„Logik
der Farben“
Seit der Frühen Neuzeit wächst und wächst das Wissen von
den Farben über alle Disziplingrenzen hinaus. An dieser Entwicklung
sind Medien in mehrfacher Hinsicht beteiligt: Sie sind sowohl eine Voraussetzung
für die Erforschung der Farben in experimentellen Praktiken als auch
eine Bedingung für die Produktion, Übertragung und Speicherung
von Farben.
Das Seminar soll anhand theoretischer Texte und Arbeiten der bildenden
Kunst einen medienhistorischen Überblick zur Farbe erarbeiten und
nimmt dabei seinen Ausgang mit der Frage, wie Medien die Herstellung von
Farben ermöglichen, deren Wahrnehmung organisieren und Farbtheorien
anleiten. Anhand von ausgewählten Konstellationen soll rekonstruiert
werden, wie sich ein Wissen von den Farben aus dem Zusammenspiel von Theoremen
der Ästhetik, der psychophysiologischen Erforschung der Farbwahrnehmung,
der Erkundung von Farbmaterialien und künstlerischen Arbeiten herausgebildet
hat. So wirft etwa der Streit der Konturisten und Koloristen über
den Vorrang von Zeichnung oder Farben die Frage nach der Medialität
von bildender Kunst auf; die Erforschung der Farbwahrnehmung eröffnet
die Frage nach deren medialen und psychophysiologischen Voraussetzung;
die Problematisierung von Sprache als Verständigungsmittel führt
zu der Frage nach den Regeln der Diskursivierung von Farben; und die Entdeckung
der Lichtfarbe in Unterscheidung von Farben, die an Pigmente oder an sonstige
gefärbte Materialien gebunden sind, stellt nochmals in anderer Weise
die Frage nach der Medialität der bildenden Kunst. Dass aber Farben
immer wieder die Systematisierungen und Ordnungen, die sich ihrer zu bemächtigen
versuchen, fliehen, wird gerade an künstlerischen Arbeiten, die die
Medialität wie Singularität der Farben aufzeigen, sichtbar.
Man weiß nicht, was die Farbe alles vermag.
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Cassandra Mehlhorn,
2003
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