Bauprojekte

2017 - Das Traumschüff

Einleitung: Stell dir vor, du sitzt am Ufer und vor dir schwimmt ein Theater: Das Traumschüff. Ein Transportmittel, das Träume zwischen Stadt und Land hin- und herbefördern soll - Ein Theater im Fluss. Das Traumschüff macht das Floß zur Bühne. Mobil und ohne festen Standort erreicht es Orte, an die sonst kein Theater kommt. Es soll mehr als nur unterhalten. Es soll eine Gelegenheit bieten, sich zu treffen und miteinander ins Gespräch zu kommen – vor, während und nach den Vorstellungen. Um sich gemeinsam mit Fragen auseinander zu setzen, die die Zuschauer und die Schauspieler beschäftigen.

Die Aufgabe: Ziel des Projekts war die Realisierung einer tatsächlich schwimmenden Bühne mit Wohneinheit für ein Schauspielensemble. Schwerpunkte sind der konstruktive Leichtbau, das flexible Tragwerk und die modulare Vorfertigung. Das Traumschüff soll ein beweglicher Unterhaltungsraum im Freien werden. Es ist eine Spielstätte für auf dem Wasser fahrende Gaukler und erreicht Orte, an die sonst vielleicht kein Theater kommen würde. Es soll mehr als nur unterhalten. Es soll eine Gelegenheit bieten, sich zu treffen und miteinander ins Gespräch zu kommen – vor, während und nach den Vorstellungen.

Der Entwurf: Im Rahmen eines studentischen Wettbewerbs wurde das „Schiebeschüff“ als Siegerentwurf gekührt, da es dem Schauspielkollektiv nicht nur eine großzügige Unterkunft sondern auch eine sehr flexible Bühne bietet. Das Herz des Schauspielraums bildet eine tatsächliche Bühne in der Mitte des Traumschüffs. Sie hebt die Schauspieler etwas in die Höhe und ist gleichzeitig ein großzügiger Stauraum für alles Notwendige. Zwei Kubaturen rahmen diese Situation in Richtung Bug und Heck. Die vordere Box nimmt eine Küchenzeile, Navigationsraum und WC auf. Das hintere Volumen wird von zwei Schlafkabinen und einem zentralen Wohnraum gebildet, der sich in Richtung Bühne erweitern lässt. Auf diese Weise können problemlos weit mehr als 10 Personen Platz finden. Durch das überspannende Dach bildet sich ein Bühnenraum, der von allen Orten des Traumschüffs leicht erreichbar ist. Verschiedene Bühnenbilder können mithilfe von großflächigen Schiebeelementen und Vorhängen einfach erzeugt werden. Die Türen sind beispielsweise transluzent und lassen so unterschiedliche Sichtbarkeiten zu. Ein geschlossener Raum kann ebenso dargestellt werden wie eine gänzlich offene Landschaft. Die Kubatur ist so gestaltet, dass die Schauspieler das gesamte Schiff durchlaufen können und auch das Dach mithilfe zweier passgenauer Leitern problemlos erreichen.

Die Konstruktion: Auf einer schwimmenden Plattform mit den Maßen 12 x 4,5 Metern wurden die zwei Kuben montiert. Diese bestehen aus einer Holzständerkonstruktion, welche mit einer Holzfassade beplankt ist. Die Schlafbereiche erhalten eine hinterlüftete Fassade aus einer weißen Membran, um ein gutes Klima im Inneren zu erzeugen. Diese kann zusätzlich auch für Bildprojektionen genutzt werden. Zwei große Träger verlaufen längseitig über das gesamte Schiff und tragen die begehbare Dachfläche. Ihre rippenartige Struktur ist jederzeit ablesbar und bietet viele Möglichkeiten der Gestaltung und Dekoration.

Die Nutzung: Die obere Konstruktion des Traumschüffs wurde mit der Premiere des Stücks „Bibergeil“ auf dem Campus der Bauhaus-Universität Weimar eingeweiht. Anschließend wurde sie von den Studierenden nach Havelberg verbracht und dort auf einer schwimmenden Plattform montiert. Die Schiffstaufe erfolgte am 29. Juli 2017. Seitdem fährt die Traumschüff-Genossenschaft über die Havel und legt an vielen Orten an, um den Bewohnern ihr Schauspiel darzubieten. Sämtliche bisherige Aufführung sind sehr erfolgreich verlaufen und die örtliche Presse verfolgt das Projekt mit großem Interesse.

Förderer: Gefördert wurde das Projekt vom Kreativfonds der Bauhaus-Universität Weimar, aus dessen Mitteln die ein Teil der Baumaterialien beschafft wurden. Wir danken außerdem der Firma Low & Bonar für ihre großzügige Materialspende.

Kooperation: Das Projekt entstand durch eine Kooperation der ersten deutschen Theatergenossenschaft und der Professur Entwerfen und Tragwerkskonstruktion der Bauhaus-Universität Weimar unter der Leitung von Prof. Rainer Gumpp und seinen Mitarbeitern Stephan Schütz und Marcel Ebert.

