Forschungsgruppe Urban Heritage (UH)

Promotionskandidaten wurden von 2008-2012 in die Forschungsgruppe aufgenommen.

"Urban Heritage“ ist eine thematisch spezialisierte Forschungsgruppe innerhalb des bestehenden Internationalen Promotionsprogramms „Europäische Urbanistik“ (IPP-EU).

Die Forschungsgruppe widmet sich der Problematik des kulturellen Erbes im Kontext gegenwärtiger und zukünftiger Stadtentwicklung. Es ist thematisch innovativ, weil es mit einem erweitertem Begriff von „Heritage“ operiert, der über den Denkmalschutz und die geschichtsbewußte Stadtentwicklungspolitik hinaus die politische und gesellschaftliche Konstitution der Stadt in ihrer sozialen Integrationsfähigkeit und lokalen Demokratie als bewahrenswert erachtet. Gesucht wird nach Strategien und Ansätzen, die heutigen gesellschaftlichen Herausforderungen (Demografie, Mobilität, Globalisierung, Multikulturalität) für eine Weiterentwicklung des städtischen Erbes zu nutzen.

 

Profil der Forschungsgruppe
Dem Kulturerbe kommt im Zeichen von Globalisierung und Ortlosigkeit/Uniquität, aber auch im weltweiten Städtewettbewerb, eine  zunehmende Bedeutung zu. Allerdings wird, seit Architektur und Stadtplanung den Begriff des kulturellen Erbes und des Denkmals kennen, um dessen Definition gerungen. Was als schützenswertes Denkmal, was als entbehrliches Residuum vergangener Zeiten zu gelten hat, wird heute  indessen in einem deutlich unübersichtlicheren Feld ausgemacht als zu Zeiten unangefochtener nationalstaatlicher Institutionen. Die beteiligten Akteure sind mittlerweile Legion: neben den klassischen öffentlichen Institutionen und Berufsverbänden sind es allerlei private und privatwirtschaftliche Interessenvertreter, heterogene Ad-hoc-Bündnisse, aber auch weltweit agierende supranationale Institutionen. Zugleich wird die Legitimität der öffentlichen Denkmalämter verstärkt angezweifelt.

Auch Ansprüche und Ziele an das urbane Kulturerbe haben sich beträchtlich erweitert: Neben der Pflege einer bestimmten Vergangenheit im Sinne lokaler oder politischer Repräsentation treten immer öfter Imagebildung im Hinblick auf die Standtortkonkurrenz in den Vordergrund. Aber auch unter Gesichtspunkten der Ökologie sowie als Instrument sozialer Integration wird das städtische Erbe mobilisiert. Hinzu kommen neue Herausforderungen, die mit den beiden gegensätzlichen Begriffen von Schrumpfenden Städten einerseits und Mega-Cities andererseits nur als Schlagworte angesprochen seien.

Aber auch der Gegenstand selbst, also, was die Bezeichnung kulturelles Erbe der Stadt oder Denkmal verdient, wird in einer Weise erweitert, die bis vor wenigen Jahren noch kaum denkbar war. Dies gilt etwa für die Erweiterung auf das bauliche Erbe der Nachkriegzeit, womit die Produkte der späten Moderne in den Fokus der Auseinandersetzung rückten. Dies gilt aber auch für das Kriterium Authentizität, das soweit aufgeweicht wird, dass selbst hundertprozentige Rekonstruktionen als Pflege des kulturellen Erbes der Stadt gelten.

Schließlich erweitert sich im Zuge der städtebaulichen Diskussion der Begriff des Erbes vom Einzeldenkmal zum städtebaulichen Denkmal bis hin zur Position, die eine noch näher zu definierende Europäische Stadt als ein aus ökonomischen, sozialstaatlichen und ökologischen Gründen zu verteidigendes Erbe definiert.

Urban Heritage wurde finanziell unterstützt als PhD-Net Projekt des DAAD von 2008-2010 und wurde durchgeführt in Kooperation mit der Università Roma Tre, Dipartimento di Studi Urbani, Italien