Initiative für Raum und Resilienz

Was ist Resilienz?

Der Begriff „Resilienz“ wurde erstmalig in den 1970er-Jahren verwendet und hat seinen Ursprung im Fachgebiet Psychologie. Hier bezeichnet er die Fähigkeit des Menschen, sich nach tiefen Krisen, eigenständig zu erneuern, im Sinne von Selbstregulation. Neben der Psychologie wird das Thema Resilienz für andere Disziplinen adaptiert und in neuen Zusammenhängen verwendet, wie beispielsweise in den Ingenieurswissenschaften, Infrastrukturforschung, Ökologie, Ökonomie und Sozialwissenschaften. Auch wenn Konnotation und Verwendung des Begriffs differieren, ist im Kern des Begriffs immer dasselbe gemeint: Die Fähigkeit eines Systems, auf Krisen und Störungen reagieren zu können, sich selbst zu erneuern ohne sich grundlegend zu verändern (Newman 2009, S.6). Anders gesagt: Die Fähigkeit einer konsequenten Veränderung innerhalb des bestehenden Systems als Zweck der Selbsterneuerung.

Mit der Forschungsarbeit der Randgruppe wird versucht, die Definition von Resilienz im Hinblick auf Planung neu zu justieren. Ein Perspektivenwechsel, sich vom klassischen Wachstumsdenken zu verabschieden, ist von Nöten. Bei genauerem Hinsehen offenbaren sich neue Sichten auf Regionalentwicklung und Planung. Dem Begriff Resilienz ist inhärent, kein starres System zu sein, da eine schnelle und adäquate Anpassungsfähigkeit wesentlich ist. Resilienz ist demzufolge als ein dynamisches Gleichgewicht zu verstehen. Im Näheren bedeutet dies, den Blick zu weiten, um zu erkennen, dass andere Parameter die entscheidende Rolle für resiliente Strukturen spielen können. Damit ist eine Neuausrichtung von bestimmten Werten gemeint. Verbunden mit lokalen Werten und Wertvorstellungen ist zum Beispiel raumbezogene Identität und scheint essentiell für resiliente Strukturen. Diese kulturellen Werte spielen für resiliente Strukturen eine entscheidende Rolle . In resilienten Strukturen ist folglich der ursprüngliche Zustand vor einer Krise zwar Ausgangspunkt für einen Wandel, aber nicht das wieder zu erreichende Ziel. Resilienz ist vielmehr ein Transformationsprozess, der bestehende Strukturen aufgreift und sie überführt in widerstandfähige und damit zukunftsweisende Formen. Der Begriff Resilienz steht weitaus mehr im Kontext der Innovation als der Reaktion. Die dynamische Ausgestaltung des Transformationsprozesses steht für die eigentliche Selbsterneuerungskraft einer Siedlung oder Region. Damit geht eine Veränderung des Gesellschaftsbildes einher. Resilienz erweist sich als eine gesellschaftsverändernde Kraft.

 

Quelle:

Newman (2009). Resilient Cities: Responding to Peak Oil and Climate Change, Washington.