|
Gastprof. Sandra Johnston Projekt (18 SWS/18 ECTS-CP) In diesem Projekt werden wir die Auswirkung von Terrorismus auf das gegenwärtige Alltagsleben im städtischen Umfeld untersuchen und die historischen Ursachen analysieren. Aus der künstlerischen Forschung wird eine künstlerische Arbeit für den öffentlichen Raum Weimars hervorgehen. In der Vergangenheit bezog sich der Begriff der terroristischen Bedrohung allein auf spezifische, geografische Orte. Die gegenwärtige Realität des Terrorismus jedoch ist ein all umfassendes, globales Phänomen. Das Gespür der Einzelnen für Bedrohung allerdings ist stets ein Produkt ihrer persönlichen Erfahrungen, insbesondere wenn sie einem Trauma ausgesetzt sind. Daher tragen alle modernen Reisenden einen anderen, ihnen angeborenen Blick in sich, auf das, was ihre Umgebung aus ihrer Erfahrung heraus sicher, bedrückend, aufgeschlossen oder entfremdend scheinen lässt. Das Ziel dieses Projektes ist es, zu erforschen, welche Wege Künstlerlnnen einschlagen, um – mit und trotz der unterschwelligen Präsenz von Terrorismus als alltäglichem Faktor im öffentlichen Raum – kreativ arbeiten zu können. Das Projekt zielt darauf ab, diese Beobachtungen von alltäglichen Begebenheiten in das Konzept von Gedenken einzubinden und dabei das Erbe traumatischer, historischer Ereignisse zu bedenken, das in der Struktur von Gesetzgebung, Überwachungs- und Notdiensten als verbliebene Rückstände in der heutigen Umwelt nachweisbar ist. Die TeilnehmerInnen werden ermutigt, die Problematik von Verantwortlichkeit, Idealismus und Aktivismus zu betrachten. Wessen gedenkt man? Und welche Formen werden als umsetzbar oder respektvoll für den öffentlichen Raum betrachtet.Richtet sich an: MFA Studierende Dr. Mika Hannula Graduiertenseminar (2 SWS/8 ECTS-CP) Dem Sprichwort nach ist die Vergangenheit ein fremdes Land. Die Vergangenheit ist nicht nur physisch gesehen ein fremdes, weit entferntes Territorium, sondern auch im geistigen Sinne unbekanntes Terrain. Woher wir kommen – als Individuen oder als Mitglieder eines kollektiven „wir“, ist niemals gegeben, neutral oder natürlich. Wie wir mit der Vergangenheit umgehen, welche Version von ihr wir erzählen, und welche Details wir bewusst nicht preisgeben, ist stets eine offene Frage. Es ist ein offenes Dilemma, wenn nicht gar zwangsläufig eine Wunde. Somit wird die Vergangenheit durch den ihr innewohnenden Charakter als Prozess beschrieben, der ständig konstruiert wird, Konflikt geladen und umstritten ist. Seltsam genug, dass diese drei Aspekte noch in einem anderen Konzept Anwendung finden. Dem sieht man sich gegenüber, wenn man Fragen von Vergangenheit, Erinnerung und – genauer gesagt – Akte des Gedenkens in Bezug auf die zeitgenössische Kunstpraxis verhandelt. Wie jede Version von Vergangenheit, die entweder getragen oder verleugnet wird, ist jede Art von Identität in sich niemals stabil oder fest. Sie wird in Frage gestellt, herausgefordert oder stetig gemacht und geformt durch eben diese Akte des Gedenkens. Es handelt sich um einen produktiven Prozess, der Teilnahme und Verbindlichkeit verlangt. Die Kernfrage, die zur Debatte steht, ist: Durch welche Werte, Ziele, Interessen, Bedürfnisse, Wünsche und Ängste wird die Vergangenheit definiert? Und um fortzufahren: Welches ist die Verbindung zwischen einer bestimmten Version der Vergangenheit und den Erzählungen von kollektiven Identitäten, eingebettet in und konstruiert aus der Vergangenheit heraus? Das Graduiertenseminar wird aus einer Reihe von Vorträgen bestehen, die sich auf den theoretischen Aspekt der Inhalte dieser Konzepte beziehen und die Beziehung zwischen kollektiver Identität, Gedenken und künstlerischer Praxis besonders hervorheben. Auf jeden Vortrag folgt unmittelbar eine Diskussionsrunde, während der einzelne Bespiele künstlerischer Praxis und Strategien gezeigt werden, die die oben erwähnten Fragestellungen behandeln. Diese werden sowohl vom Lehrenden als auch von den Studierenden vorgestellt. Es wird eine umfassende Literaturliste geben. Die TeilnehmerInnen werden ein Seminarpapier erstellen.Richtet sich an: MFA Studierende Gastprof. Sandra Johnston Exkursion (1 SWS/1 ECTS-CP) Während