WS 03 | 04

 
   
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   

 

Filme am Rand des Nervenzusammenbruchs. Das Kino Pedro Almodóvars

Proseminar 2 SWS
3 Credits

Lisa Gotto M. A.

Explosionsartig brachte Pedro Almodóvar, der populärste spanische Regisseur seit Luis Bunuel, die spanische Popkultur der späten 70er Jahre in das europäische Kino. Dabei bewegten sich seine Inszenierungen des Alltagslebens im Post-Franquismus stets jenseits normativer Erwartungen. Permanente Stil- und Tabubrüche, Frivolität, Übertreibung und Exzess gehören zu den zentralen Stilmitteln der Filme Almodóvars - und brachten ihm den Ruf eines exzentrischen Matadors in der Kino-Arena ein. Obwohl sich Almodóvar ganz offensichtlich unabhängig und abseits von traditionellen Kategorien bewegt, kann er mittlerweile eine beachtliche Erfolgsbilanz aufweisen, deren vorläufiger Höhepunkt die internationale Anerkennung darstellt, die ihm seit der Oscarprämierung von "Alles über meine Mutter" (1999) zuteil geworden ist. Nichtsdestotrotz bietet sein Filmwerk immer wieder Anlass für zahlreiche Kontroversen. Einige Kritiker warfen dem Regisseur vor, lediglich die immer gleiche Gruppe von neurotischen bzw. hysterischen Frauen zu portraitieren und zusätzlich eine gefährliche Trivialisierung von Gewalt vorzunehmen, andere Autoren charakterisierten die Protagonistinnen als selbst-bejahend, unabhängig und gleichberechtigt und betonten deren emanzipatorisches Potential. Im Gegensatz zu dem provokativem Stil des Frühwerks wird der Almodóvar der 90er Jahre gemeinhin als weniger skandalträchtig beschrieben, als jemand, der auf schrill-schräge und kitischige Inszenierungsformen und skurile Charaktere inzwischen weitgehend verzichtet. Zu eigen ist ihm jedoch nach wie vor der subversive Umgang mit genrespezifischen Gestaltungselementen sowie das Spiel mit traditionellen Werten des patriarchalen Systems, mit normativen Geschlechterbildern und sexuellen Doppeldeutigkeiten.
Im Seminar werden wir uns mit den Filmen Pedro Almodóvars von "Labyrinth der Leidenschaften" bis "Sprich mit ihr" beschäftigen und dabei der Frage nachgehen, welche Abweichungen und Druchbrechungen von etablierten Wertesystemen thematisiert und auf welche Weise diese Distanzierung von gesellschaftlichen Orientierungsmustern filmisch inszeniert werden.
Filmsichtung im Anschluss an das Seminar

Erster Termin: 23.10.2003
Donnerstags, 9.00 bis 13.00 Uhr
Raum 015, Bauhausstraße 11


Bemerkung:
Prüfungsleistung: Referat, Hausarbeit
Richtet sich an: M
Studienabschnitt 1