Themen

Die einzelnen Themenfelder des Denkraum.Bauhaus ziehen sich in neun Strängen durch den Kongress. Es ist für die Kongressteilnehmenden vorgesehen, sich kontinuierlich einem Themenfeld und den dazu angebotenen Veranstaltungen zu widmen. Die Einwahl in das jeweilige Format ist mit einer verbindlichen Anmeldung möglich.

I Komplexität erfahren
II Komplexität gestalten

In den Themenfeldern Komplexität erfahren und Komplexität gestalten wird nach der Relevanz der Wahrnehmungs-, Form-, und Materiallehre des Bauhauses für eine zeitgemäße ästhetische Bildung in Schule und Hochschule ebenso gefragt wie nach der Qualifizierung zukünftiger Nutzender zur aktiven Teilhabe an Entwurfs- und Gestaltungsprozessen durch den Kunstunterricht sowie durch Angebote der außerschulischen kulturellen Bildung.
Darüber hinaus wird aber auch die Frage nach dem Wesen der Dinge und deren Einflussnahme auf den Menschen und den Alltag gestellt, die am Bauhaus jene Vision begleitete, über das Objekt den besseren Menschen zu formen. Ob das Bauhaus dieser Zielsetzung durch eine tatsächliche Bezugnahme auf die Bedürfnisse des Menschen und seine technischen Entwicklungen gerecht wurde und inwiefern das kunsthandwerkliche Design-Verständnis noch heute zeitgemäß ist für eine professionelle Qualifizierung zukünftiger Gesellschaftsgestalter in Kunst und Design, wird ebenso verhandelt wie die Frage, welches Verständnis von Design und Entwurf wir heute daraus schlussfolgern.

III Moderne Haltung bilden
IV Moderne Haltung befragen

In den Themenfeldern Moderne Haltung bilden und Moderne Haltung befragen steht die Auseinandersetzung mit einer entwickelten Rezeptionskultur zu vergangenen und gegenwärtigen Veränderungen einer Gesellschaft einschließlich ihrer Kultur und Künste im Mittelpunkt. Die Ursachen der Entwicklung eines neuen Denkens als Ergebnis historischer Erfahrungen werden am Beispiel des Bauhauses verhandelt. Damit verbunden ist die Frage nach der aktuellen Relevanz einer hundertjährigen Idee der Rationalisierung des Lebens und der daraus resultierenden Formung des Menschen durch technische Orientierung und Formsprache für eine zeitgemäße ästhetische Bildung.

V Virtuelle Realitäten verantworten

Im Themenfeld Virtuelle Realitäten verantworten wird der Frage nachgegangen, welche Potentiale mit der Neukontextualisierung von Dingen der ‚echten Welt‘ im virtuellen Raum einhergehen, welche neuen Wege der Wahrnehmung mit den digitalen Aneignungs- und Teilhabeprozessen verbunden sind und welche Verantwortung Vermittelnde, Gestaltende, Kunstschaffende sowie Entwerferinnen und Entwerfer tragen. Dazu wird die Relevanz der Hochschullehre wie des Kunstunterrichts und der außerschulischen kulturellen Bildung für die Befähigung zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit digitalen Technologien diskutiert. 

VI Öffentlichkeit und Gemeinschaft pflegen

Das Bauhaus als Lern- und Lebensraum wird im Themenschwerpunkt Öffentlichkeit und Gemeinschaft pflegen verhandelt. Damals wie heute an der Bauhaus-Universität Weimar war das tägliche Miteinander durch den Leitgedanken einer starken Beteiligungskultur der Studierenden geprägt. Diese fand ihren Ausdruck in internen privaten Festen und Zusammenkünften der Bauhausschüler*innen (spontan, anarchisch, dionysisch) sowie in öffentlichen Bauhausabenden (szenografisch gestaltet, durchkomponiert). Welche Beziehung zwischen alltäglichen Formen der Selbstinszenierung und jugendkultureller Festformate und den Phänomenen Theater, Bühne und Fest am Bauhaus und heute bestehen und welches Potential das Performative als Erkenntnisform und -prozess innehat, wird in diesem Themenfeld bearbeitet. 

VII Material begegnen

Der Gestaltungsprozess konzentriert sich nicht nur auf die gestaltete Form selbst, sondern schließt die Befragung und Entwicklung von Verfahrensweisen, Produktionsmitteln und Materialien ein. Das Experiment, die Infragestellung bisheriger Nutzungen und bestehender Strukturen bestimmen daher den Designprozess. Zudem stellt die anhaltende Entwicklung neuer Materialien eine ebenso große Herausforderung dar, wie die eigene notwendige Beteiligung am Entwicklungsprozess dieser. Dabei kommt durch digitale Materialien eine weitere Erkenntnis- und Entwicklungsebene hinzu, durch die sich ethische Fragen anders stellen als zur Zeit des Bauhauses. Die Frage nach unserem heutigen Materialbegriff bestimmt daher den Diskurs im Themenfeld Material begegnen. In welcher Form sich dieser vom jenem des Bauhauses unterscheidet und welche Relevanz die Verhandlung von Materialerfahrung in der sozialen Begegnung für die Entwicklung eines gemeinsamen Vokabulars zur Decodierung bzw. Entwicklung zeitgenössischer Form- und Bildsprachen hat, wird ebenso thematisiert wie Impulse zur Materialerfahrung und kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema Materialethik gegeben werden. 

VIII Räume bilden
IX Räume und Resonanzen erzeugen

Gestalter zu bilden bedeutet sich jener Erfahrungs- und Dingwelten bewusst zu werden, welche die Menschen Gestalter zu bilden bedeutet sich jener Erfahrungs- und Dingwelten bewusst zu werden, welche die Menschen nicht beschreiben können, aber deren Sinnhaftigkeit mit ihrem Erscheinen außer Frage steht. Beobachtung, Neugierde und die Fähigkeit zum Wechsel zwischen Gestalter- und Nutzerperspektive sind wesentliche Bildungsziele, um eine zukunftsfähige Generation von Entwerfer*innen, Gestalter*innen, Künstler*innen und Vermittler*innen zu gewinnen. Dabei ist die Gestaltung von Wirklichkeit nicht auf die Dingwelt zu reduzieren, sondern umfasst ebenso sämtliche soziale wie räumliche Konstruktionen.
Inwiefern das Bauhaus auf eine als historisch empfundene Formsprache mit zeitgemäßen architektonischen Alternativen ebenso reagierte wie mit einer auf technischen Innovationen gründenden Produktkultur wird in den Themenfeldern Räume deuten und Räume und Resonanzen erzeugen diskutiert. Welche Vorstellungen von Raum den Entwurf im Bauhaus und heute prägen und welche Folgen diese für die Lehrinhalte und Lehrprogrammatik in der Professionalisierung zukünftiger Architektinnen und Architekten, Designerinnen und Designerinnen sowie Kunstpädagoginnen und Kunstpädagogen haben, sind Fragen, die den Diskursraum bestimmen werden.