der Exkursion werden wir verschiedene Kategorien von Orten bereisen: Zum einen sind es Orte, an denen tatsächlich traumatische Ereignisse stattgefunden haben. Wir werden den gegenwärtigen Status des Ortes erfahren und sehen, ob ein Prozess des Gedenkens aktiviert worden ist. Diese Orte sind beispielsweise Exekutionsplätze oder Tatorte von Attentaten. Zum anderen sind es Orte, die Symbol geworden sind für den Umgang des Staates mit Terrorismus, wie z. B. Gefängnisse. An welchem Punkt kann ein Ereignis als ausreichend integriert oder verstanden betrachtet werden, um mit der Transformation der Nachwirkungen beginnen zu können. Oder als Gegengewicht dazu, im globalen Klima eines „Terror-Tourismus“: In welchem Maß suchen Menschen eine Stimulation in den erinnerten Relikten traumatischer Ereignisse.Richtet sich an: MFA Studierende Gastprof. Sandra Johnston Workshop (2 SWS/2 ECTS-CP) Wie kann man eine situationsbezogene, temporäre Intervention im öffentlichen Raum, wie eine prozesshafte, performative Arbeit adäquat dokumentieren? Wir werden die Möglichkeiten und Grenzen verschiedener Aufzeichnungsverfahren ausloten. Dabei werden wir Positionen zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler bezüglich der Dokumentation ihrer Arbeiten vorstellen und diskutieren. Im praktischen Teil des Workshops werden die Kenntnisse in der fotografischen Aufnahme in Bezug auf die Dokumentation der eigenen Arbeit vertieft. Richtet sich an: MFA Studierende Daniela Brasil, MFA Workshop (2 SWS/2 ECTS-CP) Dieser Workshop betrachtet ephemere Arten des Gedenkens von Geschichte in unterschiedlichen kulturellen Kontexten. Statt der symbolischen Hinterlassenschaften, die versuchen, die Vergangenheit in kristallisierter Form zu verkörpern, werden wir einfache, urbane Aktionen als potentielle Quellen analysieren, die Erinnerung in einen aktiven Bestandteil des alltäglichen Lebens transformieren können. Unter diesem Aspekt wird die Idee des „Milieu de Mémoire“ im Gegensatz zu „Lieu de Mémoire“, wie es Pierre Nora formuliert hat, beleuchtet. Der besondere Schwerpunkt auf der brasilianischen Kunst seit den 1960er Jahren wird die Diskussion über Experimentieren und Partizipieren im Themenfeld Kunst und Gedenken beleuchten. Als Ausgangspunkt wird die Arbeit „Parangolés“ von Hélio Oiticica (1937-1980) als wirksame, performative Variante, kognitives Erinnern zu potenzieren, untersucht. Die Teilnehmer/-innen sind eingeladen, von der eigenen persönlichen Erfahrung vor ihrem spezifischen kulturellen Hintergrund zu berichten.Richtet sich an: MFA Studierende |
Guest Prof. Sandra Johnston Project (18 SWS/18 ECTS-CP) In this project we will be investigating the effects of terrorism on everyday life within contemporary urban environments, and analysing its historical causes. The artistic research will result in a work of art for the public space of Weimar. In the past an understanding of terrorist threat was unique to geographically segregated locations. However the current reality of terrorism is an all encompassing global phenomena. But an individual’s awareness of threat is still a product of their past experiences, and particularly exposure to trauma. Therefore every contemporary traveller innately carries different perspectives, on what makes their experience of environments seem- safe, oppressive, accepting or alienating. The aim of this project will be to explore different ways that artists can work creatively, with and despite the underlying presence of terrorism as an everyday factor within public spaces. The project’s trajectory is to link these observations of everyday occurrences into the concept of commemoration, by considering the legacy of traumatic historical events, as evidenced in the structuring of legal, policing and emergency services, left-over as a residue within the contemporary environment. Participants will be encouraged to consider issues of responsibility, idealism and activism. What is it appropriate to commemorate? And what forms are considered negotiable or respectful within public space? Addressed to: MFA participants Dr. Mika Hannula Graduate Seminar (2 SWS/8 ECTS-CP) As the saying goes, the