Initiative für Raum und Resilienz

Resilienzkriterien

Das Gleichgewicht setzt sich nach bisherigen Untersuchungen aus folgenden gegenüberstehenden Begriffspaaren zusammen: Autarkie und Austausch, Redundanz und Vielfalt, Kompaktheit und Dezentralität, Stabilität und Flexibilität (Randgruppe 2011, S.43-44.).

Autarkie und Austausch: Um nicht auf Ressourcen auf globaler Ebene angewiesen und von globalen Einflüssen abhängig zu sein, ist Selbstgenügsamkeit und Selbstständigkeit von Städten und Dörfern bedeutsam. Eine reine Selbstbezogenheit wäre jedoch fatal, durch fehlenden Austausch können Bedrohungen leicht übersehen werden und im Fall einer Krise, Hilfe durch andere nicht gewährleistet werden. Der Austausch von Gütern sollte vornehmlich auf lokaler Ebene stattfinden, beschränkt auf Nachbarstädte und Dörfer in unmittelbarer Nähe. Die Basis dafür ist ein gut funktionierender Kontakt- und Informationsaustausch. Das Augenmerk liegt nicht auf der Globalisierungsdynamik, sondern auf den mehrfach funktional verflochtenen Umlandgemein den. Die Institutionalisierung regionaler Kooperation ist wichtig, um sich auf die regionalen Strukturen stützen zu können.

Redundanz und Vielfalt: Während redundante Systeme zur Funktionsstabilität und Sicherung von Ressourcen im Falle einer Veränderung beitragen, muss auch ein vielfältiges Angebot vorhanden sein, damit keine Orientierungslosigkeit und ein Mangel an Identität entstehen können.

Eine Vielfalt in den unterschiedlichsten Bereichen wie Geschäftszweige, Arten, Nachrichtenquellen, Vernetzungen, Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, Institutionen, etc. ermöglichen eine schnelle Reaktion und Flexibilität.

Kompaktheit und Dezentralität: Eine kompakte und kleinteilige Organisation und Struktur wird als wichtig erachtet. Während Kompaktheit auf der einen Seite für kurze Wege sorgt und somit die Effizienz erhöht, können hier Systeme am empfindlichsten getroffen werden. Dezentralität sorgt dafür, dass Ressourcen optimal verteilt sind und eine Versorgung nicht gefährdet wird. Komplexe Systeme lassen sich nicht nur aus zentraler Sicht als Ursache-Wirkung-Kausalitäten analysieren. Zu beachten ist die Dynamik: Während zentral eine Lösung erstellt wird, hat sich das Problem bereits verändert.

Stabilität und Flexibilität: Hinsichtlich der Planung ist es erforderlich, einen Ausgleich zwischen der Festlegung der wesentlichen Themen und einer flexiblen Planungsstruktur zu schaffen, um Anpassungen zu ermöglichen. Die Anpassungsfähigkeit an wechselnde Umstände lässt die Basisstruktur und Funktion des Raumes weiterbestehen. Die flexible Struktur hält das Netz elastisch, das heißt die Infrastrukturen müssen in ihrer Form vielfältig und damit auch flexibel sein. Starre Formen wären da nur hinderlich. Auch die Reaktionsfähigkeit spielt neben der Stabilität eine existenzielle Rolle. Die gewisse Stabilität ermöglicht es, überlegt zu handeln und bietet eine langfristige und vorausschauende Versorgung.

Ausgehend vom ausgeführten Resilienzverständnis, den unterschiedlichen Herangehensweisen und Deutungen des Begriffes, ergibt sich diese Dualität der genannten Faktoren, welche eine resiliente Lebensweise ausmachen. Die Suche nach Resilienz ist demnach auch die Suche nach dem vernünftigen Verhältnis der Kriterien zueinander, ein Balanceakt und ein Abwägen der Gesichtspunkte. 

 

Quelle:

Randgruppe (2011): Wieder ein Modewort – Resilienz. In: Planerin 5/11, S. 43-44