Gründungskolloquium „green architecture experience“

Am 5. November 2013 fand der offizielle Gründungsakt des bauhaus.ifex statt. Im Rahmen der ganztägigen Veranstaltung mit dem Thema "green architecture experience" wurden Vorträge und Diskussionsforen zu aktuellen Herausforderungen in Entwurfs-, Planungs- und Bauprozessen sowie zur adäquaten Bauteilentwicklung unter dem Aspekt demographischer und energetischer Wandlungen geboten. Das Programm der Veranstaltung kann hier heruntergeladen werden.

Als vortragende Gäste konnten unter anderem gewonnen werden: R. F. Bode, atmosgrad° // Prof. Dr. D. H. Braun, RWTH Aachen // M. Breuer, Bauhaus-Universität Weimar // Prof. Dr. C. Englert, FLI e.V. // Dr. P. Geyer, TU München // A. Krombholz, Fraunhofer IWM // Prof. Dr. T. Lützkendorf, KIT // Dr. S. Ötsch, Universität Innsbruck // Dr. U. Palzer, IAB // Gastprof. A. Reich, gildehaus.reich architekten BDA // S. Schneider, FOGEB.

Die Referenten des Kolloquiums wurden gebeten, die Inhalte ihres Vortrags in je drei Thesen zu fassen:

Ralf F. Bode, atmosgrad°

  1. Nachhaltige Architektur muss integrativ sein. Fassade und Haustechnik sind die Bauteile der Zukunft!
  2. Architektur und Städtebau sind strukturelle Ansatzpunkte für eine dezentrale Versorgung mit Energieerzeugern und -speichern.
  3. Experimentelle Gebäude erzeugen Erfahrung und praktisches Know How und schaffen damit die Voraussetzungen für diese notwendigen Entwicklungen!

Prof. Dr. Christoph Englert, FLI e.V.

  1. In Zukunft müssen Erkenntnisse der Altersforschung ihren Weg in die Architektur und den Städtebau finden.
  2. Als experimenteller Wissenschaftler finde ich es äußerst spannend, dass das EXPERIMENT Einzug in die Architektur hält.
  3. Dem demografischen Wandel können wir am besten in der Zusammenarbeit zwischen Naturwissenschaftlern, Medizinern, Psychologen, Soziologen, Architekten und Städtebauern begegnen.

Dr.-Ing. Philipp Geyer, TU München

  1. Das digitale Experiment: Computermodelle und Simulationen erlauben eine wesentlich höhere Zahl von Experimenten als sie ohne diese Werkzeuge in der Realität durchzuführen wären. Daher spielen sie eine wesentliche Rolle für performance-orientiertes Bauen, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Allerdings bedarf das Computerexperiment immer der Kalibrierung an der Wirklichkeit.
  2. Interaktion der Disziplinen: Energetischer Wandel und Nachhaltigkeit erfordern in Architekturentwurf und Gebäudeplanung eine viel engere Interaktion der Disziplinen, als sie zurzeit praktiziert wird. Interdisziplinäre Entwurfsmodelle stellen hierfür eine Basis dar.
  3. Systemisches Denken: Das Gefüge der Abhängigkeiten zu begreifen, zu gestalten und zu flexibilisieren, ist eine wesentliche Qualität guter, nachhaltiger Architektur. Dies gilt sowohl auf abstrakter Ebene, wie z. B. für Stoff- und Energiekreisläufe, als auch auf Ebene der Konstruktion und Realisierung, wie z. B. im modularen Bauen.

Prof. Dr.-Ing. Thomas Lützkendorf, KIT

  1. Für die Erprobung neuer bzw. weiterentwickelter Bauprodukte, Konstruktionsprinzipien und Bauweisen war und ist das experimentelle Bauen im Maßstab 1:1 unverzichtbar. Die zu beachtenden Herausforderungen, Ziele und Perspektiven unterliegen dabei einer zeitlichen und inhaltlichen Dynamik. Momentan sind daher Themen wie Klimawandel, Ressourcenverknappung, demografischer Wandel oder z. B. die stärkere Beachtung des vollständigen Lebenszyklus zu berücksichtigen.
  2. Zusätzlich zum experimentellen Bauen werden Demonstrationsbauvorhaben benötigt, die neben der technischen Machbarkeit auch die Vorteilhaftigkeit von baulichen Lösungen nachweisen und gegenüber Dritten belegen. Die Beurteilung der Vorteilhaftigkeit schließt ökonomische und ökologische Fragestellungen mit ein und kann sich an den Themen einer Nachhaltigkeitsbewertung orientieren. Empfohlen wird eine bereits planungs- und baubegleitende Bewertung.
  3. Neben der unmittelbaren Beobachtung und Auswertung des gebauten Experiments empfiehlt sich ein Langzeitmonitoring, das Fragen der Erfassung des tatsächlichen finanziellen und technischen Aufwandes für Bau und Betrieb, der technischen Zuverlässigkeit sowie Nutzerfreundlichkeit und -zufriedenheit ebenso einschließt wie die Rückbau- und Recyclingphase.