Projektleitung: Prof. Rainer Gumpp, Stephan Schütz, Marcel Ebert

Tutoren: Katharina Wittke

Studentisches Team: Andreas Brall, Marie-Luise Budszuhn, Magdalena Falterer, Anna Gherardi, Felix Hake, Miriam Hiltner, Toni Kunau, Jae-Young Lee, Paul Johann Magnus, Thuy Duong Phan, Iga Reichel, Janna Schmidt, Ömer Türkmen, Jakob Tvseynki, Ben Weiser

Mitwirkende der Theatergenossenschaft: David Schellenberg, Hanna Legleitner, Myriam Oosterkamp, Juliane Baruck, Nikola Schmidt, Rebekka Hock, Jana Grubert, Jakob Plutte, Dorothea Lautenschläger, Lucia Eifler, Richard Schentke, Caroline Galvis, Hanna Nickel, Anna-Sophie Friedmann, Oliver Seidel, Ariane Schellenberg

Das Traumschüff auf dem Universitätscampus
Das Traumschüff auf dem Universitätscampus
Das Traumschüff auf dem Universitätscampus
Das Traumschüff auf dem Universitätscampus
Der Innenraum
Der Innenraum
Der Innenraum
Der Innenraum
Die Eröffnungsvorstellung
Die Eröffnungsvorstellung
Die Eröffnungsvorstellung
Die Eröffnungsvorstellung
Wasserlassung in Havelberg
Wasserlassung in Havelberg
Die Schiffstaufe
Die Schiffstaufe
Die Premiere in Havelberg
Die Premiere in Havelberg
Aufführung in Pritzerbe
Aufführung in Pritzerbe
Der Liegeplatz in Werder
Der Liegeplatz in Werder
Impression von Deck
Impression von Deck

2016 - Die mobile Immobilie

Die Aufgabe: Für einen Landschaftsmaler ist die langfristige Auseinandersetzung mit der ihm umgebenden Natur eine wichtige Grundlage seiner Arbeit. Zu entwerfen ist ein  multifunktionaler Arbeits- und Wohnraum, mit dem sich der Künstler flexibel zu seinen Sujets bewegen kann und örtlich ungebunden ist. Innerhalb eines Semesters ist das Konzept dieser mobilen Immobilie zu entwickeln, zu detaillieren und umzusetzen.

Der Entwurf: Zwei zurückhaltend gestaltete Kuben bilden einen künstlerischen Allraum, dessen Volumen mithilfe einer Teleskopmechanik um 50% vergrößert werden kann. Der Zwischenbereich wird von einer parametrisch berechneten Membranfläche überspannt und bildet eine großzügige  Eingangssituation, die gleichzeitig als Terrasse dient. Beide Innenräume sind als „white boxes“ konzipiert und bieten dem Maler ausreichend Platz zum Arbeiten und Leben. Bündig eingelassene Regalwände bieten Stauraum und nehmen ein Bett, notwendige Küchenutensilien und bewegliche Rollmöbel auf. Diese Möbel können frei in der gesamten Behausung bewegt werden. 

Die Konstruktion: Die identischen Kuben sind in Holz-Sandwichbauweise konzipiert und dadurch leicht zu montieren. Die Fassade besteht aus filmbeschichteten Siebdruckplatten, welche dem Projekt eine einheitliche Farbgebung verleihen. Zwei Teleskopauszüge stellen die Beweglichkeit sicher und sorgen für eine hohe Flexibilität durch die reversible Verbindung mit dem Fahrgestell. Sämtliche Einbauten sind entsprechend der Entwürfe der Studierenden aus gefalteten Wabenplatten gefertigt und bieten durch ihre Rasterung eine hohe Flexibilität und Wandelbarkeit. 

Die Nutzung: Dem Künstler stehen zwei unterschiedliche Konfigurationen der mobilen Immobilie zur Verfügung. Während der künstlerischen Schaffensphase sind sämtliche Einbauten eingeklappt und zurückgefahren. Dann bietet der weiße Innenraum dem Maler einerseits eine zurückhaltende Arbeitsumgebung und andererseits einen praktikablen Ausstellungsraum für seine Werke. In der restlichen Zeit verwandelt sich dieser Raum in einen vollwertigen Wohn- und Schlafbereich.

Das Statement: Das Projekt zeigt auf, mit welchen simplen Methoden eine architektonische Formgebung für augenscheinliche Gegensätze gefunden werden kann. Zwei strenge Volumen kommunizieren auf verspielte Weise miteinander und schaffen einen Raum der Kontraste - geradlinig trifft organisch, hart trifft weich, Verschlossenheit trifft Flexibilität.

Die Förderer: Gefördert wurde das Projekt vom Kreativfonds der Bauhaus-Universität Weimar, aus dessen Mitteln die Baumaterialien beschafft wurden. Wir danken außerdem den Firmen Döllken Lighting Weimar, doka Schalungssysteme Weimar und Hamel Nähmaschinen Erfurt für ihre großzügige Unterstützung.

Projektleitung: Prof. Rainer Gumpp, Dr.-Ing. Stephan Schütz

Tutoren: Christina Much, Henry Haase, Olaf Kammler

Studentisches Team: Maximilian August, Giovanni Amato, Constanze Barbuceanu, Marie-Luise Budszuhn, Lorenzo Ceccon, Gregory Devaud, Vitus Gerlach, Caroline Haase, Thomas Heyke, Miriam Hiltner, Jacqueline Kunze, Benoít Margez, Pier Paolo Palazzetti, Marta Plaga, Theresa Schirmer, Jean-Loup Tscheulin, Katharina Wittke

Bauprojekt: Pavillon für die Gemeinschaftsschule Weimar
Das mobile Atelier für einen Landschaftsmaler
Die mobile Immobilie vor dem Hauptgebäude der Universität
Die gespannte Membranfläche
Die geschlossene Membranfläche
Einbaumöbel und LED-Beleuchtung
Das Regalsystem
Die Wohneiheit mit Ausklappbett
Detail des Regalsystems
Magnetschiene zur Aufnahme der Malutensilien
Die verschlossenen Kisten

2015 - Pavillon für die Gemeinschaftsschule Weimar

Das Ziel ist der Bau: Der Pavillon ‚MoosaiK‘ wurde von einem interdisziplinären studentischem Team der Bauhaus-Universität Weimar geplant, konstruiert und konnte dank der Förderung durch den Kreativfonds von den Teilnehmern im Sommer 2015 errichtet werden. Die Einweihung erfolgte zur Jahresschau ‚summaery‘. Der etwa 35 qm große Einraum - ein elementar einfaches und gleichzeitig zeichenhaftes Gebäude in Holzbauweise - ist als Werkstatt und Symbolort des IBA-Projekts „StadtLandSchule“ gedacht und wurde auf dem Gelände der Gemeinschaftsschule Weimar errichtet.

