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fachkurs Metamorphadelic
Dr.Silke Opitz | DI Stefan Kraus - Ws07/08

Menschen werden zu Bäumen oder Tieren,
ein Halbgott zu einem Sternbild und eine Statue lebendig....


Ovid (Publius Ovidius Naso, 43-18/17. v. Chr.) hält mit seinen „Metamorphosen“ mehr als ein Handbuch der kunstvollen Verwandlungen bereit. Seine hierin beschriebene Schöpfungsgeschichte, vor allem eben die Transformation von Chaos in einen Zustand, den man gemeinhin „Ordnung“ nennt, hat Moritz Wehrmann, Haye Heerten und Konstantin Knust zu einer komplexen Installation inspiriert, deren ephemeres Material Eis unter den projizierten Bildern schmilzt und somit auch diese verschwinden lässt.

Kathrin Bähring widmet sich der ihren Körper verlierenden, nur noch als akustisches Signal auf die Schönheit des Narziss antwortenden Nymphe Echo ebenfalls fachkursgerecht mit einer Bildprojektion, während Ignasio Mendez mit einem visuell bespielten Wandrelief die Metamorphose als Prinzip thematisiert. Johannes Hafner setzte die Geschichte des Königs Midas um und macht in einer technisch aufwendigen Installation plausibel, wie Binsenweisheiten entstehen. Die traurige, inzestöse Story der Myrrha, die ihren Vater liebt und heiß begehrt, ist in der Übersetzung der lateinischen „Metamorphosen“ durch den „Goethe-zeitigen“ Johann Heinrich Voss zensiert – Daniel Konrad indes führt sie vor: live und in Farbe.

Die Arbeiten sind am 2.Februar 2008 von 17.00-24.00 Uhr
in der Galerie Eigenheim in Weimar zu sehen.


Daniel Konrad : Myrrha


Einen jeden verwandeln die Götter so wie er es verdient. Unerlaubte Gefühle haben Myrrha schuldig werden lassen. Für sie konnte das junge Mädchen nichts aber sehr wohl für ihren Frevel. So ist ihre Metamorphose Erlösung und Strafe zugleich - eine Rettung voller Leid.

--> Konzept [PDF]


Haye Heerten, Konstantin knust, moritz wehrmann : chaos01


chaos01 ist eine vergehende Videoskulptur,
die sich mit dem Übergang zwischen Ordnung und Chaos beschäftigt.

„Anderes war dem anderen Feind:
in ein und dem selbigen Körper übete
Kaltes den Kampf mit dem Hitzigem,
Feuchtes mit dem Trockenen,
Weicheres mit dem Harten,
und Lastendes gegen das Leichte.“

Ovid, Metamorphosen, 1.Buch

johannes hafner : die binsenweisheit

Keiner hat es gesagt, doch jeder weiß es: König Midas hat Eselsohren. Nur der Frisör des von Apoll bestraften wusste von den schamhaft versteckten Ohren und nicht richtig, wie er damit umgehen sollte. In seiner Not gräbt er ein Loch, brüllt sein Wissen hinein und schaufelt es schnell wieder zu. Aus dieser Stelle wachsen die Binsen, eine Art Pflanze gewordenes Speichermedium, und raunen das gehörte weiter.


Ignasio Mendez : Pulsierende Schöpfung (Wiedergeburt)


kathrin bähring : echo 6 narciss

Narcissus, Sohn der Nymphe Liriope und des Flussgottes Cephisos, bezauberte zeitlebens Jünglinge wie auch Jungfrauen.

Narcissus alterte langsamer, um 5-10 Jahre langsamer als seine Altersgenossen, so sah er immer etwas jugendlicher und schöner aus als alle anderen. Entsprechend gross war auch der Stolz des Jünglings und er wehrte jegliche Annäherung von Jünglingen oder Jungfrauen ab. So eben auch; die in ihn, untröstlich verliebte Echo. Echo „war Leib noch, nicht nur Stimme“* aber nur wiederhallender Weisse. Diese verdankt sie Juno, die sie, durch ihr beschwatzen, davon abhielt ihren Gatten Jupiter wiedermal in „Gemeinschaft williger Nymphen“* zu ertappen. Sie strafte Echo mit einer Stimme die nur „am Rande des Redens, die gehörten Worte verdoppelnd“* wiedergebend, stattfand. Als sie nun den Jüngling durch „buschige Lager des Wildes Schweifen sah“* und sich unendlich verliebte je näher sie ihm ward, versuchte sie ihn anzusprechen, ihn zu überschütten mit ihren liebeserfüllten Worten. Doch alles vergebens, kein Wort klang in des Jünglings Ohr. Sie ward aufgefordert auf ein erstes Wort seinerseits zu warten um dieses innigst, wenn auch dasselbe wieder geben zu können. Narcissus der sich verfolgt fühlte hielt inne und rief: „Ist einer allhier? und: Allhier! antwortete Echo“*. Nach langem Hin und Her oder monologisch verfechtetem Dialog ward Echo es leid und trat aus „dichtem Gesträuch“*, „mit dem Arm den Ersehnten umschlingend“*. Der aber entzog sich und flieht. Verachtet zieht sich Echo in eine Höhle im Wald zurück. Magert ab, wird zu Laub und dann langsam zu Stein. In einen Felsen verwandelt lauscht sie seither dort im Wald und nie gesehen, hört sie alleund wird von allen als Wiederhall der eigenen Worte gehört.

Ameinias, einer der Zurückgewiesenen verfluchte Narziss, dass auch er die Qualen einer unerwiderten Liebe erleiden müsse. Dies erhörte die rhamnusische Göttin und gab Beifall für diese angemessene Idee einer Bestrafung. An einer Quelle die Narcissus oft seiner Schönheit und Ruhe wegen besuchte verliebt er sich hingebungsvoll in sein eigenes Spiegelbild. „Alles bewunderte er selbst, was er selbst der Bewunderung darbeut .Sich verlanget der Tor; und der Lobende ist der Gelobte.“* Dies soll die Gnade oder auch Strafe sein die er zu erleiden hat. Er gibt sich grenzenlos hin, hungert und stirbt schliesslich an dieser Quelle. Die letzten Worte waren: „Ach umsonst geliebter Knab!“* und es hallte noch aus Echos Munde: Leb wohl! Auch wehklagten Dryaden und zur Wehklag hallet Echo. Sie kamen um den Leib des Jünglings zu bergen aber sie fanden nur ein gelbliches Blümlein!


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