2016 - Die mobile Immobilie

Die Aufgabe: Für einen Landschaftsmaler ist die langfristige Auseinandersetzung mit der ihm umgebenden Natur eine wichtige Grundlage seiner Arbeit. Zu entwerfen ist ein  multifunktionaler Arbeits- und Wohnraum, mit dem sich der Künstler flexibel zu seinen Sujets bewegen kann und örtlich ungebunden ist. Innerhalb eines Semesters ist das Konzept dieser mobilen Immobilie zu entwickeln, zu detaillieren und umzusetzen.

Der Entwurf: Zwei zurückhaltend gestaltete Kuben bilden einen künstlerischen Allraum, dessen Volumen mithilfe einer Teleskopmechanik um 50% vergrößert werden kann. Der Zwischenbereich wird von einer parametrisch berechneten Membranfläche überspannt und bildet eine großzügige  Eingangssituation, die gleichzeitig als Terrasse dient. Beide Innenräume sind als „white boxes“ konzipiert und bieten dem Maler ausreichend Platz zum Arbeiten und Leben. Bündig eingelassene Regalwände bieten Stauraum und nehmen ein Bett, notwendige Küchenutensilien und bewegliche Rollmöbel auf. Diese Möbel können frei in der gesamten Behausung bewegt werden. 

Die Konstruktion: Die identischen Kuben sind in Holz-Sandwichbauweise konzipiert und dadurch leicht zu montieren. Die Fassade besteht aus filmbeschichteten Siebdruckplatten, welche dem Projekt eine einheitliche Farbgebung verleihen. Zwei Teleskopauszüge stellen die Beweglichkeit sicher und sorgen für eine hohe Flexibilität durch die reversible Verbindung mit dem Fahrgestell. Sämtliche Einbauten sind entsprechend der Entwürfe der Studierenden aus gefalteten Wabenplatten gefertigt und bieten durch ihre Rasterung eine hohe Flexibilität und Wandelbarkeit. 

Die Nutzung: Dem Künstler stehen zwei unterschiedliche Konfigurationen der mobilen Immobilie zur Verfügung. Während der künstlerischen Schaffensphase sind sämtliche Einbauten eingeklappt und zurückgefahren. Dann bietet der weiße Innenraum dem Maler einerseits eine zurückhaltende Arbeitsumgebung und andererseits einen praktikablen Ausstellungsraum für seine Werke. In der restlichen Zeit verwandelt sich dieser Raum in einen vollwertigen Wohn- und Schlafbereich.

Das Statement: Das Projekt zeigt auf, mit welchen simplen Methoden eine architektonische Formgebung für augenscheinliche Gegensätze gefunden werden kann. Zwei strenge Volumen kommunizieren auf verspielte Weise miteinander und schaffen einen Raum der Kontraste - geradlinig trifft organisch, hart trifft weich, Verschlossenheit trifft Flexibilität.

Die Förderer: Gefördert wurde das Projekt vom Kreativfonds der Bauhaus-Universität Weimar, aus dessen Mitteln die Baumaterialien beschafft wurden. Wir danken außerdem den Firmen Döllken Lighting Weimar, doka Schalungssysteme Weimar und Hamel Nähmaschinen Erfurt für ihre großzügige Unterstützung.

Projektleitung: Prof. Rainer Gumpp, Dr.-Ing. Stephan Schütz

Tutoren: Christina Much, Henry Haase, Olaf Kammler

Studentisches Team: Maximilian August, Giovanni Amato, Constanze Barbuceanu, Marie-Luise Budszuhn, Lorenzo Ceccon, Gregory Devaud, Vitus Gerlach, Caroline Haase, Thomas Heyke, Miriam Hiltner, Jacqueline Kunze, Benoít Margez, Pier Paolo Palazzetti, Marta Plaga, Theresa Schirmer, Jean-Loup Tscheulin, Katharina Wittke

Bauprojekt: Pavillon für die Gemeinschaftsschule Weimar
Das mobile Atelier für einen Landschaftsmaler
Die mobile Immobilie vor dem Hauptgebäude der Universität
Die gespannte Membranfläche
Die geschlossene Membranfläche
Einbaumöbel und LED-Beleuchtung
Das Regalsystem
Die Wohneiheit mit Ausklappbett
Detail des Regalsystems
Magnetschiene zur Aufnahme der Malutensilien
Die verschlossenen Kisten