Grundlage: Voraussichtlich im Jahr 2018 wird das Schulgebäude an der Hart in Weimar aus dem Jahr 1969 umgebaut und saniert. Unterstützt vom Modellprogramm »Kulturagenten für kreative Schulen« fand 2013 das erste Gemeinschaftsprojekt von Gemeinschaftsschule und Bauhaus-Universität Weimar statt, aus dem der Entwurf für einen partizipativen Schulumbauprozess hervorging. Ein hieraus weiterentwickeltes Konzept sieht vor, aus dem Umbau der alten Typenschule ein Schulgebäude in einem partizipativen und kooperativen  Prozess mit internationalem Modellcharakter zu entwickeln.

Partizipationsprozess: Das Umbauprojekt wurde 2014 unter dem Titel „Prototypschule: JENA plantyp ERFURT in WEIMAR“ als Kandidat für die Internationale Bauausstellung Thüringen ausgewählt. Zusammen mit den Schülerinnen und Schülern der Jenaplanschule Weimar entstand der Entwurf für einen multifunktional nutzbaren Pavillon auf dem Schulgelände an der Hart, der dem Umbauprozess über die kommenden Jahre Sichtbarkeit verleihen soll. Der Pavillon ist ein Meilenstein auf dem Weg zum Schulumbau der Jenaplanschule Weimar. Der Umbau des Gebäudes an der Hart soll durch einen Partizipationsprozess begleitet werden. An diesem Prozess sind SchülerInnen, Eltern, LehrerInnen, AnwohnerInnen, der Schulträger (Stadt Weimar), die Bauhaus-Universität Weimar, die Stiftung Kulturagenten und viele weitere Akteure beteiligt. Mit dem Pavillon ist nun ein Ort des miteinander Planens und der Beteiligung entstanden. Er symbolisiert einen transparenten Planungsprozess, gemeinsam entwickelte Konzepte und ein integrative Phase der Umsetzung.

MoosaiK: Der Entwurf integriert Ideen und Elemente, welche von den Studierenden gemeinsam mit den Schülern der Schule erarbeitet wurden. Die Besonderheit des Jenaplan Schulkonzeptes, welches sich durch jahrgangsübergreifendes und individuelles Lernen auszeichnet, erfordert  exible und veränderbare Räume mit vielen unterschiedlichen Eigenschaften. ‚Moosaik‘ ist eine thematische Fortführung der gemeinsamen Arbeit von Studierenden und Schülern, denn während der Kunstwerkstatttage wurden im Foyer der Schule Mosaike gefertigt. Diese Arbeit repräsentiert die besondere Aneignung des Schulgebäudes durch SchülerInnen und LehrerInnen, die im gesamten Schulareal stattfand und die Grenzen der Raummöglichkeiten des Plattenbaus des Typs Erfurt 69 ausnutzte. Um die SchülerInnen für die Thematiken „Innenraum“ und „Modul“ zu sensibilisieren, wurden verschiedene Innenräume im Maßstab 1:20 mithilfe von jeweils 150 Würfelmodulen entwickelt und diskutiert.. 

Bauweise: Die gesamte Konstruktion ruht auf einem Auflastfundament, das auf dem Schulhof platziert wurde und im Bedarfsfall ohne Schäden rückzubauen ist. Das Gebäude ist eine reine Holzkontruktion mit einer Dämmung aus Mineralwolle. Die Fassade ist mit handelsüblichen OSB-Platten ausgeführt und wurde mittels weißer, schwedischer Fassadenfarbe abgedichtet. Die inneren Wandbereiche sind mit Lehm ausgefacht und erzeugen dadurch ein angenehmes Raumklima. Der barrierefreie Zugang über eine Rampe und die großen, frei drehenden Portaltüren auf beiden Stirnseiten erlauben eine flexible Nutzung für die Kinder der Schule. Die Längsfassaden bieten genügend Raum für Grün- und Kletterpflanzen, welche von den Schulkindern betreut werden und deren ökologisches Verständnis schulen. Der überdachte Bereich des Pavillons kann verschiedenartig genutzt werden. Er kann Arbeitsraum sein, für Präsentationen genutzt werden oder er wird zur Bühne. So können sich die Kinder die Holzboxen vor den Pavillon stellen und sich eine Theatervorführung anschauen. 

Förderer: Gefördert wurde das Projekt vom Kreativfonds der Bauhaus-Universität Weimar, aus dessen Mitteln die Baumaterialien beschafft wurde. Wir danken außerdem dem  Institut für experimentelles Bauen (ifex) und dem Institut für europäische Urbanistik (IfEU) der Bauhaus-Universität Weimar für ihre tatkräftige Unterstützung.

Preise: Für die interdisziplinäre Zusammenarbeit beim Projekt Bau-Haus erhielten die beteiligten Professuren 2015 den Lehrpreis der Bauhaus-Universität Weimar. Im Mai 2016 wurde das Umbau-Projekt der Gemeinschaftsschule im bundesweiten Wettbewerb „Pilotprojekte Inklusive Schulen planen und bauen“  der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft als einer von fünf Preisträgern ausgewählt. Der Preis ist mit 100.000 Euro dotiert.

Bauprojekt: Pavillon für die Gemeinschaftsschule Weimar

2015 - Pavillon zum 9. Tongji International Construction Festival

Wettbewerb: Die Fakultät Architektur und Urbanismus der Bauhaus Universität Weimar ist vom College of Architecture and Urban Planning (CAUP) der Tongji Universityin Sanghai, VR China eingeladen worden, sich mit einem Team von einem Lehrendem und 5 Bachelorstudenten an Ihrem jährlich stattfindenden »Construction Festival« zu beteiligen.

