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Konzepte der TelevisionVorlesung (2 SWS)
Die Praktiker des Fernsehens verstehen unter einem „Konzept“ die Leitidee für eine Sendereihe der Sendeform, etwa eine neue Unterhaltungssendung oder Fernsehserie. Im Idealfall produziert die „Konzeptentwicklung“ einen ganz neuen Typ der Fernsehsendung wie etwa „Big Brother“. Das Verständnis solcher „Konzeptarbeit“ des Fernsehens ist Gegenstand der Vorlesung. Dazu ist es jedoch notwendig, ihre Fundamente tiefer zu legen. Im Wortsinne ist nämlich ein „Konzept“ nichts anderes als ein Schema der Auffassung, ähnlich wie eine Idee oder ein Begriff. In den Konzepten entwickeln sich also – unbegriffliche, anschauliche - Begriffe des Fernsehens. Das geschieht auch da, wo gar nicht ausdrücklich „Konzeptentwicklung“ betrieben wird, sondern die Konzepte gleichsam unabsichtlich und unabhängig von Autoren entstehen. Im Lauf seiner Entwicklung hat das Fernsehen so eine ganze Reihe verschiedener Konzepte ausgebildet; typische Ideen der Television, mit den Mitteln des Fernsehens erzeugt, verbreitet und oft durchgesetzt. Meist funktionieren sie wie Kontaktlinsen: selbst so gut wie unsichtbar, setzen sie alles Sichtbare unter Bedingungen, eröffnen aber auch je spezifische Möglichkeiten. Unter den Zugriff solcher Konzepte stellt das Fernsehen also jeweils sowohl die vermittelte und produzierte Wirklichkeit als auch sein eigenes Verfahren. Sie geben sich ganz selbstverständlich, werden aber dennoch da beobachtbar, wo das Fernsehen an ihnen arbeitet, sie ausformt, verändert oder wieder einkassiert, also in ihrer historischen Entwicklung. Etwa zählen im Zeitalter des Live-Fernsehens der 5oer Jahre die Übertragung einerseits, die Gleichzeitigkeit andererseits zu diesen Konzepten. Später treten die Konzepte der Speicherung, der Wiederholung und der Serialität hinzu. Aber schon „Sendung“ und „Programm“ sowie in jüngerer Zeit das „Format“ sind ganz basale Fernseh-Konzepte; Formen, die das Fernsehen ausprägt, die es konstituieren und unter die dann alles, was mit dem Fernsehen in Berührung kommt, subsumiert und konsumiert werden kann und wird. Selektivität oder Wählbarkeit ist ein weiteres solches Grundkonzept des Fernsehens, das seit den achtziger Jahren die ganze Welt – auch sie ein Konzept des Fernsehens selbstverständlich - unter den Zugriff der Wahl stellt. Aber auch der Übergang von der Visualität zur Taktilität, die Ideen des Fernsehens von Kindheit, Jugend und Familie, von Politik, Gewalt und Aufklärung, von Ereignis, Endlichkeit und Unendlichkeit zählen zu den Konzepten des Fernsehens. Besonderen Augenmerk widmet die Vorlesung den Konzepten, die das Fernsehen von Vergangenheit und Erinnerung, Gedächtnis und Geschichte, Dokument und Monument entwickelt hat. Die Konzeptgeschichte des Fernsehens soll im Laufe der Vorlesung dabei besonders als ein evolutiver Prozeß der Zeichengenese und Zeichenthematisierung lesbar gemacht werden. Erster Termin: 21.10.2004
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