Das Imaginäre des Fernsehens

 
   
 
 
 
 
   
   

 

 

Das Imaginäre des Fernsehens –
L’Imaginaire de la télévision

Tagung in Vorbereitung einer deutsch-französischen ForscherInnengruppe an der Fakultät Medien der Bauhaus-Universität Weimar und der Université Lumière, Lyon II,
29.11–01.12.2007, Weimar

Call for papers

Imaginäres und Imaginationen entstehen in jeweils bestimmbaren Anordnungen, sie haben symbolische und apparativ-reale Voraussetzungen. Sie verfahren nicht im Unbedingten, im gleichsam luftleeren Raum. Medien verkörpern diese Bedingungen des Imaginären, können sie überdies aber auch darstellen und ihrerseits reflektieren. Das Konzept des Imaginären und seine Formen sind deshalb nicht anders als medial bedingt zu begreifen. Besonders als kollektives Repertoire von Vorstellungen und (Ideal-)Bildern wird das Imaginäre von den Medien, namentlich den Massenmedien und hier zu allererst des Fernsehens, ermöglicht, unter Bedingungen gesetzt und schließlich zur Anschauung gebracht. Das Fernsehen, so die Annahme, schafft das imaginäre Repertoire zuallererst selbst, macht es sich zu nutze und entwickelt es fort. So ist die Idee des „kollektiven Imaginären“ ohne mediale Techniken der Ermöglichung von Kollektiverfahrung kaum zu denken, die wiederum die Grundlage etwa der Vorstellung eines „Kollektivkörpers“ bildet, der ja selbst eine imaginäre Prägung ist.

Begreift man das Imaginäre als einen Begriff, der die Unterscheidung zwischen Individuum und Gemeinschaft, zwischen Bild und Selbstbild, zwischen Fiktion und Realität durchkreuzt, dann ist das Fernsehen als Verursacher atomisierter Kollektiverfahrung und Produzent von Bildern, die diese Dichotomien immer schon unterlaufen, vielleicht das Medium des Imaginären im 20. Jahrhundert. Und umgekehrt würde Fernsehen nicht nur im Realen (Technologie, Ökonomie, Institution) und im Symbolischen (Format, Programm, Code) spielen, sondern erst im Imaginären seine volle Wirksamkeit entfalten.

Das Fernsehen spielt damit nicht nur eine prominente Rolle als Leitmedium der Verständigung darüber, auf welchen symbolischen und dispositionellen Imaginationen aufruhend eine Gesellschaft ihr Funktionieren aushandelt. Vielmehr sind diese Imaginationen selbst zutiefst televisiv geprägte Konzepte. Je nach kulturellem oder geschichtlichem, funktionalem oder epistemologischem Kontext können sie aber die massenmediale Prägung in sehr differenzierter Weise erfahren und ausbauen. Die Rolle des Fernsehens bei der Herausbildung spezifischer, beispielsweise kulturell, gesellschaftlich und national differenzierter Imaginationen und Vorstellungswelten, ebenso wie seine Funktion bei der Genese eines spezifisch „europäischen“ Imaginären ist einer der Schwerpunkte der geplanten Konferenz. Beiträge, die einen kulturvergleichenden Ansatz verfolgen, sind deshalb besonders willkommen.

Ob und inwiefern sich die stetige Binnenevolution, die Transformation des Mediums Fernsehen, deren Ursachen und Wirkungen sich selbstverständlich längst nicht mehr innerhalb von Länder- und Kulturgrenzen ausmachen lassen, wiederum auf die Produktionsbedingungen und damit die Verfertigung des Imaginären zurückwirkt, ist eine andere Fragestellung, der die Konferenz nachgehen möchte. Wichtig werden in diesem Zusammenhang besonders die Selbstthematisierungen des Mediums, gleichsam seine „Selbstbilder“, in seiner Funktion etwa als Generator gesellschaftlicher Selbstverständigung, als Agentur der Durchsetzung bestimmter Imaginationen oder, dem noch vorgelagert, als dinglich wie symbolisch bestelltes Möglichkeitsfeld der Bildgebung und des Imaginären überhaupt. Ein zweiter Interessenschwerpunkt sind deshalb die Bilder, die das Fernsehen von sich selbst entwirft und als deren Effekt sich ein Imaginäres des Fernsehens herausbildet.

Die Fragestellung der Tagung fokussiert somit sowohl die medialen Bedingungen und Erscheinungsformen des Imaginären als auch die Imaginationen des Medialen im Medium selbst.

Formalia
Diese Ausführungen sind als Anregung, nicht als Vorgabe zu verstehen, auch andere Perspektiven auf das Thema sind willkommen. Dieser Call richtet sich ausdrücklich auch an NachwuchwissenschaftlerInnen. Arbeitsprachen der Konferenz sind deutsch und französisch.

Vorschläge für einen Tagungsbeitrag richten Sie bitte bis zum 01.09.2007 in Form eines Abstracts von ca. 250–500 Worten, verbunden mit einigen persönlichen Angaben, an die Email-Adresse daniela.wentz [at] medien.uni-weimar.de, oder per Post an

Bauhaus-Universität Weimar
Professur Medien-Philosophie
Daniela Wentz
Bauhausstrasse 11
99421 Weimar