Projektmodul | Große Häuser – Leipzig

Leipzig - Freiladebahnhof

Nach dem offensichtlichen Scheitern der funktionalistisch geprägten, disruptiven städtebaulichen Konzepte der Moderne ist das Leitbild der "Europäischen Stadt" inzwischen für die Weiterentwicklung unserer Städte die allgemein anerkannte Bebauung weitgehend determinierter Situationen, sondern auch für Projekte der Stadterweiterung.

Allerdings ist kaum zu übersehen, daß sich die Dimension der Investitionen vom einzelnen Haus hin zu deutlich größeren Einheiten verschoben hat. In den Begriffen und im Kontext europäischer Städte geht es nicht selten um ganze Baublocks, bisweilen sogar um völlig neue einer städtischen Bebauung. "Körnung" und eine als angemessen empfundene Maßstäblichkeit sind nicht mehr das selbstverständliche Ergebnis einer Reihung individueller Hausobjekte sondern sie werden zu einem architektonischen Thema.

Tatsächlich stellt sich das architektonische Problem des Großen Hauses , abhängig von der Größenordnung, in zwei typologisch durchaus unterschiedlichen Szenarien. Geht es um die Entwicklung eines ganzen Stadtteils, so wird der einzelne Block, das einzelne Objekt trotz seiner relativen Größe nur eines von vielen sein. Fragen der Gemeinsamkeiten und des Zusammenwirkens der Objekte treten in den Vordergrund und es stellt sich die zusätzliche Frage, ob das neue Quartier im Bezug auf die Stadt als Ganzes eine eigene Identität zu entwickeln vermag, die dann wieder umgekehrt den Zusammenhalt seiner einzelnen Teile sichert. Geht es andererseits um ein einzelnes Objekt in einem ansonsten schon weitgehend determinierten Kontext, so wird dieser durch das Bestehende bereits hinreichend charakterisiert erscheinen. Fragen der Einfügung aber auch die Rolle des Neuen in der Stadt, die Fähigkeit des Neuen, den Kontext neu und anders als bisher zu definieren, werden relevant sein.

Die grundsätzliche typologische Fragestellung soll hier am Beispiel vom ehemaligen Freiladebahnhof in Leipzig, vor allem in ihrer architektonischen Dimension, als Frage nach dem architektonischen Ausdruck, nach einem Charakter und dessen urbanen Qualität behandelt werden.

Über die Professur werden vorab 5 Entwurfsplätze vergeben. Bewerbung per Portfolio (analog oder digital) bis spätestens 30.09.2019 an Juliane Steffen (juliane.steffen[at]uni-weimar.de).

entwurfbegleitende Seminare:
Große Häuser – Fassaden
Große Häuser

Thomas Struth, Wilhelminenstraße Leipzig 1991