftsfähige Baukultur mit Angeboten der Daseinsvorsorge sind eine wesentliche Voraussetzung für die Zukunft und Lebensqualität in den ländlichen Räumen.


Termin:

Donnerstags 9:15 – 17:00, tba

Begleitseminar:

„Nicht in der Stadt - Stress auf dem Land?“ - Professur Stadt Raum Entwerfen, Jun.-Prof. Dorothee Rummel