Thema: Micro Community

Aufgabe: Auf dem college square des CAUP an der Tongji University soll innerhalb einer Woche an einem durch das Organisationskomitee zugewiesenem Ort im Aussenraum ein Bauwerk aus Wellpappe errichtet werden. Diese Struktur muss die Bedürfnisse aller Mitglieder des Teams erfüllen um dort eine Nacht zu verbringen.

Entwurf: Die Teilnehmer der Bauhaus-Universität Weimar entwickelten eine Struktur aus "verwebten" Pappstreifen, welche die äußere Hülle des Bauwerks bildeten. Die Form erinnert an einen Korb und bekam von Besuchern den Spitznamen "dumpling box". Das Prinzip des Webens sorgt für eine stabile Wandkonstruktion bei gleichzeitiger Transparenz, denn durch die kleinen frei bleibenden Restflächen sind Einblicke möglich. Der Pavillon wurde vom Publikum sehr gut angenommen und konnte im Wettbewerb einen 4. Platz erringen.

2014 - OpenSource: Cardboard

The english version can be found here.

Experimentalbau aus gefalteten Wabenplatten: Das Bauprojekt OpenSource: Cardboard wurde von Masterstudenten der Fakultät Architektur und Urbanistik an der Bauhaus-Universität Weimar im Sommersemester 2014 errichtet. Das interdisziplinäre Team setzte sich aus Studierenden der Fakultäten Architektur und Urbanistik zusammen und wurde von Studierenden der Fakultät Bauingenieurwesen ergänzt. 

Kooperation: Das Projekt fußt auf dem Kooperationsprojekt Stapeln der Professur Entwerfen und Raumgestaltung unter der Leitung von Prof. José Mario Gutiérrez Marquez und ist ein quelloffenes (open source) Entwurfssystem mit dem Ziel, verschiedene Module aus unterschiedlichen Materialien auf ihre Stapelbarkeit hin zu untersuchen. Hierbei werden flexible Grundrisse für Wohnen- und Arbeiten auf einem Modulraster entwickelt, dessen grundlegende Abmessungen 5x3x3 Meter betragen. OpenSource: Cardboard setzt an dieser Schnittstelle an und erforscht die Leistungsfähigkeit von gefalteten Wabenplatten aus Wellpappe als Konstruktionsmaterial. Der Pavillon wird als temporärer Experimentalbau genutzt und wird über die nächsten Monate wertvolle Informationen zum Verhalten des Materials Pappe liefern.

Konstruktion: Sechs quadratische Rahmen bilden ein Tragsystem, das aus gefalteten Wabenplatten zusammengesteckt wird. Eine Beplankung mit 6cm starken Wabenplatten dient der thermischen Isolierung. Eine Haltekonstruktion aus Holzlatten trägt die äußere Fassadenschicht aus 3cm starken Wabenplatten. Die dadurch erzeugte Trennschicht sorgt für eine ausreichende Hinterlüftung der Fassade im Wand- und Dachbereich. Als äußerer Wasserabschluss dient eine Zement-Kunststoff-Dichtschlämme, welche die Oberfläche aus Papier dauerelastisch schützt und für eine homogene, architektonsich ansprechende Erscheinung sorgt. Die Stirnseiten verfügen südlich über eine doppellagige, mechanisch vorgespannte Folienfassade und nördlich  über zwei leichtgängige, mittig drehbare Portale.

Realisierung: Die Umsetzung des Projektes erfolgte durch das studentische Team innerhalb eines Zeitraums von drei Monaten. Der Umgang mit dem Material erforderte die Erstellung einer Vielzahl von Prototypen, da auf keine Grundlagen zurückgegriffen werden konnte. Die Entwurfsarbeit wurde von unzähligen Testreihen begleitet, um den Entwurf an die jeweiligen Anforderungen anpassen zu können. Im Arbeitsraum erfolgte die Vorfabrikation der gefalteten Bauteile. Nach ihrer Montage zu Rahmen wurden diese innerhalb kurzer Zeit aufgestellt und beplankt. Der äußere Fassadenabschluss wurde zweischichtig mithilfe einer Kratzspachtelung aufgebracht.

Studentisches Team: Daniele Agretti, Tina Bischoff, Bettina Doser, Carla Frieling, Christina Grasse, Henry Haase, Jakob Kling, Alexander Knopf, Margarita Pelych, Maximilian Schädlich, Anna-Maria van Seidlein, Paula Seeling, Georg Thessmann

Förderer: Das Projekt OpenSource: Cardboard wurde mit Mitteln aus dem Kreativfonds 2014 der Bauhaus-Universität Weimar errichtet.

Partner: Experimentelle Werkstätten der Fakultät (KEW), Prof. Dr. Andrea Dimmig-Osburg, Dr. Ing. Alexander Flohr, Martin Ulrich, Andreas Seeling, Tino Freitag, Willy Wegner, Claus Bäumel, Lorenz von Seidlein, Collin Höckendorf

Sponsoren: Wir danken folgenden leistungsstarken Firmen, ohne deren Tatkräftige Hilfe die Umsetzung nicht hätte gelingen können: SWAP Sachsen GmbH, Saint-Gobain Weber GmbH, CENO TEC GmbH, Biotecta GmbH

Ansicht von Ost
Ansicht von Ost (Photo: Marcel Ebert)
Fassadendetail
Fassadendetail (Photo: Marcel Ebert)
Ansicht von Süd-West
Ansicht von Süd-West (Photo: Stephan Schütz)
Portale geschlossen
Portale geschlossen (Photo: Stephan Schütz)
Portale geöffnet
Portale geöffnet (Photo: Stephan Schütz)
Blick in den Innenraum
Blick in den Innenraum (Photo: Marcel Ebert)
Innenraum mit Ausstellung
Innenraum mit Ausstellung (Photo: Stephan Schütz)
Portaltüren von Innen
Die Dokumentation des Aufbaus (Photo: Stephan Schütz)
Die Dokumentation des Aufbaus
Das Team
Unsere Förderer und Sponsoren
Unsere Förderer und Sponsoren

