mailfacebooktweet
uni-weimar
Vom unsichtbaren zum sichtbaren Design
Herausforderungen einer Disziplin die keine zu sein scheint

Vortrag 1: Prof Bernhardt E. Bürdek (Offenbach)
Vortrag 2: PD Kai Uwe Hellmann (Berlin)

Prof. Bernhardt E. Bürdek

war von 1972 - 2013 Professor für Designtheorie und Design-methodologie an der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main. Seine designtheoretischen Arbeiten standen ursprünglich im Zusammen- hang mit einem erweiterten Funktionalismus in der Tradition der hfg ulm. An der HfG Offenbach war er maßgeblich an der Weiterentwicklung einer „Theorie der Produktsprache“ beteiligt , die heute weltweit als „product language“ parallel zur „product semantic“ bekannt ist. Er veröffentlichte zahlreiche Publikationen, die in diversen Sprachen (engl., span.., ital., portug., chin., holländisch) über- setzt wurden. 2012 wurde er an der Universität für Angewandte Kunst in Wien mit einer Arbeit zum Thema „Design auf dem Weg zu einer Disziplin“ Kunst – Technik – Kultur, promoviert.

www.buerdek.info

Zusammenfassung

Vom unsichtbaren zum sichtbaren Design

„Heute löst sich der Designbegriff weitgehend auf. Die Identität einer Disziplin, die anscheinend keine sein will, wird nebulös. Heute ist alles Design und jeder Mensch ein Designer.”

Während es in anderen Disziplinen Normalzustand ist, dass „Wissenschaft immer aus den jeweiligen Disziplinen heraus formuliert, begründet und vorgetragen wird”, gibt es im Design bis heute keine aus sich heraus betriebene Designgeschichte und/oder Designtheoriebildung, bemängelt Bürdek zu Beginn seines Vortrages. Der Frage ob Design eine Disziplin ist, sein kann oder überhaupt sein möchte , geht Bürdek in seiner aktuellen Publikation und auch in seinem Vortrag in Weimar nach.

Für Bernhard E. Bürdek ist Design, u.a. mit Unterstützung der Medienberichterstattung über “Design, zu einem reichlich verkommenen Schlachtfeld geworden.” Er schlägt daher vor, dieser post-modernen Beliebigkeit mit einer strengen Ziehung der Disziplingrenzen entgegen zu treten. In Anlehnug an die 1959 formulierte Position Tomas Maldonados und der HFG Ulm, Design an technologische, an industrielle Prozesse anzubinden, solle sich der Designbegriff auf den des Industriedesign reduzieren. In diesem Zuge distanziert sich Bürdek mit Nachdruck von den sich aktuell abzeichnenden Entwicklungen hin zum Handwerk. Nach Bürdek sei dies einzig Ausdruck einer Überforderung von den sich rasch entwickelnden industriellen Veränderungen.

Das Industriedesign, so Bürdek weiter, würde sich heute an einem Punkt befinden, an dem die Medizin vor rund 500 Jahren war: „Sie erinnern sich sicherlich auch daran, dass die Heilkunde in der Vergangenheit, mittels Hand auflegen, Aderlass oder Homoralpathologie praktiziert wurde, um menschliche Beschwerden zu lindern. Und ist es im Design heute nicht in Wirklichkeit auch so? Diskurs oder Geschwätz, diese Frage bleibt über weite Strecken noch immer unbeantwortet.” In dieser Gegenüberstellung sieht Herr Bürdek auch schon die Antwort auf die von uns gestellte Frage nach einem zeitgemäßen Designbegriff in Bezug auf das von uns vorgeschlagene Thema: “Also ich sag: Design ist nicht unsichtbar, sondern macht sichtbar. (...) Nur von was?”

In Abgrenzung zu Lucius Burckhardt, der nach Bürdeks Einschatzung tendenziell den städtischen Raum thematisierte, versteht Bürdek unter sichtbar machen in Bezug auf das Industriedesign: „Die Tätigkeitsfelder haben sich verändert. Es geht nicht mehr, wie in Zeiten der Mechanik, der Elektrik, darum Produkte zu erfinden, (...) sondern darum, die neuen Produktkonzepte zu visualisieren, den Umgang mit ihnen zu verbessern oder gar neue Strategien zu entwickeln, was diese Produkte eigentlich tun sollen. Designer wurden also (...) von den Erfindern von Produkten, zu deren Interpretanten [From function to meaning].”

Der Interpretant, so Bürdek weiter, habe in Anbetracht einer rasant zunehmenden Komplexität von technischen Produkten und deren Produktion, eine vermittelnde Aufgabe zwischen der Dingwelt und ihren Benutzern. In Anlehnung an Volker Albus geht es Bürdek dabei um Fragen nach der eigentlichen Bedeutung und Kontextualisierung der Dinge : Wie interagiere ich mit und in dieser Dingwelt? Welche Situation erfordert welches dingliches Szenario? In welchem Kontext muss ich Dinge denken und sind das immer die gleichen Kontexte?

Die Kernkompetenz des Industriedesigner sei demnach , die kontextbezogene Vermittlung zwischen Ding und Mensch, mit den Mitteln der Produktsemantik oder anders ausgedrückt, die sinnstiftende Formgebung.

ZURÜCK