Bachelor Projekt

Denkmalensemble(s) - Möglichkeiten, Grenzen und Alternativen im Umgang mit dem städtebaulichen Erbe

Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Thüringen Bd. 4.2, hrsg. vom Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Altenburg 2009, S. 1118/1119.

Im einführenden Seminar "Stadt als Denkmal" ist u.a. anhand von Tilman Breuers Aufsatz zum Ensemble-Begriff im Bayerischen Denkmalschutzgesetz über das Ensemble als denkmalrechtliches Instrument für schützenswerte städtebauliche Konstellationen diskutiert worden. Daran anknüpfend sollen im Semesterprojekt die Grenzen und Möglichkeiten dieses denkmalrechtlichen Instruments, aber auch Optionen für alternative Erhaltungs- und Entwicklungskonzepte anhand von Beispielen in der näheren Umgebung erkundet werden. Es geht also um den Umgang mit flächenhaften Überlieferungen im städtebaulichen Maßstab. Diese wurden entweder als angelegte Anlagen oder als in mehreren Zeitschichten entstandene ("gewachsene") Strukturen unter Schutz gestellt. Dabei steht nicht die Bedeutung einzelner Bestandteile, sondern ihr Zusammenhang im Vordergrund. Dieser Zusammenhang ist dabei nicht nur historisch und/oder gestalterisch, sondern eben auch räumlich und/oder funktional. Neben architektonischen Qualitäten geht es dabei genauso um städtebauliche, stadtfunktionale und lebensweltliche Aspekte, weshalb hier die Urbanistik als denkmalpflegerische Disziplin gefragt ist.

Lernziele sind:
- Theorien und Instrumente einer städtebaulichen Denkmalpflege
- Erfassen, Erkennen, Erhalten von großflächigen Denkmalen
- Optionen des Umgangs im Spannungsfeld von Erben, Erhalten und Entwickeln
- Werte erkennen und Werte erhalten.

Die grundsätzlichen Fragestellungen werden konkretisiert anhand von zwei Beispielen in Thüringen. Es sind Ensembles, die den jeweils zuständigen Denkmalpflegebehörden Schwierigkeiten bereiten; praktische Probleme des denkmalpflegerischen Alltags lassen sich so mit grundsätzlichen denkmaltheoretischen und methodischen Fragen verbinden.

Szenarien:
- Denkmaleigenschaft einer Struktur/Stadtteil/etc. untersuchen
- bestehendes Ensemble nachinventarisieren/fortschreiben
- Ensemble bewahren (breites Spektrum der Instrumente und Strategien)

Beispiele:

Altstadtensemble Gera

Die Altstadt von Gera ist als Denkmalensemble ausgewiesen. In diesem Ensemble gibt es zahlreiche DDR-zeitliche Plattenbauten, die meistenteils als nicht denkmalkonstituierend eingeschätzt wurden. Es sind weiße Flecken im Ensemble. Inzwischen werden diese Altstadt-Platten aber auch anders gesehen und von Manchem als in irgendeiner Weise erhaltungswürdig eingeschätzt. Aber, in welcher Art erhalten? Und wie werden die Interessen der Haus- und Grundeigentümer angemessen berücksichtigt?
Im Projekt wird es darum gehen, sich mit dem Städtebau der Altstadt - einschließlich der Geschichte der städtebaulichen Bewahrung seit ihrer Entdeckung um 1900 - und der Denkmalensembleausweisung durch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie auseinanderzusetzen, durch eine eigene Neubewertung das Denkmalensemble fortzuschreiben und ggf. Planungs- und Vermittlungskonzepte zu entwickeln. Zu reflektieren ist das Spannungsfeld zwischen der Statik einer Denkmalbewertung und dem Prozess, dass einst als Störungen des Ensembles wahrgenommene Elemente mit der Zeit als konstituierender Teil davon gesehen werden.

Weimar, Gartenstadtsiedlung Großmutterleite

Die Gartenstadtsiedlung Großmutterleite wurde ab 1924 erbaut und ist als Denkmalensemble gelistet. Wie häufig bei Siedlungen, die unterschiedlichen Eigentümer*innen gehören, haben sich im Laufe der Zeit die einzelnen Objekte zum Teil stark und in jeweils unterschiedlicher Weise verändert. Die Folge ist eine schleichende Erosion der gestaltprägenden und denkmalkonstituierenden Eigenschaften.
Im Projekt wird es darum gehen, zu prüfen, in welchem Maß diese gegeben sind, Konzepte der Vermittlung der Qualitäten und Hinweise zu entwickeln, welche Veränderungen möglich und welche zu unterlassen sind. Schließlich ist auch hier die grundsätzliche Problematik der Denkmalbewertung in einem sich dynamisch entwickelnden Ensemble zu reflektieren und darüber nachzudenken, inwiefern der Prozess der Aneignung nicht auch Teil der Denkmaleigenschaft sein könnte.

Zielgruppe: B.Sc. Urbanistik

Leistungspunkte: 12 ECTS

Lehrende: Prof. Dr. phil. habil. Hans-Rudolf Meier | Dr.-Ing. Mark Escherich | M.Sc. Christine Dörner | Dipl.-Ing. Kirsten Angermann

Leistungsnachweis: Referate, textliche und zeichnerische Ausarbeitung von Analysen und Konzepten, ggf. Erarbeitung einer Projektbroschüre.

Beginn: 05.11.2020

Projekttag: Donnerstag