2017 - Das Traumschüff

Einleitung: Stell dir vor, du sitzt am Ufer und vor dir schwimmt ein Theater: Das Traumschüff. Ein Transportmittel, das Träume zwischen Stadt und Land hin- und herbefördern soll - Ein Theater im Fluss. Das Traumschüff macht das Floß zur Bühne. Mobil und ohne festen Standort erreicht es Orte, an die sonst kein Theater kommt. Es soll mehr als nur unterhalten. Es soll eine Gelegenheit bieten, sich zu treffen und miteinander ins Gespräch zu kommen – vor, während und nach den Vorstellungen. Um sich gemeinsam mit Fragen auseinander zu setzen, die die Zuschauer und die Schauspieler beschäftigen.

Die Aufgabe: Ziel des Projekts war die Realisierung einer tatsächlich schwimmenden Bühne mit Wohneinheit für ein Schauspielensemble. Schwerpunkte sind der konstruktive Leichtbau, das flexible Tragwerk und die modulare Vorfertigung. Das Traumschüff soll ein beweglicher Unterhaltungsraum im Freien werden. Es ist eine Spielstätte für auf dem Wasser fahrende Gaukler und erreicht Orte, an die sonst vielleicht kein Theater kommen würde. Es soll mehr als nur unterhalten. Es soll eine Gelegenheit bieten, sich zu treffen und miteinander ins Gespräch zu kommen – vor, während und nach den Vorstellungen.

Der Entwurf: Im Rahmen eines studentischen Wettbewerbs wurde das „Schiebeschüff“ als Siegerentwurf gekührt, da es dem Schauspielkollektiv nicht nur eine großzügige Unterkunft sondern auch eine sehr flexible Bühne bietet. Das Herz des Schauspielraums bildet eine tatsächliche Bühne in der Mitte des Traumschüffs. Sie hebt die Schauspieler etwas in die Höhe und ist gleichzeitig ein großzügiger Stauraum für alles Notwendige. Zwei Kubaturen rahmen diese Situation in Richtung Bug und Heck. Die vordere Box nimmt eine Küchenzeile, Navigationsraum und WC auf. Das hintere Volumen wird von zwei Schlafkabinen und einem zentralen Wohnraum gebildet, der sich in Richtung Bühne erweitern lässt. Auf diese Weise können problemlos weit mehr als 10 Personen Platz finden. Durch das überspannende Dach bildet sich ein Bühnenraum, der von allen Orten des Traumschüffs leicht erreichbar ist. Verschiedene Bühnenbilder können mithilfe von großflächigen Schiebeelementen und Vorhängen einfach erzeugt werden. Die Türen sind beispielsweise transluzent und lassen so unterschiedliche Sichtbarkeiten zu. Ein geschlossener Raum kann ebenso dargestellt werden wie eine gänzlich offene Landschaft. Die Kubatur ist so gestaltet, dass die Schauspieler das gesamte Schiff durchlaufen können und auch das Dach mithilfe zweier passgenauer Leitern problemlos erreichen.

Die Konstruktion: Auf einer schwimmenden Plattform mit den Maßen 12 x 4,5 Metern wurden die zwei Kuben montiert. Diese bestehen aus einer Holzständerkonstruktion, welche mit einer Holzfassade beplankt ist. Die Schlafbereiche erhalten eine hinterlüftete Fassade aus einer weißen Membran, um ein gutes Klima im Inneren zu erzeugen. Diese kann zusätzlich auch für Bildprojektionen genutzt werden. Zwei große Träger verlaufen längseitig über das gesamte Schiff und tragen die begehbare Dachfläche. Ihre rippenartige Struktur ist jederzeit ablesbar und bietet viele Möglichkeiten der Gestaltung und Dekoration.

Die Nutzung: Die obere Konstruktion des Traumschüffs wurde mit der Premiere des Stücks „Bibergeil“ auf dem Campus der Bauhaus-Universität Weimar eingeweiht. Anschließend wurde sie von den Studierenden nach Havelberg verbracht und dort auf einer schwimmenden Plattform montiert. Die Schiffstaufe erfolgte am 29. Juli 2017. Seitdem fährt die Traumschüff-Genossenschaft über die Havel und legt an vielen Orten an, um den Bewohnern ihr Schauspiel darzubieten. Sämtliche bisherige Aufführung sind sehr erfolgreich verlaufen und die örtliche Presse verfolgt das Projekt mit großem Interesse.

Förderer: Gefördert wurde das Projekt vom Kreativfonds der Bauhaus-Universität Weimar, aus dessen Mitteln die ein Teil der Baumaterialien beschafft wurden. Wir danken außerdem der Firma Low & Bonar für ihre großzügige Materialspende.

Kooperation: Das Projekt entstand durch eine Kooperation der ersten deutschen Theatergenossenschaft und der Professur Entwerfen und Tragwerkskonstruktion der Bauhaus-Universität Weimar unter der Leitung von Prof. Rainer Gumpp und seinen Mitarbeitern Stephan Schütz und Marcel Ebert.

Projektleitung: Prof. Rainer Gumpp, Stephan Schütz, Marcel Ebert

Tutoren: Katharina Wittke

Studentisches Team: Andreas Brall, Marie-Luise Budszuhn, Magdalena Falterer, Anna Gherardi, Felix Hake, Miriam Hiltner, Toni Kunau, Jae-Young Lee, Paul Johann Magnus, Thuy Duong Phan, Iga Reichel, Janna Schmidt, Ömer Türkmen, Jakob Tvseynki, Ben Weiser

Mitwirkende der Theatergenossenschaft: David Schellenberg, Hanna Legleitner, Myriam Oosterkamp, Juliane Baruck, Nikola Schmidt, Rebekka Hock, Jana Grubert, Jakob Plutte, Dorothea Lautenschläger, Lucia Eifler, Richard Schentke, Caroline Galvis, Hanna Nickel, Anna-Sophie Friedmann, Oliver Seidel, Ariane Schellenberg

Das Traumschüff auf dem Universitätscampus
Das Traumschüff auf dem Universitätscampus
Das Traumschüff auf dem Universitätscampus
Das Traumschüff auf dem Universitätscampus
Der Innenraum
Der Innenraum
Der Innenraum
Der Innenraum
Die Eröffnungsvorstellung
Die Eröffnungsvorstellung
Die Eröffnungsvorstellung
Die Eröffnungsvorstellung
Wasserlassung in Havelberg
Wasserlassung in Havelberg
Die Schiffstaufe
Die Schiffstaufe
Die Premiere in Havelberg
Die Premiere in Havelberg
Aufführung in Pritzerbe
Aufführung in Pritzerbe
Der Liegeplatz in Werder
Der Liegeplatz in Werder
Impression von Deck
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