2010 - Nietzsches Gartenhaus

Ein nachhaltiges Bauwerk als temporäre Gedankenwelt

Im Sommer 2010 wurde auf einem freien Grundstück nördlich des Kolleg Friedrich Nietzsche in Weimar ein temporärer Gesprächs- und Veranstaltungspavillon für ca. 30 Personen von Studenten der Bauhaus-Universität Weimar und ihren Betreuern entworfen, projektiert und errichtet. In reizvoller Umgebung gelegen, bietet das Grundstück mit seiner vorhandenen Vegetation einen wunderbaren Ort des Gespräches. Es boten sich interessante Sichtbezüge ins Tal nach Weimar und zum oberhalb des Grundstücks gelegenen Gebäude des Kolleg Friedrich Nietzsche mit seiner kleinen Ausstellung zum Leben und Wirken des berühmten Philosophen. 

Vom Entwurf zum Bau: Das Gebäude wurde in einem interdisziplinären Entwurfsseminar der Professuren für Entwerfen und Tragwerkskonstruktion (Prof. Rainer Gumpp) und Tragwerkslehre (Prof. Jürgen Ruth) entwickelt. Vorangegangen war ein studentischer Wettbewerb mit vielfältigen Anforderungen an den Entwurf. Mit einem relativ überschaubaren Budget sollte ein Gebäude entstehen, das eine ansprechende Ästhetik mit einer leichten Realisierbarkeit verbindet und hohe Ansprüche an die Nachhaltigkeit der Konstruktion erfüllt. Der kreative Umgang mit Formen und Materialien war ausdrücklich erwünscht und manifestierte sich in einigen sehenswerten studentischen Entwürfen.

Der Wettbewerbsgewinner: Im Wettbewerb mit zehn Teilnehmern konnte sich Alexander Hollberg mit einer Arbeit durchsetzen, die auf bestechend einfache Weise den Anspruch des Bauherren an eine symbolhafte und zurückhaltende Architektur erfüllt und zugleich interessante Vorschläge zu einer materialeffizienten und kostensparenden Realisierung des Projektes macht. Das grundlegende Entwurfsmotiv eines gleichseitigen Dreiecks findet sich in der Gesamtform und in vielen Detailbereichen des Pavillons wieder. Alexander Hollberg beschreibt seinen Entwurf mit den Worten: „Als Solitär besetzt das Gebäude das Grundstück selbstbewusst und bezieht sich in seiner dreieckigen Form auf die drei Hauptthemen des Entwurfes - den Gesprächsgast, die Gedankenwelt Friedrich Nietzsches und den Ort Weimar. Jedem dieser drei Einflüsse ist ein Eingangsportal gewidmet. Diese verknüpfen den theoretischen Entwurfsansatz mit dem Gebäude.“ Für B.-Christoph Streckhardt vom Kolleg Friedrich Nietzsche lässt das Grundmotiv eines gleichseitigen Dreiecks mehrere Assoziationen zu: „Einmal symbolisiert es das dialektische Prinzip von These-Antithese-Synthese, zitiert gleichermaßen die rhetorische Trias Sender-Text-Empfänger und kann aber auch als eine säkulare Trinitas Nietzsche-Gesprächspartner-Weimar interpretiert werden.“

Die Konstruktion: Die prämierte Arbeit wurde aber nicht nur auf Grund ihrer starken symbolischen Wirkung als Wettbewerbssieger gekürt, sondern auch wegen der äußerst einfachen und ökologisch sinnhaften Konstruktion, die zum größten Teil von den Studenten des Entwurfsseminars in Handarbeit erstellt werden konnte. Der große Anteil vollständig recycelbarer Papp- und Holzwerkstoffe unterstreicht den Anspruch eines ökologisch vertretbaren und nachhaltigen Gebäudes. Der Aufbau dauerte ca. zwei Wochen und wurde komplett von den beteiligten Studenten durchgeführt.

Die Nachnutzung:  Die ursprünglich geplante Standzeit von drei Monaten konnte das Bauwerk weit überschreiten. Nach erfolgreicher Überwinterung (siehe Fotos) erlebte er eine zweite Saison als Gesprächsort, begeisterte seine Besucher durch die angenehme Atmosphäre und interessanten Blickbeziehungen in die Umgebung. Nach der Demontage im Herbst 2011 wurde das Bauwerk an einem neuen Standort zusammengefügt und dient nun als Ausstellungsraum.

Blick aus Ost
Blick aus Ost (Photo: Stephan Schütz)
Blick aus Süd-Ost
Blick aus Süd-Ost (Photo: Stephan Schütz)
Geschlossene Türen
Geschlossene Türen (Photo: Stephan Schütz)
Innenraum
Innenraum (Photo: Stephan Schütz)
Deckenstern
Deckenstern (Photo: Stephan Schütz)
Nachtstimmung
Nachtstimmung (Photo: Stephan Schütz)
Nietzsches Gartenhaus im Winter
Nietzsches Gartenhaus im Winter (Photo: Stephan Schütz)
Das Team
Das Team