2013 - Space Colony

Bei modernen Gebäuden wird neben der architektonischen Qualität vor allem deren Nachhaltigkeit beurteilt. Dieser häufig überstrapazierte Begriff beschreibt unter anderem, wie effizient mit vorhandenen Resourcen umgegangen wird und wie die Architektur an zukünftige Nutzungen anzupassen ist. Um Qualität und Nachhaltigkeit in einem Projekt zu vereinen, werden Leuchtturmprojekte benötigt, die als Fiktion zukünftige Zielstellungen formulieren. Hier setzt SpaceColony E13 an. Sie ist eine  flexibel entfaltbare Forschungsstation auf dem Mond, die schon heute Ort für Informationsveranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit und Ökologie dienen soll.

Vom Entwurf zum Bau: Die Station wurde von Masterstudenten der Fakultät Architektur unter realistischen Vorbedingungen entworfen, detailliert und im Juli 2013 als Modell im Maßstab 1:1 umgesetzt. Hierbei diente ein Wettbewerb unter allen Teilnehmern zur Findung des Siegerprojektes. Das finale Design ist ein Hybrid aus den am besten umzusetzenden Ideen der Wettbewerbsteilnehmer. Faktoren wie architektonische Gestaltung und Ästhetik trafen hierbei auf reale Parameter wie Machbarkeit und Finanzierbarkeit.

Die Konstruktion: Die Mondstation hat im Landezustand eine Höhe von 1,25m und erreicht im ausgefahrenen Zustand eine Höhe von 3,00m. Die Fassade wird von sich turbinenartig windenden Membranen angedeutet, welche komplett im Inneren der eingefahrenen Station verschwinden. Der Entfaltungsmechanismus wird durch ein raffiniertes Seilzugsystem gewährleistet, bewegt diagonal verlaufende Druckstäbe und lässt sich von Hand bedienen.

Die Nutzung: Das temoräre Projekt wurde im Sommer 2013 rege als Treffpunkt genutzt und nach einer Standzeit von zwei Monaten demontiert. Die eingesetzten Bauteile konnten vollständig rückgebaut und für spätere Bauprojekte verwendet werden.

Die Station im eingefahrenen Zustand
Die Station im eingefahrenen Zustand (Photo: Stephan Schütz)
Die Seitenverkleidung klappen auf
Die Seitenverkleidungen klappen auf (Photo: Stephan Schütz)
Die Station im ausgefahrenen Zustand
Die Station im ausgefahrenen Zustand (Photo: Stephan Schütz)
Detail der Eckverbindungen
Detail der Eckverbindungen (Photo: Stephan Schütz)
Knotenpunkt der Pneukonstruktion
Knotenpunkt der Pneukonstruktion (Photo: Stephan Schütz)
Die Projektgruppe
Die Projektgruppe
Die Station bei nächtlicher Illumination
Die Station bei nächtlicher Illumination (Photo: Stephan Schütz)
Photomontage zu Beginn des Projektes
Photomontage zu Beginn des Projektes (Animation: Toni Brandau, Dimitar Mitev, Stefan Preetz)

2012 - Rolling Stage

In einem interdisziplinären Entwurfsprojekt an der Bauhaus-Universität Weimar entwickelten Studenten der Professuren Entwerfen und Tragwerkskonstruktion und Tragwerkslehre im Sommersemester 2012 eine mobile Bühne und bauten sie für das jährliche Abschlussfest summaery in Eigenregie auf.

Brücken schlagen: Der Entwurfsprozess des Projektes hatte einen spannenden und publikumswirksamen Bühnenentwurf zum Ziel, der dem Motto der Jahresausstellung Brücken schlagen Rechnung tragen sollte. Es war ausdrücklich erwünscht, den Pfad der klassischen Bühnenkonstruktionen mit ihren gesichtlosen Technikelementen zu verlassen und neue Interpretationsmöglichkeiten einer mobilen Bühne zu entwickeln. Dabei schaffte die Bühne den Brückenschlag zwischen künstlerischer Freiheit im architektonischen Entwurf und der Umsetzbarkeit einer Idee in ein reales Gebilde.

Vom Entwurf zum Bau: Die beteiligten Studenten der Fakultäten Architektur und Bauingenieurwesen entwickelten unter der Leitung von Prof. Rainer Gumpp und Prof. Dr. Jürgen Ruth in kürzester Zeit eine Vielzahl von Entwurfsvarianten und überprüften diese auf ihre Realisierbarkeit. Vom Entwurf über die Detaillierung bis hin zur Umsetzung im Maßstab 1:1 erarbeiteten die Studenten alle Lösungen in einem interdisziplinären Planungsprozess

Die Konstruktion: Die Überdachung wurde durch eine Holzrahmenkonstruktion ausgebildet, welche als Befestigungselemente für die eingehängten Folienkissen dienten. Die ganze Dachkonstruktion wurde dabei von zwei filigranen Stützen-Trios gehalten. Das Projekt unterschied sich von klassischen Architekturentwürfen durch seinen temporären Charakter. Seine Form und Wirkung entstand aus der Logik der Lastabtragung, wodurch die Konstruktion als primäres Mittel der Gestaltung im Vordergrund stand.

Die Nutzung: Die Bühne kam während der Jahresausstellung der Bauhaus-Universität Weimar 2012 zum Einsatz und kann dank ihrer modularen Bauweise in Zukunft für Veranstaltungen der Universität genutzt werden. Als allseitig bespielbares Bühnenkonzept lässt sie sich flexibel an unterschiedlichen Standorten einsetzen und kann eine komplette Band ebenso beherbergen wie einen einzelnen Sprecher. Die Konstruktion bietet neben ihrer ursprünglichen Funktion als Bühne auch einen Mehrwert, indem sie zum Treffpunkt, Stadtmöbel und zur Identifikationsfigur wird.

