Zwischen Energy Drinks und 3D-Druckern

Erstellt von Sarah Schonert |

Maker sind Bastler, Erfinder und Tüftler. Sie suchen Lösungen für Nischenprobleme. Sie wollen selbst ausprobieren und neue Sachen entwickeln. Dabei geht es weniger darum, neue Produkte zu vermarkten und daran zu verdienen. Eher liegt das Augenmerk darauf, neue Dinge zu lernen, Gelerntes an eine Gemeinschaft weiter zu geben und gemeinsam im Austausch zu stehen.

Im Bauhaus.Semester befassen sich Studierende im Projektmodul „Maker Movement und Mikroindustrialisierung“ mit der Kulturalisierung des Ökonomischen. Aus dieser Entwicklung hat sich in den letzten Jahren eine extreme Ökonomie mit wenigen Monopol-Firmen etabliert, wie beispielsweise Google und Apple. Als Kontrast entwickelt sich weltweit die Bewegung des Maker Movement, das für eine individuelle, persönliche Produktentwicklung steht. Für die Projektwerkstatt teilen sich die Studierenden in kleine Gruppen, um selbst als Maker zu arbeiten. Sie sollen eine eigene Idee entwickeln und umsetzen. Das Modul wird vom Lehrstuhl Medienmanagement und der Gründerwerkstatt neudeli angeboten.

Das Maker Movement lebt vom interdisziplinären Austausch und der gemeinsamen Arbeit an neuen Ideen. Dafür haben die Maker überall auf der Welt ihre eigenen Werkstätten eröffnet, die Maker Spaces. Sie sind, meist gegen einen kleinen Beitrag, öffentlich zugänglich und in der Regel mit 3D-Druckern und Lasercuttern ausgestattet. „Ich stelle mir unter einem Maker Space eine Werkstatt vor, am besten im Keller und ganz klein. Überall stehen Energy Drinks, es herrscht Chaos und die Tische haben lauter Gebrauchsspuren“, erzählt Medienkultur-Studentin Victoria. Neugierig, ob sich diese Vorstellung erfüllt, besuchen sie und ihre Kommilitonen zu Beginn der Lehrveranstaltung die Lichtwerkstatt Jena, einen Maker Space auf dem Beutenberg-Campus der Friedrich-Schiller-Universität Jena.  

Die Lichtwerkstatt Jena ist ein Open Photonics Maker Space. Der Schwerpunkt liegt vor allem auf Licht und Photonik, aber die Werkstätten stehen auch anderweitig Interessierten offen. Im Gegensatz zu Victorias Vorstellung befinden sich die Werkstätten nicht im Keller, sondern in einem modernen Universitätsgebäude. Die Räume sind weiß gestrichen und werden hauptsächlich von den großen Maschinen eingenommen. Für kreatives Chaos bleibt da wenig Platz. Genauso wenig für Energy Drinks. Sabine Best, zuständig für die Kommunikation des Maker Spaces erklärt: „Ein Kern dieses Maker Spaces ist es, zu erforschen, wie unterschiedliche Menschen, Bastler, Tüftler, auf Ideen kommen und anfangen, diese umzusetzen. Wir möchten diese Innovationsprozesse begleiten.“

Heute sind die Studierenden die Maker. Ein studentischer Mitarbeiter der Lichtwerkstatt zeigt an einem 3D-Drucker wie dieser funktioniert und erklärt die Grundlagen. „Auf den 3D-Druck freue ich mich schon. Meine Gruppe möchte auf jeden Fall damit arbeiten! Bisher weiß ich aber nicht, wie das funktioniert“, erzählt Lisa, Studentin der Medienkultur. Sie und ihre Gruppe möchten ein vollkommen automatisiertes Pflanzenbewässerungssystem für den eigenen Haushalt herstellen, welches das Gießen der Pflanzen selbstständig und ohne menschliches Zutun übernimmt.
Im Workshop lernen die Studierenden in gemeinsamer Arbeit, wie mit verschiedener Software aus einfachen geometrischen Figuren Modelle für den Druck entstehen können. Für Begeisterung sorgen die Experimente mit einem 3D-Stift, mit dem Zeichnen in drei Dimensionen möglich ist.  

Motiviert von der Exkursion fahren die Studierenden zurück nach Weimar, um an ihren eigenen Ideen zu tüfteln. Ihre Erfahrungen – Erfolgserlebnisse, aber auch Rückschläge – teilen sie in regelmäßigen Blogbeiträgen.

 

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Oliver versucht sich am 3D-Stift. Foto: Sarah Schonert.
Ein Arbeitsplatz in der Lichtwerkstatt Jena. Foto: Sarah Schonert.
Studierende beim Workshop zum 3D-Druck. Foto: Sarah Schonert.