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uni-weimar
Ohne Titel. Oder: Quanten-Universität Weimar
Gestalten unter Netzwerbedingungen. Herausforderungen für Lehr- und Forschungsprojekte

Vortrag 1: Prof. Dr. Manfred Faßler (Frankfurt)
Vortrag 2: Prof. Dr. Georg Russegger (Wien) Zeit: Freitag, 21.11.2013, 10 – 12 Uhr
Ort: Salon

Prof. Dr. Manfred Faßler

ist Professor für Soziologie/Anthropologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und leitet dort das Forschungsnetzwerk Anthropologie des Medialen (FAMe). Seine Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind Medienevolution/Koevolution, globale Netzentwicklungen und nach-gesellschaftliche Strukturen. Aktuelle Veröffentlichungen sind Kampf der Habitate. Neuerfindung des Lebens im 21. Jahrhundert (2012) und Das Soziale. Entwicklung und Zukunft menschlicher Selbstorganisation (2013/14). Forschungsnetzwerk Anthropologie des Medialen

Zusammenfassung

Ohne Titel. Oder: Quanten-Universität Weimar

Unter diesem Titel gibt Prof. Dr. Manfred Faßler einen breiten Überblick darüber, was es bedeuten kann unter Netzwerkbedingungen zu gestalten. Er stellt seinem Vortrag drei Fähigkeiten voraus, zu denen an der Fakultät Gestaltung -- nicht zuletzt auch mit einem Rückgriff auf erstgenommene Bauhaus-Tradition -- ausgebildet werden sollte: Entwerfen, Gestalten und Emanzipieren, und das sowohl in Organisations-Prozessen, in materiellen Prozessen und auch in Netz-Prozessen.

Eine der entscheidenden Feststellungen ist dabei das Ende der Kausalität und damit auch das Ende der Annahme, dass es auch nur eine mittelfristige Folgerichtigkeit des Handels gäbe. Statt mit kausalen hätten wir es mir rein korrelative Prozesse zu tun (vgl. Big Data) und auch das Denken befände sich in einem Übergang von hermeneutischen Bedeutungsdenken hin zu einem heuristischen Struktur- oder Positionierungsdenken.

Haben laut Faßler Medien des Typografischen Universums (Marshall McLuhan) feste Bedeutungsbindungen, so haben mediale, digitale Strukturen keinen langfristigen Kontinuitätszusammenhang. Informations- und Datenströme seien konstitutiv für digitale Prozesse, natürlich auch des Entwerfens. Diese Ströme und Strukturen konstituierten Wahrnehmung, das aber derart schnell, dass die Regeln dieser Konstitution nicht überprüfbar seien. Netzwerke seien zum einen Folge derartiger Diskontinuitätsverläufe (Peter Drucker) und verstärkten sie gleichzeitig.

Emanzipieren bedeute in diesem Zusammenhang sich von den Bedingungen zu emanzipieren, die ein entwerferisches Handeln innerhalb des Netzes verweigern -- politisch wie patent-rechtlich. Daraus ergeben sich Faßlers abschließende Forderungen nach einer freien Assoziation virtueller Räume zur weltweiten Kollaboration (vgl. Netzneutralität) und dem Verbot von Patenten auf soziale Interaktion. Statt den Großkonzernen die ökonomische Selbstdefinition zu überlassen, fordert Faßler Themen wie Openness/Open Networks, die Forschung zu Interface und User/User Generated auf die Agenda zu setzen: „Ich möchte nicht in Facebookistan leben!"

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