Der solare Energiegewinn: Auf den beiden äußeren Pneus wurden jeweils zehn Solarpixel im Raster des Dreieck- Motivs aufgebracht. Jede Solarzelle ist 18 mal 20 cm groß und in Kunststoff gegossen, was ein geringes Gewicht von 80 Gramm ermöglicht. Diese sehr leichten Solarzellen wurden mit flexiblen Klebepunkten befestigt, um auf die unterschiedlichen Wölbungen der Folienkissen reagieren zu können. Der solare Gewinn wurde zur Beleuchtung bei Nacht und zur Druckregulierung der Pneus verwendet.

Die Bühne vor dem Hauptgebäude
Die Bühne vor dem Hauptgebäude (Photo: Stephan Schütz)
Detail der Pneus
Detail der Pneus (Photo: Stephan Schütz)
Illumination bei Nacht
Illumination bei Nacht (Photo: Marcel Ebert)
summaery 2012
summaery 2012 (Photo: Tobias Adam)
summaery 2012
summaery 2012 (Photo: Thomas Müller)
summaery 2012
summaery 2012 (Photo: Thomas Müller)
Animation Tag
Animation Tag (Felix Kubetzek)
Animation Nacht
Animation Nacht (Felix Kubetzek)

2011 - Illustrationsautomat

Vom Entwurf zum Bau: Im Sommersemester 2011 stellte sich ein studentisches Entwurfsteam der Bauhaus-Universität Weimar der Aufgabe, ein neues Gehäuse für den Illumaten zu entwerfen. Illumat steht für Illustrationsautomat und ist eine Zeichenmaschine, die im öffentlichen Raum auftritt und mit einem breiten Publikum interagiert. Der Benutzer kann sich gegen eine geringe Gebühr eine eigene Illustration anfertigen lassen, für die er zuvor einige Gedanken zu Papier gebracht hat. Nach kurzer Wartezeit erhält er ein Unikat, das lustig, spannend, unerwartet, zum Nachdenken anregend oder einfach nur wunderbar ist. Er existiert seit 2007 und tritt auf verschiedenen Events auf (Luzern, Dresden, Weimar). Mit dem steigenden Bekanntheitsgrad bekam das Projekt zunehmend Anfragen für Auftritte und Beteiligungen bei Aktionen. Das zeitaufwändige Improvisieren einer Hülle des Automaten in Abhängigkeit des jeweiligen Aktionsortes soll durch die Entwicklung eines leicht zu transportierenden, flexiblen und wetterfesten Gehäuses aufgefangen werden.

Die Konstruktion: Das Entwurfsprojekt wurde in interdisziplinärer Zusammenarbeit der Professuren Entwerfen + Tragwerkskonstruktion und Tragwerkslehre durchgeführt und hatte zum Ziel, den Illumaten im Maßstab 1:1 zu bauen. Um seine provisorische Erscheinung abzulegen, entwickelten die Teilnehmer des Entwurfsprojektes verschiedene Designs einer leicht zu transportierenden und flexiblen Konstruktion. Sie musste die Zeichner im Inneren vor den neugierigen Blicken der Nutzer verbergen und ein leicht zu bedienendes Interface zur Interaktion bieten. Innerhalb eines Semester wurde die Konstruktion von der ersten Skizze bis hin zum fertigen Illuminaten entwickelt und von den Studierenden in Eigenregie errichtet.

Die Knotenpunkte: Da die linearen Holzelemente in unterschiedlichen Winkeln aufeinander treffen, wurden mit Hilfe digitaler parametrischer Entwurfswerkzeuge spezielle Knotenpunkte entwickelt und prototypisch hergestellt. Die Form der innen angebrachten Bespannung  wurde ebenfalls mit computergestützten Werkzeugen optimiert und mit einer handelsüblichen Nähmaschine produziert.

Die Flexibilität: Die gesamte Konstruktion lässt sich mit zwei Helfern in weniger als 45 Minuten errichten und erfüllt somit die Vorgaben der Auftraggeber. Die Bauteile lassen sich in einem normalen PKW transportieren und sind so leicht, dass sie von Hand bewegt werden können.

Photomontage
Visualisierung (Miriam Vogt)
Der Illumat auf dem Innenhof der Bauhaus-Universität Weimar
Der Illumat auf dem Innenhof der Bauhaus-Universität Weimar (Photo: Stephan Schütz)
Das Interface
Das Interface (Photo: Stephan Schütz)
Das Interface in Aktion
Das Interface in Aktion (Photo: Stephan Schütz)
Der Verbindungsknoten
Der Verbindungsknoten (Photo: Stephan Schütz, Visualisierung: Miriam Vogt)
Der Illumat zur summaery 2011
Der Illumat zur summaery 2011 (Photo: Stephan Schütz)
Die fertigen Zeichnungen
Die fertigen Zeichnungen (Photo: Stephan Schütz)
Der Illumat auf Reisen
Der Illumat auf Reisen (Photo: Florian Wehking)

2010 - Nietzsches Gartenhaus

Ein nachhaltiges Bauwerk als temporäre Gedankenwelt

Im Sommer 2010 wurde auf einem freien Grundstück nördlich des Kolleg Friedrich Nietzsche in Weimar ein temporärer Gesprächs- und Veranstaltungspavillon für ca. 30 Personen von Studenten der Bauhaus-Universität Weimar und ihren Betreuern entworfen, projektiert und errichtet. In reizvoller Umgebung gelegen, bietet das Grundstück mit seiner vorhandenen Vegetation einen wunderbaren Ort des Gespräches. Es boten sich interessante Sichtbezüge ins Tal nach Weimar und zum oberhalb des Grundstücks gelegenen Gebäude des Kolleg Friedrich Nietzsche mit seiner kleinen Ausstellung zum Leben und Wirken des berühmten Philosophen. 

