PROJEKTBESCHREIBUNG
Systemanalytisch und ökobilanziell eingebettete
Entwicklung von Geopolymerbindern
Veranlassung
Das Tandem Programm der VW-Stiftung fördert Forschergruppen die
gemeinschaftlich an einem fachübergreifenden Projekt arbeiten.
Gefördert wird die enge Zusammenarbeit zu Fragestellungen, denen
bislang in etablierten fachübergreifenenden Kooperationen nicht
nachgegangen wird.
Projektidee
Das Projekt basiert auf einer solchen fächerübergreifenden
Kooperation in der Materialentwicklung von Geopolymeren zum Einsatz
im Bausektor. Die Besonderheit dieser Kooperation liegt in der Kombination
üblicher funktions- bzw. eigenschafts- und prozessorientierter
Materialentwicklung mit systemanalytischer, lebenszyklusorientierter
Fundierung der Entwicklungsschritte im Anwendungsbezug.
Entsprechend ist die Forschergruppe aus Post-Doktoranden zusammengesetzt,
die im Fach Bauchemie (A. Buchwald: Kompetenzbereich Geopolymere), im
Fach Industrielle Stoffkreisläufe (M. Weil: Kompetenzbereich Stoffstromanalysen
und Ökobilanzen von mineralischen Baustoffen, insbesondere Beton
sowie ökobilanziellen Untersuchungen zu innovativen Recyclingverfahren
in Entwicklung) und im Fach Baustoffe (K. Dombrowski: Kompetenzbereich
Dauerhaftigkeit von Zementbetonen und Gesteinskörnungen) promoviert
haben.
Im Projekt werden Fragen des Materialkreislaufs und des Umweltnutzens
durch Umweltbilanzierung in geeigneten Vergleichssystemen unter Berücksichtigung
des Energieeinsatzes bei Herstellung und Nutzung der Materialien sowie
ihrer Rezyklierbarkeit gleichberechtigt wie die Fragen der Entwicklung
der Eigenschaften der Materialien im Hinblick auf die vorgesehenen Anwendungen
behandelt.
Damit wird der Versuch unternommen, die herkömmliche Rangfolge
der Materialentwicklung zu durchbrechen und Materialien unter dem heutigen
Nachhaltigkeitsanspruch mit darauf angepassten Methoden zu entwickeln.
Die Geopolymere bestehen aus einer Feststoffkomponente (Bindemittel)
und einer Flüssigkeitskomponente (alkalischer Aktivator). Als Feststoffkomponente
dienen reaktionsfähige silikatisch-aluminatische Stoffe, die sowohl
aus primären mineralischen Rohstoffen als auch aus mineralischen
Reststoffen gewonnen werden können. Wie die primären Rohstoffe
können auch die Reststoffe mit unerwünschten Beimengungen
an Problemstoffen, z.B. Schwermetallen, befrachtet sein. Moderne Baustoffentwicklung
muss daher neben bautechnischen Vorteilen von Anfang an gewährleisten,
dass Schadstofffrachten auf lange Sicht kein Umweltproblem darstellen,
sowohl bei der Kreislaufführung als auch bei einer späteren
Deponierung.
Aus den zahlreichen möglichen Feststoffkomponenten zur Herstellung
von Geopolymeren für bestimmte Anwendungen sollen durch systemanalytische
Untersuchungen dieser Anwendungen und ökobilanzielle Vergleiche
mit den herkömmlichen Systemen die technisch, ökonomisch und
ökologisch vorteilhaften Kandidaten zur weiteren Entwicklung ausgewählt
und fortlaufend überprüft werden. Damit verbunden ist auch
die Aufgabe, die Methodik der Ökobilanz auf die in vielerlei Hinsicht
noch ergebnisoffene Materialentwicklung anzuwenden bzw. anzupassen und
vice versa.
Dr.-Ing. Anja Buchwald Dr.-Ing.
Marcel Weil Dr.-Ing. Katja Dombrowski