past is a foreign country. Not only is the past a physically foreign, far away territory, it is also mentally unknown terrain. Where we come from, both as individuals or as members of a collective “us”, is never given, neutral or natural. How we deal with the past, what version we tell of it and what details we decide not to expose is always an open question. It is an open dilemma, if not by necessity a wound. Thus, the way the past is described is through these inherent characteristic a process that is constantly constructed, conflictive and contested. Funny enough, these three C’s apply to another main concept that one has to face and focus on when dealing with the issues of past, memory and more precisely, acts of commemoration in relationship to practices in contemporary art. Like any version of a past that is either supported or denied, any type of identity is in itself never stable or solid. It is questioned, challenged and continuously made and shaped through these very acts. It is a productive process that requires participation and commitment. The main question, with any case in point, is to ask: With what values, aims, interests, needs, wants and fears is the past defined? And to continue: What is the connection between a particular version of the past the narratives of collective identities embedded into and constructed from that past? The course will consist of a number of lectures focusing on the theoretical aspects of the content of these concepts, especially emphasizing the relationships between collective identity, commemoration and artistic practice. Each lecture is directly followed up by a discursive session during which individual cases of artistic practice and strategies dealing with the above mentioned issues are presented, both by the lecturer and the students. There will be a comprehensive reading list. The course includes a writing exercise.Addressed to: MFA participants Guest Prof. Sandra Johnston Excursion (1 SWS/1 ECTS-CP) The purpose of the excursion will be to travel to different types of sites. Firstly, places where traumatic events actually took place, to experience the present status of the site, and whether or not there is a process of commemoration activated, e.g. places of execution or assassination. Secondly, places which have come to be symbolic of the governments handling of terrorism, such as prisons. At what point can an event be considered sufficiently integrated or understood by a society to begin to transform its aftermath? Or in counter balance to this – within a global climate of “Terror Tourism”, to what degree are people seeking stimulation from the commemorated relics of traumatic events? Guest Prof. Sandra Johnston Workshop (2 SWS/2 ECTS-CP) How can a situation-specific, temporary intervention in public space -as in a process-oriented, performative work - be documented in an adequate way? We will explore possibilities and limitations of different recording techniques and methods. Various options will be presented and discussed based on examples of contemporary artists' documentation of their work. The practice-based part of the workshop will concentrate on photographic skills in regards to the documentation of one's own art work. Daniela Brasil, MFA Workshop (2 SWS/2 ECTS-CP) This workshop will look at ephemeral ways of commemorating history within different cultural contexts. Rather than symbolic legacy that try to embody the past within crystallized forms, simple urban actions will be analysed as potential sources of transforming memory into an active subject of everyday life. In this sense, the idea of "Milieu de mémoire" in opposition to "Lieu de mémoire" - as posed by Pierre Nora - will be investigated. The special focus on brazilian art from the 60's onwards will illuminate the discussion of experimentation and participation in commemorative art. As a starting point, the work "Parangolés" of Hélio Oiticica(1937-1980) will be explored as an effective performative way of potentializing cognitive memory. Participants are invited to share personal experience within their specific cultural background.Addressed to: MFA participants |