Vom Entwurf zum Bau: Das Gebäude wurde in einem interdisziplinären Entwurfsseminar der Professuren für Entwerfen und Tragwerkskonstruktion (Prof. Rainer Gumpp) und Tragwerkslehre (Prof. Jürgen Ruth) entwickelt. Vorangegangen war ein studentischer Wettbewerb mit vielfältigen Anforderungen an den Entwurf. Mit einem relativ überschaubaren Budget sollte ein Gebäude entstehen, das eine ansprechende Ästhetik mit einer leichten Realisierbarkeit verbindet und hohe Ansprüche an die Nachhaltigkeit der Konstruktion erfüllt. Der kreative Umgang mit Formen und Materialien war ausdrücklich erwünscht und manifestierte sich in einigen sehenswerten studentischen Entwürfen.

Der Wettbewerbsgewinner: Im Wettbewerb mit zehn Teilnehmern konnte sich Alexander Hollberg mit einer Arbeit durchsetzen, die auf bestechend einfache Weise den Anspruch des Bauherren an eine symbolhafte und zurückhaltende Architektur erfüllt und zugleich interessante Vorschläge zu einer materialeffizienten und kostensparenden Realisierung des Projektes macht. Das grundlegende Entwurfsmotiv eines gleichseitigen Dreiecks findet sich in der Gesamtform und in vielen Detailbereichen des Pavillons wieder. Alexander Hollberg beschreibt seinen Entwurf mit den Worten: „Als Solitär besetzt das Gebäude das Grundstück selbstbewusst und bezieht sich in seiner dreieckigen Form auf die drei Hauptthemen des Entwurfes - den Gesprächsgast, die Gedankenwelt Friedrich Nietzsches und den Ort Weimar. Jedem dieser drei Einflüsse ist ein Eingangsportal gewidmet. Diese verknüpfen den theoretischen Entwurfsansatz mit dem Gebäude.“ Für B.-Christoph Streckhardt vom Kolleg Friedrich Nietzsche lässt das Grundmotiv eines gleichseitigen Dreiecks mehrere Assoziationen zu: „Einmal symbolisiert es das dialektische Prinzip von These-Antithese-Synthese, zitiert gleichermaßen die rhetorische Trias Sender-Text-Empfänger und kann aber auch als eine säkulare Trinitas Nietzsche-Gesprächspartner-Weimar interpretiert werden.“

Die Konstruktion: Die prämierte Arbeit wurde aber nicht nur auf Grund ihrer starken symbolischen Wirkung als Wettbewerbssieger gekürt, sondern auch wegen der äußerst einfachen und ökologisch sinnhaften Konstruktion, die zum größten Teil von den Studenten des Entwurfsseminars in Handarbeit erstellt werden konnte. Der große Anteil vollständig recycelbarer Papp- und Holzwerkstoffe unterstreicht den Anspruch eines ökologisch vertretbaren und nachhaltigen Gebäudes. Der Aufbau dauerte ca. zwei Wochen und wurde komplett von den beteiligten Studenten durchgeführt.

Die Nachnutzung:  Die ursprünglich geplante Standzeit von drei Monaten konnte das Bauwerk weit überschreiten. Nach erfolgreicher Überwinterung (siehe Fotos) erlebte er eine zweite Saison als Gesprächsort, begeisterte seine Besucher durch die angenehme Atmosphäre und interessanten Blickbeziehungen in die Umgebung. Nach der Demontage im Herbst 2011 wurde das Bauwerk an einem neuen Standort zusammengefügt und dient nun als Ausstellungsraum.

Blick aus Ost
Blick aus Ost (Photo: Stephan Schütz)
Blick aus Süd-Ost
Blick aus Süd-Ost (Photo: Stephan Schütz)
Geschlossene Türen
Geschlossene Türen (Photo: Stephan Schütz)
Innenraum
Innenraum (Photo: Stephan Schütz)
Deckenstern
Deckenstern (Photo: Stephan Schütz)
Nachtstimmung
Nachtstimmung (Photo: Stephan Schütz)
Nietzsches Gartenhaus im Winter
Nietzsches Gartenhaus im Winter (Photo: Stephan Schütz)
Das Team
Das Team

2009 - Screenhaus

Das Projekt: Im Studienjahr 2008/09 wurde an der Bauhaus-Universität Weimar ein solarbetriebenes Kino in interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen den Fakultäten Architektur und Bauingenieurwesen von zehn Studierenden und ihren Betreuern entworfen und errichtet. Zur Planung des Projektes wurden schon frühzeitig computergestützte Entwurfs-, Berechnungs- und Visualisierungswerkzeuge eingesetzt und ermöglichten einen reibungslosen Aufbau. Die computergestützte Generierung der Form und ihre Umsetzung in der Realität erfolgte in enger Zusammenarbeit mit Herstellern der Solarindustrie und verfolgte drei Ziele: 

  1. Die Planung eines leistungsfähigen, leichten und gestalterisch hochwertigen Tragwerks, welches in Eigenregie von den Studierenden und Mitarbeitern errichtet werden konnte.
  2. Die Schaffung eines signalhaften Bauwerks zur Verdeutlichung der Leistungsfähigkeit von Tragwerken aus linearen Holzelementen.
  3. Die Integration von biegsamen, der Form folgenden Solarmodulen zur energetischen Versorgung des Kinobetriebs.