Dr.-Ing. Ulrich Palzer, IAB Weimar

  1. Experimentelle Architektur erfordert Versuchsmessstände.
  2. Sichere Innendämmsysteme durch innovative Materialkombinationen.
  3. Speicher sind ein Muss für den zukünftigen regenerativen Energiemix.

Galerie

(Fotos: Tobias Adam)

Pressemitteilung der Bauhaus-Universität Weimar vom 6. November 2013

»bauhaus-institut für experimentelle architektur« an der Fakultät Architektur und Urbanistik gegründet

Am 5. November 2013 ist im Rahmen des Kolloquiums »green architecture experience« das »bauhaus-institut für experimentelle architektur« (bauhaus.ifex) gegründet worden. Das Institut wird sich künftig baulichen Experimenten im Maßstab 1:1 widmen.

»Das Wort ›Experiment‹ im Institutsnamen bedeutet, dass wir ergebnisoffen an unsere architektonischen Entwürfe herangehen. Wir schätzen, was das Bauhaus hervorgebracht hat, nehmen uns aber auch die Freiheit, diese Dinge weiterzuentwickeln und an heutige Anforderungen anzupassen«, so Prof. Jürgen Ruth, einer der Gründungsdirektoren des bauhaus.ifex. »Angesichts der großen demografischen und energetischen Herausforderungen an die Architektur hat sich das Institut vorgenommen, seine baulichen Experimente so attraktiv zu gestalten, dass künftig auch bei Anderen die Lust am Experimentieren geweckt wird«, so Ruth weiter.

Das Institut stellt den Verbund der entwerfenden und konstruierenden Architektinnen und Architekten an der Fakultät Architektur und Urbanistik dar und ist mit verschiedenen Vertretern der drei weiteren Fakultäten der Bauhaus-Universität Weimar stark vernetzt. Es bietet einen organisatorischen Rahmen für die kooperative Erarbeitung von Lehr- und Forschungskonzepten auf Basis des breitgefächerten Know-hows aller beteiligten Professuren.

Gründungsmitglieder des Instituts sind die Professuren Entwerfen und Wohnungsbau (Prof. Mag. Arch. Walter Stamm-Teske), Tragwerkslehre (Prof. Dr.-Ing. Jürgen Ruth), Entwerfen und Tragwerkskonstruktion (Prof. Dipl.-Ing. Arch. Rainer Gumpp), Informatik in der Architektur (Prof. Dr.-Ing. Dirk Donath), Entwerfen und Raumgestaltung (Prof. Dipl.-Ing. José Mario Gutierrez Marquez), Entwerfen und Baukonstruktion (Prof. Mag. Arch. Michael Loudon), Bauformenlehre (Prof. Dipl.-Ing. Dipl.-Des. Bernd Rudolf) sowie die Experimentellen Werkstätten Architektur (Dr.-Ing. Christian Hanke). Prof. Walter Stamm-Teske und Prof. Jürgen Ruth sind Gründungsdirektoren des Instituts.

Dekan Prof. Rudolf kommentierte die Veranstaltung während des offiziellen Gründungsakts am Abend mit den Worten: »Ich danke allen am bauhaus.ifex Beteiligten für diesen furiosen Start. Das neu gegründete Institut wird gespeist aus Initiativen aus dem Kontext der Fakultät Architektur und Urbanistik. Nun ist dieses Engagement institutionell verankert.«

Für Rückfragen können Sie sich gern an Gabriela Oroz, Referentin für Fakultätsmarketing an der Fakultät Architektur und Urbanistik (E-Mail: gabriela.oroz[at]uni-weimar.de) oder Claudia Weinreich, Pressesprecherin der Bauhaus-Universität Weimar (E-Mail: presse[at]uni-weimar.de) wenden.

Programmflyer