2009 - Screenhaus

Das Projekt: Im Studienjahr 2008/09 wurde an der Bauhaus-Universität Weimar ein solarbetriebenes Kino in interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen den Fakultäten Architektur und Bauingenieurwesen von zehn Studierenden und ihren Betreuern entworfen und errichtet. Zur Planung des Projektes wurden schon frühzeitig computergestützte Entwurfs-, Berechnungs- und Visualisierungswerkzeuge eingesetzt und ermöglichten einen reibungslosen Aufbau. Die computergestützte Generierung der Form und ihre Umsetzung in der Realität erfolgte in enger Zusammenarbeit mit Herstellern der Solarindustrie und verfolgte drei Ziele: 

  1. Die Planung eines leistungsfähigen, leichten und gestalterisch hochwertigen Tragwerks, welches in Eigenregie von den Studierenden und Mitarbeitern errichtet werden konnte.
  2. Die Schaffung eines signalhaften Bauwerks zur Verdeutlichung der Leistungsfähigkeit von Tragwerken aus linearen Holzelementen.
  3. Die Integration von biegsamen, der Form folgenden Solarmodulen zur energetischen Versorgung des Kinobetriebs.

Die effiziente Form: Screenhaus.SOLAR ist ein multimedial nutzbares Bauwerk mit der Form eines hyperbolischen Paraboloids. Diese mathematisch definierte, effiziente Schalenform kann aus stabförmigen Elementen zusammengesetzt werden, die gegeneinander verdreht im Raum angeordnet und punktuell verbunden sind. Dadurch wird es möglich, für den Bau der Tragstruktur kostengünstige Holzwerkstoffe, wie zum Beispiel einfache Latten oder in tropischen Gegenden Bambus zu verwenden. Diese linearen Elemente können auch von Nichtfachleuten unter Anleitung in kurzer Zeit montiert und zu einer komplexen Form aufgewertet werden. Die Latten waren leicht zu beschaffen und mussten vor dem Einbau konstruktiv auf die jeweils notwendigen Dimensionen verlängert werden. Die an den Fußpunkten auch bei rein vertikaler Belastung auftretenden horizontalen Auflagerkräfte werden innerhalb der Struktur mithilfe von Seilen kurzgeschlossen. Die benötigte Steifigkeit des Tragwerks wurde innerhalb der Schalenfläche durch Einbau von in Längsrichtung durchlaufenden Seilen erreicht. Am höheren Ende des Tragwerks wurde zur Erhöhung der Quersteifigkeit eine nach dem von Prof. Schlaich entwickelten Speichenradprinzip aufgelöste Scheibe installiert.

Die Hülle: Die Dichtigkeit des Bauwerks wurde durch Aufbringen einer farbigen Membran auf der Innenseite des Rostes hergestellt, welche punktuell an den verschraubten Knoten mit der Struktur verbunden ist. Der auf der Außenoberfläche sichtbar bleibende Lattenrost beeinflusste die Ablesbarkeit der geometrischen Form positiv. Auf der Innenseite bildete sich die Tragstruktur bei Sonnenschein als Schattenfigur der Stäbe auf der Membran und bei Dunkelheit durch das Raster der sichtbar bleibenden Schrauben ab. Das Bauwerk wurde mit einem durchgehenden Holzfußboden ausgestattet, welcher an den Enden als Eingangsgeste herausragt.

Die vielfältige Funktion: Im Inneren der Struktur wurde am breiteren Ende ein ergonomisch, binokular geformter Breitwand-Screen scheinbar schwebend aufgehängt, welcher zum integralen Bestandteil der Architektur avancierte. Während der SummaryXXL im Bauhaus-Jubiläumsjahr 2009 bot das Bauwerk, welches auch eine kleine Kaffee- und Cocktailbar enthielt, die Möglichkeit für verschiedenartige Freiluft- und Innenraum-Kinoveranstaltungen mit Lern- und Loungecharakter. Der Innenraum wurde außerdem auch für Ausstellungen, Vorträge, Konzertevents, Meetings usw. genutz.

Die solare Energie: Der eigentliche Clou des Screenhaus.SOLAR und Namensgeber sind jedoch die von CENTROSOLAR gesponsorten flexiblen Photovoltaikmodule, die auf die Wabenkonstruktion aufgebracht wurden. Anders als starre Panele passten sich diese Solarzellen der neuesten Generation an die gewölbte Gebäudeform an und umschlossen es wie ein Kleid. Tagsüber wandelten die Module das Sonnenlicht in elektrischen Strom um und speisten ihn in das interne Netz der Bauhaus-Universität Weimar ein. Das so erzeugte Energieguthaben wurde an den Abenden für den Kinobetrieb genutzt.

Die Eröffnung: Die Arbeiten konnten am 08.07.2009 abgeschlossen werden und am 09.07.2009 fand mit Band und DJ die feierliche Eröffnung statt. Im Rahmen der Jahresschau summaeryXXL der Bauhaus-Universität Weimar wurden Experimentalfilme des Bauhaus-Filminstituts (BFI) gezeigt. Seitdem wurde die Tauglichkeit des Kinos bei mehreren erfolgreichen Filmabenden und Events geprüft und hat sich als beliebter Treffpunkt auch ohne eine Bespielung mit Filmen etabliert.

Die Umsetzung: Das Projekt wurde im Jahr 2010 als ein Ort im Wettbewerb Land der Ideen ausgezeichnet. Hierfür wurde die leichte Konstruktion per Kran von ihrem ursprünglich, relativ versteckten Standort an eine prominente Position im Innenhof der Fakultät Architektur und Urbanistik umgesetzt.

Am neuen Standort konnte der Pavillon noch ein weiteres Jahr verweilen, bevor es im Herbst 2011 demontiert wurde. Alle verwendeten Baumaterialien konnten für neue Bauprojekte verwendet werden. Dadurch wurde der Anspruch der Verfasser, ein nachhaltiges und recycelbares Gebäude zu errichten, bestätigt.

Screenhaus.SOLAR mit Leinwand (Photo: Stephan Schütz)
Screenhaus.SOLAR mit Leinwand (Photo: Stephan Schütz)
Betrieb bei Nacht (Photo: Robert Held)
Betrieb bei Nacht (Photo: Robert Held)
Blick aus Nord (Photo: Stephan Schütz)
Blick aus Nord (Photo: Stephan Schütz)
Blick aus Süd (Photo: Stephan Schütz)
Blick aus Süd (Photo: Stephan Schütz)
Die offene Stirnseite
Die offene Stirnseite (Photo: Stephan Schütz)
Nächtliche Illumination
Nächtliche Illumination (Photo: Stephan Schütz)
Detail der Konstruktion
Detail der Konstruktion (Photo: Stephan Schütz)
Kinobetrieb (Photo: Jürgen Ruth)
Kinobetrieb (Photo: Jürgen Ruth)
Das Screenhaus.SOLAR im Winter
Das Screenhaus.SOLAR im Winter (Photo: Stephan Schütz)
Die Umsetzung mit Kran
Die Umsetzung mit Kran (Photo: Stephan Schütz)
Der neue Standort
Der neue Standort (Photo: Stephan Schütz)
Das Team
Das Team