Die effiziente Form: Screenhaus.SOLAR ist ein multimedial nutzbares Bauwerk mit der Form eines hyperbolischen Paraboloids. Diese mathematisch definierte, effiziente Schalenform kann aus stabförmigen Elementen zusammengesetzt werden, die gegeneinander verdreht im Raum angeordnet und punktuell verbunden sind. Dadurch wird es möglich, für den Bau der Tragstruktur kostengünstige Holzwerkstoffe, wie zum Beispiel einfache Latten oder in tropischen Gegenden Bambus zu verwenden. Diese linearen Elemente können auch von Nichtfachleuten unter Anleitung in kurzer Zeit montiert und zu einer komplexen Form aufgewertet werden. Die Latten waren leicht zu beschaffen und mussten vor dem Einbau konstruktiv auf die jeweils notwendigen Dimensionen verlängert werden. Die an den Fußpunkten auch bei rein vertikaler Belastung auftretenden horizontalen Auflagerkräfte werden innerhalb der Struktur mithilfe von Seilen kurzgeschlossen. Die benötigte Steifigkeit des Tragwerks wurde innerhalb der Schalenfläche durch Einbau von in Längsrichtung durchlaufenden Seilen erreicht. Am höheren Ende des Tragwerks wurde zur Erhöhung der Quersteifigkeit eine nach dem von Prof. Schlaich entwickelten Speichenradprinzip aufgelöste Scheibe installiert.

Die Hülle: Die Dichtigkeit des Bauwerks wurde durch Aufbringen einer farbigen Membran auf der Innenseite des Rostes hergestellt, welche punktuell an den verschraubten Knoten mit der Struktur verbunden ist. Der auf der Außenoberfläche sichtbar bleibende Lattenrost beeinflusste die Ablesbarkeit der geometrischen Form positiv. Auf der Innenseite bildete sich die Tragstruktur bei Sonnenschein als Schattenfigur der Stäbe auf der Membran und bei Dunkelheit durch das Raster der sichtbar bleibenden Schrauben ab. Das Bauwerk wurde mit einem durchgehenden Holzfußboden ausgestattet, welcher an den Enden als Eingangsgeste herausragt.

Die vielfältige Funktion: Im Inneren der Struktur wurde am breiteren Ende ein ergonomisch, binokular geformter Breitwand-Screen scheinbar schwebend aufgehängt, welcher zum integralen Bestandteil der Architektur avancierte. Während der SummaryXXL im Bauhaus-Jubiläumsjahr 2009 bot das Bauwerk, welches auch eine kleine Kaffee- und Cocktailbar enthielt, die Möglichkeit für verschiedenartige Freiluft- und Innenraum-Kinoveranstaltungen mit Lern- und Loungecharakter. Der Innenraum wurde außerdem auch für Ausstellungen, Vorträge, Konzertevents, Meetings usw. genutz.

Die solare Energie: Der eigentliche Clou des Screenhaus.SOLAR und Namensgeber sind jedoch die von CENTROSOLAR gesponsorten flexiblen Photovoltaikmodule, die auf die Wabenkonstruktion aufgebracht wurden. Anders als starre Panele passten sich diese Solarzellen der neuesten Generation an die gewölbte Gebäudeform an und umschlossen es wie ein Kleid. Tagsüber wandelten die Module das Sonnenlicht in elektrischen Strom um und speisten ihn in das interne Netz der Bauhaus-Universität Weimar ein. Das so erzeugte Energieguthaben wurde an den Abenden für den Kinobetrieb genutzt.

Die Eröffnung: Die Arbeiten konnten am 08.07.2009 abgeschlossen werden und am 09.07.2009 fand mit Band und DJ die feierliche Eröffnung statt. Im Rahmen der Jahresschau summaeryXXL der Bauhaus-Universität Weimar wurden Experimentalfilme des Bauhaus-Filminstituts (BFI) gezeigt. Seitdem wurde die Tauglichkeit des Kinos bei mehreren erfolgreichen Filmabenden und Events geprüft und hat sich als beliebter Treffpunkt auch ohne eine Bespielung mit Filmen etabliert.

Die Umsetzung: Das Projekt wurde im Jahr 2010 als ein Ort im Wettbewerb Land der Ideen ausgezeichnet. Hierfür wurde die leichte Konstruktion per Kran von ihrem ursprünglich, relativ versteckten Standort an eine prominente Position im Innenhof der Fakultät Architektur und Urbanistik umgesetzt.

Am neuen Standort konnte der Pavillon noch ein weiteres Jahr verweilen, bevor es im Herbst 2011 demontiert wurde. Alle verwendeten Baumaterialien konnten für neue Bauprojekte verwendet werden. Dadurch wurde der Anspruch der Verfasser, ein nachhaltiges und recycelbares Gebäude zu errichten, bestätigt.

Screenhaus.SOLAR mit Leinwand (Photo: Stephan Schütz)
Screenhaus.SOLAR mit Leinwand (Photo: Stephan Schütz)
Betrieb bei Nacht (Photo: Robert Held)
Betrieb bei Nacht (Photo: Robert Held)
Blick aus Nord (Photo: Stephan Schütz)
Blick aus Nord (Photo: Stephan Schütz)
Blick aus Süd (Photo: Stephan Schütz)
Blick aus Süd (Photo: Stephan Schütz)
Die offene Stirnseite
Die offene Stirnseite (Photo: Stephan Schütz)
Nächtliche Illumination
Nächtliche Illumination (Photo: Stephan Schütz)
Detail der Konstruktion
Detail der Konstruktion (Photo: Stephan Schütz)
Kinobetrieb (Photo: Jürgen Ruth)
Kinobetrieb (Photo: Jürgen Ruth)
Das Screenhaus.SOLAR im Winter
Das Screenhaus.SOLAR im Winter (Photo: Stephan Schütz)
Die Umsetzung mit Kran
Die Umsetzung mit Kran (Photo: Stephan Schütz)
Der neue Standort
Der neue Standort (Photo: Stephan Schütz)
Das Team
Das Team